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Mutabor - Mutology (DVD) 

15.05.2005

Mutabor als Religion. In Zeiten, in denen der Glaube wieder auflebt, wenn der Papst mit der Hand winkt, heilige Bücher zum Morden inspirieren und selbst gecastete Popstars abgöttisch angehimmelt werden, in solchen Zeiten braucht es eine Band, die ihre Werte dagegenhält.

Mutabor - Mutology (DVD)Mutabor - Mutology (DVD)Eine wie Mutabor. Die Berliner Band verbreitet keine Botschaften, erzählt keine Geschichten, sie vermittelt Gefühle. Und das Signal, dass sie nichts Verbotenes sind. "Ich möchte dich gern kennenlernen", "Ich reiße mir das Hemd von der Brust und denk, 'Ich muss, ich muss mal wieder nach Amsterdam fahren, einfach so, mal übern Damm'" oder "Ich bleib' frech und froh, das ist mein Element".

Was Mutabor propagieren, ist pure Individualität. Aber nicht jene, die dem Zwang unterliegt, neue Klamotten kaufen, diese Fernsehsendungen sehen oder solche Zeitschriften lesen zu müssen! Scheiß auf die Regeln! Wir spielen Blockflötenreggaepopskapunkbeatneofolkrockdub.

Dieses Lebensgefühl als Message ist auch deshalb bei Fans so beliebt, weil die Band viel tut, um es glaubwürdig zu vermitteln. In Interviews erzählt Sänger Axel wie "Es ist deine Aufgabe, das Positive zu sehen und nicht den Kopf in den Sand zu stecken, sondern deine Freude auch nach außen zu tragen" und "Es gibt Leute, die aus der Seele heraus Musik machen und darum geht es." Der Höhepunkt aber war eine Fahrt mit über 250 Fans nach Amsterdam im Mai 2005. Wohl kaum ein Song wurde so wortwörtlich in die Tat umgesetzt wie dieses Lied, "Amsterdam". Wenn die Fans dann vor einem Konzert mehr als einen Tag Zeit haben, sich beim Busfahren, Zelten und Feiern kennenzulernen, ist die Stimmung beim Auftritt nur umso intensiver, familiärer. Das schweißt zusammen. Mutabor als Religion eben.

Denn irgendwas muss doch dahinter stecken. Oder wie ein junges Mädchen auf der Busfahrt in die Hafenstadt bemerkte: "Dafür, dass es Mutabor schon zehn Jahre gibt, haben sie erstaunlich wenige Lieder". Vielleicht hilft das den Fans, sich auf wenige Texte fürs Mitsingen zu konzentrieren.

Auf der DVD "Mutology" sind unter anderem deshalb viele Songs mehrmals zu hören. Mal live, mal mals als Clip-Begleitung oder Untermalung eines TV-Beitrags. Den längsten Teil der ca. 100minütigen DVD bestreitet die aktuelle Dokumentation "Individuum", nach der sicher jedem klar wird, warum ich den Religionsvergleich herangezogen habe. Sehr sehenswert auch der (leider nicht vollständige) Konzertmitschnitt aus dem Berliner Kesselhaus, von dem sechs Songs gezeigt werden. Hier wird deutlich, dass Mutabor eben vor allem eine Live-Band sind, die weniger durch Massen an spannenden Songs als durch eine euphorische Stimmung begeistern können.

Dazu gibt es kleiner Ausschnitte vom Auftritt bei der Hanfparade 2002 in Berlin, paar Blicke hinter die Kulissen, TV-Konzertberichte und andere Häppchen, von denen einige schon vorsichtshalber mit "peinlich" betitelt wurden, um Kritik vorwegzunehmen. Für Fans auf jeden Fall eine schöne Zusammenstellung, die bis zum nächsten offiziellen Studioalbum vertröstet.

Robert Kneschke

http://www.mutabornet.de

  • 20.05. Berlin / SO 36
  • 21.05. Singwitz (SN) / Kesselhaus
  • 26.05. Leipzig / Campusfest
  • 27.05. Audigast (SN) / Open Air
  • 28.05. Hamburg / Knust
  • 04.06 Eilenburg (SN) / Haus 6 Open Air
  • 11.06. Neubrandenburg / ajz-open-air
  • 17.06. Wernigerode (SNA) / Jugendfest
  • 18.06. Freiburg (BWB) / Radio-Dreieckland-Festival
  • 24.06. Pirna (SN) / Respect Summer Festival
  • 29.06. Bernburg (SNA) / Klosterfest
  • 08.07. Ingelheim (RP) / Euro-Folk-Festival
  • 09.07. Gut Glüsig (Nähe Haldensleben - SNA) / Open Air
  • 31.07. Freiberg (SN) / Flowerpowerfestival

mehr Tourdaten unter http://www.mutabornet.de

 

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