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Zoot Woman aus zwei Blickwinkeln 

15.09.2003

Wenn ein Album, dessen unzweifelhafte Absicht wie auch wesentlicher Charme im Anklang an längst vergangene Zeiten zu finden ist, innovativ, revolutionär klingt, handelt es sich schon um Anachronismus der fortgeschrittenen Art - und das selbstbetitelte zweite Album von Zoot Woman ist sein bestes Beispiel.

Die geschmeidigen Synthiesounds und die gutmütigen, ungebrochenen Four-To-The-Floor-Beats des Trios um Stuart Price (als Jacques Lu Cont dem einen oder anderen eventuell noch von Les Rhythmes Digitales bekannt) machen einen Schritt um ziemlich genau zwanzig Jahre zurück. Dass sie dieser Tage trotzdem frisch, stellenweise gar tolldreist progressiv wirken, verdanken sie der Tatsache, dass - den Erfolg von Nena auf nationaler Ebene mal außen vor gelassen - das Achtziger- eigentlich längst vom Siebziger-Revival um The Strokes & Co. geschluckt worden ist: in all dem Gitarren-Krach, der aus jeder Ecke zu hören ist, machen breitflächige Keyboards und leich manirierte Effekte über den (an sich natürlich schon in keinster Weise Garage-tauglichen) Vocals schlicht einen schick-modernen Eindruck. Und mehr: sie machen eine richtig gute Figur!

Schon lange konnte man sich mit keiner Platte mehr so entspannt und unverkrampft zurücklehnen wie mit "Zoot Woman", dessen lauschig blubbernder, im besten Sinne künstlicher Sound endlich die dringend nötige Alternative zum desinteressierten Geschrammel auf allen Kanälen bietet. Anhören und (wieder) lernen, wie wunderbar Musik sein kann, wenn sie sich nicht als wild kreiselnden Mittelpunkt der Dinge betrachtet!

Friedrich Reip

Zoot Woman aus zwei BlickwinkelnZoot Woman aus zwei BlickwinkelnDie Glamour-Welt der Hochglanz-Magazine ist für dauerhafte Aufenthalte des tatsächlichen Wohlbefindens wohl zu künstlich und kalt. Selbst mit distanzierender Maskerade, aus der Position beobachtender Betrachtungsferne und skeptischer Ironie hantierend, mit behutsam selbst-schützendem Vorgehen beschäftigt, dann doch unerträglich. Verdirbt den Charakter, höhlt aus. Gerade empfindsame Menschen. Das hypermelodische Epos “Living In A Magazine“ ist darum unreproduzierbar, kann keine gleichartige Fortsetzung finden.

Die Rückkehr ins Rampenlicht der Neon-Scheinwerfer zeigt Zoot Woman verändert. 2001, mit ihrem Debüt, kehrten sie komplett in die Zukunft der 80er zurück. Nun sind sie bei sich selbst angekommen – weshalb das Album den Band-Namen als Titel trägt. Im Innern. Mitten ins eigene Herz getroffen, strömt "Zoot Woman" Gefühlsintensitäten aus. Das Leiden der Leidenschaft. Es färbt Tage grau. Trist. Ungemütlich. Wie Regen im sensiblen Organismus. Nimmt jegliche Hoffnung. Lässt alles sinnlos erscheinen. Ist der traurige Blick in den Spiegel. Im melancholischen Genuss des selbstmitleidig Liebenden. Suhlen im Kummer arrangiert schmeichelhafte Herzenslieder der Anbetung, vorübergehenden Selbstaufgabe, tief empfundenen Wehleids, der hoch geschätzten Empfindsamkeit. Keine Rettung – außer märchenhaft-perfekter Pop-Musik – in Sicht. Bis das nächste “Woman Wonder“ mit den Sinnen anstellt, was nur das L-Phänomen vermag.

Tobias Stalling

http://www.zootwoman.com

 

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