 Französische Texte kann ich leider gar nicht beurteilen, da ich diese Sprache nicht beherrsche, trotzdem hat die Musik, die aus unserem Nachbarland gelegentlich herüberschwappt häufig eine besondere Anziehungskraft auf mich ausgeübt, immer wieder faszinierten mich so unterschiedliche Interpreten wie Francoise Hardy, Mylène Farmer, Niagara und Telephone oder in jüngerer Zeit Keren Ann, wobei die neuerdings englisch singt. Auch Coralie Cléments Erstling "Salle des pas perdus“ übte seinerzeit seinen Reiz auf mich aus, auch wenn die Musik sich weitgehend in den konventionellen Bahnen des französischen Chanson bewegte.Mit „Bye bye Beauté“ ist der jungen Dame und ihrem Bruder Benjamin Biolay, der erneut den größten Teil der Songs geschrieben hat, allerdings nun ein echter Quantensprung gelungen. Schon Cover und Titel der Platte deuten es an, mit reinem Schönklang ist es vorbei, schon der Opener „Indécise“ rumpelt nur mit Schlagzeug und Bass los wie Shivarees „Goodnight Moon“ und im weiteren Verlauf untermalen Mariachi-Trompeten und eine verzerrte Gitarre den ängstlich gehetzt wirkenden Gesang. Dieser klingt auf dem ganzen Album zumeist zerbrechlich, fast spröde und spätestens beim Titelsong lässt sich die Assoziation Velvet Underground & Nico unmöglich verdrängen, zumal es im weiteren Verlauf mit Stompern („Avec ou sans moi“), morbiden Akustikballaden („Gloria“, „Beau Fixe“), Neo-Psychedelic („Un beau jour pour mourir“, „Ta Révérence“) und eine gehörige Dosis Indie Rock („L’enfer“, „Kids (Jeu du foulard)“, „L’impasse“ u.a.) in etwa die Mischung gibt, mit der man das Debüt der legendären New Yorker wohl in die heutige Zeit übertragen müsste. Zwar findet man auch hier (noch?) kein neues „Heroin“, aber Coralie Clemént ist nach Keren Ann mit ihrem Projekt Lady & Bird die nächste junge Französin aus dem Umfeld Biolays, die sich auf die Suche nach der wahren Schönheit der Musik unter der vergänglichen Haut des reinen Schönklangs macht und damit in der Nähe VUs landet (Keren Ann coverte auf „Lady & Bird“ „Stephanie says“). Das Album ist zwar wohl noch nicht der ganz große Wurf, Coralie Clemént darf man nun aber nicht mehr nur als nette Chansonette betrachten, die Entwicklung in den drei Jahren seit ihrem Debüt lässt noch Großes erwarten. Dominik Engel
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