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Das Haus von Luci - Der verbotene Raum 

11.09.2003

Künstlern, die es in jungen Jahren bereits zu einiger Berühmtheit gebracht haben, fällt es oft schwer sich von ihrem frühen Schaffen zu distanzieren und auch als gereifter Künstler wahrgenommen zu werden. Der Versuch, diese Anerkennung zu forcieren, führt sie dann manchmal auf merkwürdige Wege, die so gar nichts mehr mit dem zu tun zu haben scheinen, was sie vorher gemacht haben.

Das Haus von Luci - Der verbotene RaumDas Haus von Luci - Der verbotene RaumSo scheint es mir auch bei Luci van Org mit ihrem neuen Projekt Das Haus von Luci. Musikalisch ist nichts mehr geblieben von den unbeschwerten Zeiten als sie noch mit Ralf Goldkind als Lucilectric durch die Gegend zog. Mit ihrem neuen Projekt - neben Luci van Org selbst sind Gary Schmalzl (Git.) und Toni Nissl (Drums, Percussion) dabei - setzt sie eher auf Morbid-Pop. Unabhängigen Morbid-Pop immerhin, denn statt sich in die Arme einer Plattenfirma zu begeben, hat sie kurzerhand ihre eigene gegründet. Diese veröffentlicht nun das durchaus abwechslungsreiche Album "Der verbotene Raum".

Während "Der verbotene Raum" musikalisch relativ konsequent umgesetzt ist -mit schwermütigen Rhythmen, aber eingängigen Melodien- bietet sich dem Hörer textlich ein ziemlich schöner Bogen an. Die ersten beiden Titel, "Kein Liebeslied" - zu dem es auf dem Album noch einen Remix von Oliver Pinelli (Wolfsheim) gibt - und "Lied für meine Feinde", sind düster und erscheinen, gerade angesichts des morbid-anstössig gezeichneten Booklets extrem gekünstelt und nach Befreiung heischend. Was sich jedoch danach bietet, zeichnet sich durch zunehmend positivere Attitüden aus.

Das Haus von Luci - Der verbotene RaumDas Haus von Luci - Der verbotene RaumVon "so wie es ist, so soll es ein / es gibt nichts zu bereuen" in "Wunderbar" bis zu der Zeile "nichts ist so schön wie das Leben" in "Leben" zeichnet sich eine Wendung, die man von dem dunklen Erscheinungsbild des Albums am Anfang gar nicht erwartet. Trotz der okkulten Aufmachung hat man komischerweise etwas positives vor sich und fragt sich unwillkürlich, was davon wirklich Ernst gemeint war und was nur Show und erneute Distanzierungsversuche (obwohl ich ihr das nicht ständig vorhalten möchte).

Sie hat sich wirklich ziemlich weit von früheren Tagen entfernt, was nicht verwundert, sie ist älter geworden und immer noch ein bisschen merkwürdig - die Videoclips, die auf der CD enthalten sind ("kein Liebeslied", "Lied für meine Feinde"), sind ziemlich anspruchslos umgesetzt und erregen eher Ekel oder Unverständnis, als dass man sie für gelungene Umsetzungen der Thematik halten könnte. Aber in jedem Fall hat sie an Tiefe gewonnen, die man vor allem merkt, wenn einem Tage später noch immer Textzeilen einfallen und man sie unwillkürlich vor sich hersingt, ohne an den äusseren Rahmen zu denken, den sich Luci van Org selbst gewählt hat. Es sind gute Songs die fast schon bieder-provokant inszeniert wurden.

Ralf

http://www.lucivanorg.de

 

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