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Anekdoten - Gravity 

27.09.2003

Nach einer unruhigen Übernachtung am Hofe des Karmesin-Königs. Entlastet das Erwachen durchaus. Angezogen – auch von irdischem Magnetismus – zur anstehenden Abreise beginnt Gewissheit aufzukommen. Die Schwerkraft wirkt wieder. Holt aus abseitigen Sphären zurück. Nahezu. Die letzte Audienz, welche seine Durchlaucht gestattete, bereitete weitere rote Albträume. Kaum verdaubare Eindrücke begleiten nun die Heimreise; gerieren zu teils erschreckenden, bisweilen erheiternden Anekdoten, ermuntern hobby-psychologische Traumdeutung. Gruppentherapie auf dem hohen Ross: Art-Rock-ose. Dem nimmermüden Gaul, der schleifende Zügel verabscheut. Kunstfertigkeit dagegen elegant honoriert. Die räumliche Entfernung vom Palast des “Crimson King“ bringt konzeptionelle Nähe. Im Stock-Menschlichen angekommen, wird der Akt musikalischer Verschmelzung mit majestätischer Unantastbarkeit vollzogen.

Anekdoten - GravityAnekdoten - GravityAnekdoten sind klanglich und auch strukturell nah an den frühen Siebzigern, der Zeit grandios überraschender bis unglaublich schwerfälliger - immer hoch intellektuell beziehungsweise verquast-gut-bürgerlich ausgearbeiteten - Arrangements. Der Kopf-statt-Bauch-Ära: unkörperlich, anti-sexy, zahm, verkopft. Doch das bejahrte Quartett entsteigt dem konzeptuellen Morast ernsthafter Kunst-Musik, die Rock sein will. Bannt die Gefahr des Versinkens durch atmosphärisches Drift-Entgleiten, scharfe Kanten und Bodenhaftung. Aus der kapriziösen Vergangenheit ins - leicht - entschlackte Übermorgen. Mehr als ein Fripp-Off, trotz Mellotron. Eher Motorpsycho-Thriller mit Sound-Wand-Elan und geschlossen-äugigen, tief atmenden Ruhe-Polen. Song-Ausdehnung konsequent verfolgend, subtile Komplexität einbindend, führen Anekdoten in ihren Kompositionen Progressive- und Alternative Rock zusammen. Ohne Schädel-Brumm-Aua. Die anschließende Kater-Verstimmung bleibt aus. Mit klanglicher Wärme, röhrendem Bass, einer Lead-Vocals-Stimme, die dem frühen Marc Almond nahe kommt – in passionierter, zerbrechlicher, mitunter, in Ansätzen, künstlich überzogener bis genüsslich egoistisch-selbst-inszenierter, in Aspik züngelnder Soul-igkeit.

Tobias Stalling

http://www.stickman-records.de

http://www.anekdoten.se

 

 

 

 


 

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