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Adam Green - Gemstones 

13.01.2005

Adam Green - ist das nicht der süße, schluffige Typ mit den Wuschelhaaren und den lustigen Texten? Stimmt. Auf den ersten Blick. Auch auf seinem dritten Soloalbum „Gemstones“ reimt sich Carolina auf Vagina und vom Cover schaut er mit einem Paradebeispiel für den Begriff Schlafzimmerblick. Auf den zweiten Blick ist nicht alles anders, aber wesentlich facettenreicher.

Adam Green - GemstonesAdam Green - GemstonesMit 13 Jahren lernt Green die neun Jahre ältere Kimya Dawson kennen. Sie lesen sich gegenseitig ihre selbstgeschriebenen Gedichte vor und gründen schon bald ihre Band The Moldy Peaches. In absurden Kostümen tingeln sie durch New Yorker Kleinkunst-Clubs und singen Songs, die „Downloading porn with Davo“ oder „Who’s got the crack“ heißen. Sie treffen auf Gleichgesinnte wie den Comiczeichner und Songwriter Jeffrey Lewis und aus dem Ansatz heraus, dass nur der pure Song wichtig ist, tituliert sich der lose Verbund als Antifolk. Im Jahr 2002 erscheinen kurz hintereinander das Album der Moldy Peaches und das erste, selbstbetitelte, Soloalbum von Adam Green, beide schon vor längerer Zeit zu Hause mit minimalsten Mitteln aufgenommen. Das Album der Band wird unerwartet zum Erfolg, doch die Tournee bringt zuviel Nähe mit sich und die Band bricht auseinander.

Adam Green hat es eilig mit dem zweiten Soloalbum, lag das erste doch solange auf Halde, dass es ihn bei Erscheinen schon nicht mehr repräsentierte. Und die Verkaufszahlen des Moldy Peaches-Album reichen, dass er nun ein richtiges Studio und Streicher zur Verfügung hat. Endlich kann seine Musik so klingen, wie sie sich in seinem Kopf schon immer anhörte. Was dann passiert, konnte niemand voraussehen: Das Album „Friends of mine“ entwickelt sich zum Konsensalbum des Jahres 2003, vor allem in Deutschland sind die zumeist weiblichen Fans ganz verzückt von den Geschichten über die Plastik-Pop-Prinzessin Jessica Simpson und das Mädchen ohne Beine. Im vergangenen Jahr tourte Green gleich drei mal durch Deutschland, ein Triumphzug. Er wird zum Independent-Superstar.

Gemstones“ wird diesen Erfolg noch steigern. Es ist zu hören, dass dieses Album auf Tournee entstanden ist. Die Songs sind dynamischer als beim Vorgänger und die Orgel, eigentlich nur erzwungener Ersatz für die Streicher, wird neben Gitarre, Bass und Schlagzeug zum Gewinn, sie verleiht den 15 Edelsteinen noch mehr Schwung. Greens Stimme ist deutlich gereift, klingt voller. Für die Produktion stand deutlich mehr Budget zur Verfügung, ohne dass sie an Transparenz eingebüßt hat. Und der 23 jährige erzählt uns wieder Geschichten, die das Leben schreibt. Er singt uns den „Crackhouse Blues“, wie er sich fühlte, würde er George Bush die Hand schütteln und von seiner ersten Liebe, einem Mädchen aus dem „Bible Club“. Aber auch ernste, traurige Songs wie „Who’s your boyfriend“ haben ihren Platz. Kein Lied erreicht die Drei-Minuten-Grenze, alles ist aufs wesentliche reduziert, und doch schlagen die Songs immer wieder Haken, ist er innerhalb von wenigen Tönen von der Klavierballade über den Bossa Nova beim Musical. Diese halbe Stunde ist wie ein Rausch.

Die selbsternannten Trendsetter werfen ihm schon vor, er hätte seine Freunde aus der Antifolk-Zeit an den Erfolg verkauft und überhaupt dürfe man ihn nicht mehr gut finden, weil ihn ja so viele andere mögen. Sollen sie doch so denken, diese Indie-Spießer. Solange Green glaubhaft die Musik macht, die ihm am Herzen liegt, ist es ihm nur zu gönnen, dass er endlich von ihr leben kann. Denn auf den zweiten Blick steckt hinter diesem verschlafen guckenden Wuschelkopf ein hellwacher, intelligenter junger Mann und ein großartiger Musiker, was er mit „Gemsones“ aufs neue bewiesen hat.

Johannes Mihram

http://www.adamgreen.net

  • 15.02.05 Hamburg – Deutsches Schauspielhaus
  • 17.02.05 Dresden – Alter Schlachthof
  • 18.02.05 Erlangen – E-Werk
  • 22.02.05 München – Muffathalle
  • 24.02.05 Karlsruhe – Tollhaus
  • 25.02.05 Darmstadt – Centralstation
  • 26.02.05 Köln – Live Music Hall
  • 27.02.05 Bochum – Bahnhof Langendreer

 

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