 Zu überwiegend live eingespielten Roots-Riddims von Ganjaman, der House Of Riddim-Band, Nattys One Drop-Band oder dem Hausproduzenten Teka liefert Nattyflo aufmunternde Ratschläge, leichte Lebensweisheiten oder Aufforderungen zum Optimismus. Die Single-Auskopplung "Bleib positiv" auf dem Too Long-Riddim steht exemplarisch für diesen Stil. Der beste Song ist aber der langsamste: "Strandleben" ist die ideale Begleitung für einen gemütlichen Abend auf dem Sofa mit einer Tüte in der linken, dem Freund oder der Freundin in der rechten Hand beim Wettbewerb: "Wer bewegt sich am wenigsten?" Die Entspanntheit, die sich automatisch beim Hören einstellt, könnte höchstens von einer chilligen Dub-Version getoppt werden. Im Umkehrschluss sind leider die schnelleren Songs, sprich: die Dancehall-Tunes die schwächsten auf dem Album. Der Bruch wirkt umso stärker als nach dem ruhigen "Strandleben" sofort der lieblose El Mariachi-Riddim folgt. Nosliw wusste schon, warum er ausschließlich zeitlose Roots-Riddims auf seinem Album "Mittendrin" haben wollte. Mit dem Track "Worte wie Feuer" versöhnt mich Nattyflo aber wieder, denn hier versucht er sich ganz passabel in einer musikalischen Analyse der IWF-Politik der sogenannten Dritten Welt gegenüber. Das verdient allein deshalb eine positive Erwähnung, weil es im deutschsprachigen Reggae mit seinem linken Image Seltenheitswert hat, konkrete politische Probleme zu besingen. Die einzige, aber dafür umso bessere Ausnahme: Nikitaman! Viele Ladies werden aber sicher mehr die gesungenen Liebeserklärungen wie "So nah", "Heut Nacht" oder "So vergeht die Zeit" interessieren, in denen Nattyflo sein gesamtes Stimmpotenzial ausspielt und abseits von Politik und Ego klar macht, worum es bei guter Musik immer auch geht: Um Gefühle. Wenn nach den Debut-Alben von Mono & Nikitaman, Nosliw, Caramelo & Criminal und jetzt auch Nattyflo das Qualitätslevel weiterhin so hoch bleibt, stehen der deutschsprachigen Reggae-Szene spannende Zeiten bevor.
Robert Kneschke
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