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Wenn ein Album, dessen unzweifelhafte Absicht wie auch wesentlicher
Charme im Anklang an längst
vergangene Zeiten zu finden ist, innovativ, revolutionär klingt, handelt es sich schon um Anachronismus
der fortgeschrittenen Art
- und das selbstbetitelte zweite Album von Zoot Woman ist sein bestes
Beispiel. Die geschmeidigen Synthiesounds und die gutmütigen, ungebrochenen
Four-To-The-Floor-Beats des
Trios um Stuart Price (als Jacques Lu Cont dem einen oder anderen
eventuell noch von Les
Rhythmes Digitales bekannt) machen einen Schritt um ziemlich genau
zwanzig Jahre zurück. Dass sie
dieser Tage trotzdem frisch, stellenweise gar tolldreist progressiv
wirken, verdanken sie der
Tatsache, dass - den Erfolg von Nena auf nationaler Ebene mal außen
vor gelassen - das
Achtziger- eigentlich längst vom Siebziger-Revival um The Strokes &
Co. geschluckt worden ist:
in all dem Gitarren-Krach, der aus jeder Ecke zu hören ist, machen
breitflächige Keyboards und
leich manirierte Effekte über den (an sich natürlich schon in keinster
Weise Garage-tauglichen)
Vocals schlicht einen schick-modernen Eindruck. Und mehr: sie machen
eine richtig gute Figur! Schon lange konnte man sich mit keiner Platte mehr so entspannt und
unverkrampft zurücklehnen wie
mit "Zoot Woman", dessen lauschig blubbernder, im besten Sinne
künstlicher Sound endlich die
dringend nötige Alternative zum desinteressierten Geschrammel auf allen
Kanälen bietet. Anhören
und (wieder) lernen, wie wunderbar Musik sein kann, wenn sie sich nicht
als wild kreiselnden
Mittelpunkt der Dinge betrachtet! Friedrich Reip
 Die Glamour-Welt der Hochglanz-Magazine ist für dauerhafte Aufenthalte des tatsächlichen Wohlbefindens wohl zu künstlich und kalt. Selbst mit distanzierender Maskerade, aus der Position beobachtender Betrachtungsferne und skeptischer Ironie hantierend, mit behutsam selbst-schützendem Vorgehen beschäftigt, dann doch unerträglich. Verdirbt den Charakter, höhlt aus. Gerade empfindsame Menschen. Das hypermelodische Epos “Living In A Magazine“ ist darum unreproduzierbar, kann keine gleichartige Fortsetzung finden.Die Rückkehr ins Rampenlicht der Neon-Scheinwerfer zeigt Zoot Woman verändert. 2001, mit ihrem Debüt, kehrten sie komplett in die Zukunft der 80er zurück. Nun sind sie bei sich selbst angekommen – weshalb das Album den Band-Namen als Titel trägt. Im Innern. Mitten ins eigene Herz getroffen, strömt "Zoot Woman" Gefühlsintensitäten aus. Das Leiden der Leidenschaft. Es färbt Tage grau. Trist. Ungemütlich. Wie Regen im sensiblen Organismus. Nimmt jegliche Hoffnung. Lässt alles sinnlos erscheinen. Ist der traurige Blick in den Spiegel. Im melancholischen Genuss des selbstmitleidig Liebenden. Suhlen im Kummer arrangiert schmeichelhafte Herzenslieder der Anbetung, vorübergehenden Selbstaufgabe, tief empfundenen Wehleids, der hoch geschätzten Empfindsamkeit. Keine Rettung – außer märchenhaft-perfekter Pop-Musik – in Sicht. Bis das nächste “Woman Wonder“ mit den Sinnen anstellt, was nur das L-Phänomen vermag.
Tobias Stalling
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http://www.zootwoman.com
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