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Michael Bublé - Come fly with me (DVD + CD) 

18.05.2005

Wer, wie ich, Michael Bublé erstmals mit seiner aktuellen Single "Feeling Good" hört und dann noch die Mitsechziger-Version der göttlichen Nina Simone kennt, kann den jungen Mann schnell als gutaussenhenden Plagiator abtun, der glattpolierten Swing bietet und dabei eben im Anzug noch eine gute Figur macht. Aus diesem Grund habe ich mir das aktuelle Album "It's Time" bisher noch gar nicht richtig angehört.

Michael Bublé - Come fly with me (DVD + CD)Michael Bublé - Come fly with me (DVD + CD)Und ich gebe zu, dass ich bisher wenig gute Haare an dem jungen Mann gelassen habe, eben weil gerade "Feeling Good" ziemlich glatt daher kommt (man vergleiche mal mit Nina Simones Version z.B. auf "Verve Unmixed Vol. 1"). Aber nachdem ich nun "Come fly with me" gesehen und gehört habe, bin ich bereit, meine Meinung zu ändern. Wie es in der Mischung aus Dokumentation und Konzertfilm an einer Stelle beschworen wird, der junge Mann und seine Truppe könnten den Swing (Jazz Puristen werden hier allerdings Magengrimmen bekommen; sie würden diese Musik wohl im Unterschied zum Swing schwarzer Bandleader eher als Schlager abtun) wirklich zurückbringen.

Denn während Robbie Williams mit seiner Swing-Platte wohl nur seine Vielseitigkeit als Entertainer demonstrieren wollte und all seine Nachahmer von Bryan Ferry über Rod Stewart, Alison Moyet bis zu Westlife (Die lächerlichen No Angels stellen wir mal nicht direkt in diese Reihe.) im besten Fall noch als routiniert durchgehen, ist Bublé Überzeugungstäter und hat eine junge Band im Rücken, die alten Hasen in nichts zurücksteht. Dass diese DVD lediglich ein Art Cash-In ist, kann nichts an der Qualität der Musik ändern, Bublé interpretiert gleichermaßen souverän die alten Standards "Mack the Knife" (u.a. bekannt durch sein Idol Bobby Darin), "Fever" oder "Come fly with me" (ein Sinatra-Klassiker) wie moderne Van Morrison ("Moondance") oder George Michael-Titel ("Kissing a fool"). Und er kann singen wie eben kein zweiter der bisher erwähnten mit Ausnahme eben von Frankie Boy Sinatra.

Michael Bublé - Come fly with me (DVD + CD)Michael Bublé - Come fly with me (DVD + CD)Und mit eben diesem Sinatra, dem höchsten Maßstab des Genres, kann man Bublé aufgrund der Songauswahl auch sehr schön vergleichen. Beide erreichen nie die Intensität schwarzer Soul-Sänger (Man vergleiche z.B. "Try a little Tenderness" in den Versionen Sinatra, Bublé, Otis Redding und Three Dog Night oder eben, wie bereits erwähnt, "Feeling good". Interessanterweise hat sich auch Sinatra einst an einem Nina-Simone Klassiker "My baby just cares for me" verhoben, allerdings lange bevor das in den Achtzigern ein Hit wurde), aber das ist auch nicht die Charakteristik des (weißen) Swing.

Und der direkte Vergleich Sinatra/Bublé drängt sich bei der Songauswahl regelrecht auf, bei den Titeln "Nice and Easy", "For once in my life" und "Come fly with me" ("My funny Valentine", "The Way you look tonight", "Mack the Knife" und "You'll never know" habe ich von Sinatra leider nicht zur Verfügung) schneidet der jüngere einfach wirklich gut ab, sein Ausdruck, seine Phrasierungen und seine Beherrschung der Dynamik stehen dem Altmeister kaum nach, Sinatra klingt allerdings eine Ecke kantiger, während Bublé mehr Schmalz in der Stimme hat, was ihm aber auch viele Sympathien eingebracht haben dürfte.

Bublé hat damit das Talent und die Fähigkeiten, aber eben mit seiner kleinen Big Band und Produzent David Foster und mit seiner natürlich sympathischen Art auch alle Zutaten, die ihn trotz seiner jedem Zeitgeist entbehrenden Musik dauerhaft zum Gast in den Charts machen könnten. Ich empfehle "My funny Valentine" und "Moondance" aus diesem Pack als Einstieg.

Dominik Engel

http://www.michaelbuble.com

 

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