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Keren Ann - Not going anywhere 

19.03.2004

Französische Musik ist wieder einmal in in Deutschland, Alizée, Carla Bruni, Mylène Farmer, Patricia Kaas, Yann Thiersen und Kate Ryan hinterliesen im letzten Jahr Eindrücke in den deutschen Charts.

Keren Ann Zeidel ist hierzulande dagegen nur den Besitzern der Le Pop-CD bekannt und normalerweise müsste sich das mit ihrem ersten englischsprachigen und hierzulande erhältlichen Album "Not going anywhere" sofort ändern. Nach den in Zusammenarbeit mit Benjamin Biolay entstandenen CDs "La Biographie de Luka Philipsen" und "La Disparation" bietet Keren Ann diesmal neben fünf ins Englische übersetzten Neubearbeitungen fast ausschließlich traurige Eigenkompositionen.

Keren Ann - Not going anywhereKeren Ann - Not going anywhereUnd der eröffnende Titelsong, mit zerbrechlicher Stimme zu kammermusikalischer Gitarren- und Geigenbegleitung vorgetragen, nimmt einem gleich gefangen, Erinnerungen an Francoise Hardy werden wach, bevor mit spieluhrartigen Klängen das fragile "Polly", das mit einem kleinen Bläserarrangement ausklingt, ein bisschen an Nico zu VU-Zeiten erinnert. "Road Bin", bereits heute ein zeitloser bluesiger Folk-Klassiker für mich, bietet dann inspirierte Gitarren, wie man sie seit Richard Thompsons Glanzzeiten nicht mehr gehört hat. Die weiteren Titel glänzen mit engelsgleichen Kinderchören, einer todtraurigen Slideguitar oder großen Arrangements und beim großartigen "Sailor and Widow" klingt Frau Zeidel, die hier geradezu beiläufig eine fantastische Gesangsleitung in punkto Artikulation präsentiert, dann ganz nach ihrem Vorbild Suzanne Vega zu deren besten Zeiten.

Keren Ann - Not going anywhereKeren Ann - Not going anywhereNeben den musikalischen Glanztaten darf bei einer solchen Platte aber die textliche Seite nicht vergessen werden, "Not going anywhere" ist ein Songwriter-Album von fast einzigartiger Traurigkeit, es erzählt von Vergänglichkeit, verpassten Gelegenheiten, vom endlosen Fluss, der hört aber nicht zuhört und redet aber nichts sagt, von Einsamkeit und der Isolation, die dem Wahnsinn Vorschub leistet. Aber "Life is an endless parade / it's no sweet lemonade / only an empty bottle left in the shade" ("Spanish Song Bird") und mit diesem Gefühl entlässt einem diese CD nach 38 Minuten auch.

Schlicht großartig!

Dominik Engel

http://www.kerenann.com/

 

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