 Summerjam 2003: Die Zusage für ein Treffen ist schon abgemacht. Doch nach dem polarisierenden Auftritt von Ganjaman mit Junior Randy bleibt nur ein kurzer Plausch mit dem Manager. Die Band will nach Hause, bevor sie am nächsten Tag wieder auf der Bühne stehen wird. Beim Sizzla-Konzert in Berlin paar Wochen später treffe ich Jan Magan, wie er sich auch ab und zu nennt. Etliche Telefonate und einige Tage später ist es soweit. Ganjaman lässt für eine Stunde die Regler im Studio los, um bei einer Tüte Gummibärchen seine Ideen darzulegen.Das Album "Die Brandstifter" ist kein gewolltes Kind. Zumindest kein langfristig geplantes. Die zweite Solo-Platte von Ganjaman hatte Vorrang. Im Studio häuften sich aber so viele Songs mit und von befreundeten Sängern, dass eine andere Idee aufkam. "Warum machen wir nicht eine Platte, die deutschsprachige Künstler aus dem Raum Berlin fördert und die alle das Gleiche wollen?" beschreibt Ganjaman die Überlegung. Alle Songs wurden von Ganjaman komponiert. Dieser hat einen eigenen Zugang zum Roots-Reggae gefunden, der bei ihm leicht, melodiös und modern klingt. Die Hälfte der Songs werden zwar wie auf dem Debut-Album "Resonanz" von Ganjaman, Junior Randy oder beiden zusammen gesungen. Dazu kommen aber Beiträge von Floe Flex, Kimoe, Mr. Reedoo, Björneman und der Colonie der Chanter. Alles langjährige Kollegen und Freunde, die sich auf den Konzerten im Dorf Berlin die Mikros weiterreichen. "Das Gleiche" oder der rote Faden, den Ganjaman im "Brandstifter"-Album sieht, ist der Wunsch der Künstler nach Gleichheit, Liebe, Frieden, nach mehr Bewusstsein. "Wir empfinden uns als getrennt von diesem Planeten, dabei sind wir nur ein Teil dieser Erde, wir leben in Resonanz miteinander", sagt Ganjaman. Das klingt naiv und nach verblasster Hippie-Romantik. Deshalb steht leicht ironisch "1 Million Meilen von der Realität entfernt" als Warnung über dem Titel. Wer sich die Texte der Sänger zu Herzen nimmt, merkt aber schnell, dass hier nicht oberflächlich auf einem Stück "Heile Welt" herumgeknetet wird, dass "Liebe und Frieden" keine parolenhafte Schlagermentalität ausstrahlen. "In dieser Ellenbogengesellschaft heißt es jeder gegen jeden, das Wort Kollegialität hat nichts gemein mit Kollegen. Der ganze Scheiß macht einen so paranoid, dass man gar niemandem mehr vertraut, Leuten, die es eigentlich ehrlich mit dir meinen, überhaupt kein Wort mehr glaubt", singt Kimoe so verzweifelt, dass man ihm einen Arm um seine Schulter legen möchte. Alles wird wieder gut, Junge. Aber genau das stimmt nicht. Es wird nicht alles automatisch gut. Die Handlungen der Menschen bestimmen unsere Umwelt. Das ist eine Einsicht, die das Album vermitteln will. "Ich sitze oft abends vor dem Fernseher und bin verzweifelt, ich könnte heulen stundenlang. Weil ich einfach das Gefühl haben, dass die Menschen keine Einheit finden. In so einem hochtechnologisierten, in so einem intellektuell und philosophisch hoch ausgebildeten Land wie Deutschland machen wir was wir machen. Wie können wir tun was wir tun, obwohl wir wissen, was wir wissen? Das lässt mich oft verzweifeln. Da ist es einfacher, diese Verzweiflung zu definieren als auf ein tägliches Geschehen einzugehen," beschreibt Ganjaman seine Inspiration. .
|