 Nun, nach einigen Jahren Achterbahnfahrt, einigen Produktionen ohne Voodooclub und Pia Lund, dafür mit der härteren Gangart von Voodoocult, oder ganz alleine („Lord Garbage“), nach „My Private War“ (endlich wieder mit dem Club), erscheint „C90“ wie der nächste logische Schritt. Pia Lund ist wieder dabei und rückt die brüchigen, ungeschliffenen Songs wieder in fremde, aber durchaus freundliche Welten – ihre Stimme ist einfach der einzig mögliche Gegenpol zu Boas mittigem Genörgel.
Noch logischer ist aber eine Wandlung biologischen Ursprungs: Man wird halt älter und haut nicht mehr immerzu auf die Kacke, obwohl der Boa das nicht verlernt hat („I`m An EX ½ Popstar“). Aber insgesamt ist „C90“ so ziemlich das lässigste Werk, das der Voodooclub je von sich ließ.
Die Singleauskopplung „Slipstream“ wiegt mit ihrem Synthie-Basslauf in Sicherheit, bevor „Down“ einem die Schuhe auszieht und „It`s Not Punk Anymore“ auf die nackten Zehen tritt. Und so geht es weiter, mal im 6/8-Takt („By A Soul In Hell“), mal aufgedreht und laut („Murder Of Music“) oder sanft/groovy („The Girl Who Wants To Die Everyday“).
Wer alt genug ist, sich daran zu erinnern, wie er/sie früher die 90er Musikcassetten für Freunde, oder für die große Liebe aufgenommen hat – das große Zittern, ob das Band für den letzten Song, den Höhepunkt ausreicht – und wie liebevoll man das kleine Cover bis zum Kunstwerk bemalt hat, der kann nachvollziehen, was Phillip Boa And The Voodooclub sich bei dem Titel „C90“ gedacht haben. Natürlich ist das Album wieder einmal nichts für die breite Masse – aber die hat ja ihre eigenen „Superstars“. vladinova
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