 Rootdown Records wurde vor drei Jahren gegründet, um ähnlich wie Germaican Records die wachsende Reggae-Szene in Deutschland zu fördern. Neben dem Coming Riddim und dem Racer Riddim wurden dort auch die EP's von Nosliw, Nikitaman und Nattyflo veröffentlicht.Anstatt einfach die besten Songs jeder Veröffentlichung auf einen Haufen zu werfen, werden mit dem Sampler vor allem neue Songs vorgelegt. Die haben es in sich und machen Hoffnung. Denn von den zwei Songs, die jeder Künstler beiträgt, hat mindestens einer tiefgründige Texte, die über ein "Uhh Baby, you look so nice" hinausgehen. In "Paradies" übt Maxim auf einem Roots-Riddim Religionskritik: "Wollen sie raus aus ihrer Not / predigen wir ganz einfach / bevor Revolte droht / wie Jesus seinen Peinigern die andere Wange bot / predigen wir ganz einfach / bevor Revolte droht / das Paradies kommt nach dem Tod!" Nattyflo vertont das Öko-Motto "Wir haben diese Welt nicht von unseren Eltern geerbt sondern nur von unseren Kindern geliehen" und Criminal singt in spanisch. Über was, kann ich mit meinen begrenzten Spanischkenntnissen nur mutmaßen: über falsche Ehre, falsche Illusionen, Angst und Kapitalismus. Nosliw macht es sich lyrisch zwar einfach, indem er in "Wie weit" nur schwere Fragen aufwirft, ohne nach einer Antwort zu suchen. Aber seine anklagende Stimme zu hören, lässt darüber schnell hinwegsehen. Als einzige Sängerin muss sich Mono zwischen den Männern behaupten und gibt dabei eine herausragende Figur ab. Sie traut sich sogar, in "Darf ich mich freuen?" über Klassen zu singen: "Ich seh das Feuer, sehe den Schatten, sehe Macht, sehe Klassen, sehe Menschen, wie sie schlafen, am Morgen sehe ich sie erwachen, ich sehe Einsamkeit und Feinde, sehe Angst, sehe Lachen, aber eines will ich klarstellen: ich werde niemals schwarzsehen". All das macht Hoffnung. Wenn die Summe der Songs einen Trend markieren würde, brauchen wir nicht zu befürchten, dass uns wie im deutschen HipHop eine inhaltslose Diss- und Spaßinvasion bevorsteht. Spaß? Ja. Inhaltslos? Nein. Tanzbar? Ja. Alle Riddims wurden vom Label-Produzenten Teka komponiert und brauchen einen internationalen Vergleich nicht fürchten. Hoffnung macht auch der Untertitel "Volume 1", denn das riecht nach einer zweiten, dritten, vierten und vielleicht sogar fünften Folge. Selten freue ich mich so auf eine Fortsetzung.
|