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Rich Schwab - Versacken (Buch) 

11.04.2005

Und es ist schon wieder passiert: Ich bin versackt! Eigentlich hätte ich tausend andere Dinge erledigen müssen, wie bügeln, Bass üben, endlich mal wieder einkaufen (aber wovon, wenn ich statt zu arbeiten lieber versacke), oder mal den mit unsinniger Software vollgeknallten Rechner aufzuräumen, weil das Laufwerk C statt physischen mittlerweile auch psychische Probleme hat. Aber, bei Gottes Gebiss, endlich gibt es Zuspruch und Erlösung! Beides finden Leute wie ich in Rich Schwabs Buch „Versacken“, ob er es denn nun so gewollt hat oder nicht.

Rich Schwab - Versacken (Buch)Rich Schwab - Versacken (Buch)Schwabs persönliche Geschichte des Versackens beginnt im zarten Alter von vier Jahren und weil er sich daran noch erinnern kann, geht die Reise in das zerbombte Nachkriegs-Köln, auf der man so nebenbei einiges vom Überlebenskampf (heute: Survival-Training) nicht nur der Erwachsenen, sondern auch des Nachwuchses jener Zeit erfahren kann – inklusive Bandenkriege, Kirmes, Karneval, Rosenkohl-Zwang und Rhabarberkompott.

Das ein Kind auch „versacken“ kann, haben die meisten nur vergessen – aber, das stundenlange Trödeln mit den Kumpels, die bis an die Schmerzgrenze ausgedehnte persönliche Sperrstunde (zu Hause gab es dafür Folter), die magischen Momente (Stunden!) vor dem Radio, die Ausflüge in fremde Welten mit einem guten Buch – was war das denn sonst, als versacken?

Es gibt natürlich unzählige Variationen dieses Zustandes, der in jedem Lebensabschnitt, teilweise hormonell bedingt, sein sanft lächelndes Antlitz ändert:

Versacken mit der ersten Freundin (Achtung: nicht jedes Mädchen versteht, was da in dir vorgeht – ach was, eigentlich versteht es keine), versacken mit der ersten Gitarre (die versteht das), mit Bier&Schnaps, Zigaretten (selbstgedrehten), mit Freunden im Proberaum oder einfach irgendwo, wo Musik ist, und schließlich auch: Versacken mit dir selbst, egal wo, im Universum in deinem Kopf dem Nachhall des Urknalls lauschen.

Rich Schwab, Menschenfreund und Beobachter, Musiker und Autor, Ex-Wirt und immer noch Stammgast hat sein Motto als Buch veröffentlicht. Im Klappentext bezieht er Stellung:

Versacken ist keine anrüchige Charakterdeformation, sondern eines der letzten Abenteuer in unserer überzivilisierten Welt – und lange nicht so gefährlich wie S-Bahn-Surfen, Skilaufen, Inline-Skaten oder Fingerhakeln. Oder Joggen, in dem gleichen Park, in dem junge Männer mit Goldkettchen ihre Pitbulls trainieren. Zum Beispiel.

Klar, es gibt auch Leute, die „das nicht nötig haben“ – und in ihrem noch nicht bezahltem Mittelklasse-Auto vor jeder roten Ampel mit dem Finger in der Nase und offenen Mund ins Leere starren – aber versacken? Niemals!

Für alle, die in guten Buchhandlungen regelmäßig versacken: Schreibt euch einen Zettel, oder besser noch, schreibt auf die Handfläche – Rich Schwab, „Versacken

vladinova

erscheint bei Kiepenheuer & Witsch, Köln. http://www.richschwab.de

Von Rich Schwab bisher erschienen: Nie wieder Apfelkorn

Eine Alte Dame Ging Hering

 

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