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Fantômas – Delirium Cordia 

19.10.2003

Also ein Aufruf, gleich vorweg, wenn ihr jemals Ausschnitte dieser Platte im Radio hört, schreibt mir auf welchem Sender, denn den will ich auch hören. Und damit ist schon klar, dass Mike Patton, Buzz „Buzzo“ Osbourne, Dave Lombardo und Trevor Dunn mit Fantômas auf „Delirium Cordia“ wieder Außergewöhnliches kredenzen. Allerdings sind die Rauschzustände des Herzens musikalisch keineswegs so heftig wie der Vorgänger „Director’s Cut“, das Ungewöhnliche liegt diesmal vor allem in der Form der Darreichung.

Fantômas – Delirium CordiaFantômas – Delirium CordiaDie CD besteht aus nur einem Track und beginnt mit dem knisternden Aufsetzen einer Plattenspielernadel auf einer Vinylscheibe und endet - nach etwa 19 Minuten regelmäßigem Knacken in der Auslaufrille- mit einem kurzen Rutschen der Nadel über die ganze Scheibe. Dazwischen liegen 55 Minuten überwiegend albtraumhafte Geräusche angefangen bei gregorianischen Chören über unirdische, Ligeti’sche Chöre wie man sie aus „2001 – Odyssee im Weltraum“ kennt, angsterfüllte Schreie, fugenartig zusammengesetzte simple Melodien, die sich bedrohlich steigern, Herztöne, Radio- und Dialogeinspielungen, kakophonischen Bandimprovisationen bis hin zu Ethno-Sounds. Was fehlt, ist allein das, was dem Durchschnittshörer als wiedererkennbare Melodie oder Struktur Halt in diesem Chaos geben könnte. Zwar gibt es derartige Andeutungen, diese bleiben aber zum einen fast unwirklich und kommen außerdem zu einem Zeitpunkt, an dem kein Durchschnittshörer mehr wirklich zuhört, sondern nur noch entnervt fragt, zu welchem Horrorfilm dieser Soundtrack denn gehört.

Aber wen interessiert der Durchschnittshörer? Wer sich dieser Musik mit geschlossenen Augen hinzugeben bereit ist, kann einen albtraumhaften Rausch erleben; eine Achterbahnfahrt der Phantasie durch erinnerte Filmsequenzen, denn zu fast allen Passagen dieser Höllenfahrt drängen sich Bilder auf, reißen einem mit, bis die Musik wieder wechselt und die nächste schaurige Episode beginnt. Und bei jedem Durchgang kann man einen neuen Film erleben. Eine Scheibe mit unbegrenztem Mehrwert.

Und weil ich ja so gerne auf den Promo-Infos herumreite, das hierzu ist eines der besten, die ich bisher gelesen haben, denn die Werbeargumente lauten:

Die Band hat nie mit Jay Z zusammengearbeitet.

Großartige Musik um Mitarbeiter und Nachbarn zu schikanieren.

Niemand hat behauptet, Platten zu verkaufen müsse einfach sein.

Dem ist nichts hinzuzufügen.

Dominik Engel

http://www.southern.net - http://www.southern.com

 

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