 Was beide Bücher unterscheidet, ist die Sichtweise. Während Rio Reiser packend und mit Humor aus seinem Leben erzählt, bleibt Kai Sichtermann distanziert, nüchtern und reiht Pleiten, Sorgen und Attacken aneinander. Nie sei Geld für die Band drin gewesen, kann als Hauptaussage des Buches verstanden werden. Als ob die Scherben sich aus gewerbsmäßigen Motiven gegründet hätten. Nutzlos ist das Buch trotzdem nicht. Denn die Geschichte einer Band, die so vielen Menschen über so lange Zeit Kraft und Hoffnung gab und gibt wie die Scherben, wird automatisch zum Mythos. Verklärungen und Umdeutungen finden statt. Je mehr Beteiligte aus ihrer Sicht erzählen, desto besser wird das Bild wieder gerade gerückt. Aber auch nur dann, also wenn neben Sichtermanns Buch auch die Reiser-Biografie, die Songbücher der Scherben, zeitgenössische Interviews etc. gelesen werden.Die Nachfrage ist groß und so erscheint jetzt eine Neuauflage vom Buch "Keine Macht für Niemand". In den letzten drei Jahren ist viel passiert, es entstanden Scherben-Cover-Bands, der Kinofilm "Der Traum ist aus - Die Erben der Scherben" kam in die Kinos, Tribut-Platten und Theaterstücke über die Band wurden veröffentlicht und Echt landeten mit dem Rio-Cover "Junimond" einen Chart-Erfolg. Deshalb fügte Sichtermann noch ein Kapitel über diese neuen Phänomene dazu, welche zeigen, wie groß die Wirkung der 1985 aufgelösten Band immer noch ist. Wir können sicher sein: Auch bei der nächsten Auflage gibt es genug Stoff für ein weiteres Kapitel.
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