 a.jo “Götter auf Abruf“ kommt am 22. September in die Läden. Ihr singt in einem Song „Da muss doch irgendetwas sein. Ein Sinn für mich in dieser Welt zu leben.“ Hast du einen Sinn für dich gefunden? Robin: Nö. a.jo: Okay, nächste Frage (lacht). Robin: (lacht) Diese Sache ist als Frage gemeint. An diejenigen die vorgeben den Sinn gefunden zu haben.
a.jo: Denkst du sie haben ihn gar nicht gefunden und geben es nur vor? Robin: Für die, die eben anderen sagen, dass das der Sinn des Lebens sei. In diesem Sinne machen es sich einige ziemlich einfach. Ich frage mich an vielen Stellen eben, was das soll. Ich habe mich gerade vorhin mit jemanden unterhalten, er hat erzählt, dass er Maurer gelernt hat. Jetzt ist er Fliesenleger. Er legt den ganzen Tag nur Fliesen, ohne dass er jemals wieder als Maurer arbeiten wird. Im Prinzip gibt es in einer Baufirma viele Fliesenleger die dann aber auch Maurer sind. Das ist schon relativ merkwürdig. Dass man das, was man eigentlich will, wofür man sich eigentlich interessiert, gar nicht macht. Also das, worin man eigentlich seinen Sinn sieht.
a.jo: Aber man ist im Leben auch ein bisschen ambivalent. Vielleicht weiß man gar nicht so genau, was man richtig will. Das ist doch eher das Kernproblem, oder? Robin: Ich denke das Kernproblem liegt darin, dass andere Leute vorgeben, was du zu machen hast. In diesem Sinne behaupten sie, was relevant sei, zum Beispiel, dass du Geld zu verdienen hast.
a.jo: Aber prinzipiell hast du schon die Meinung, dass du weißt was du machen möchtest? Also ich finde es immer schwierig zu Wissen, wo es lang gehen soll und ein Ziel vor Augen habe ich bei Weitem nicht. Robin: Das haben eigentlich doch nur die älteren Menschen. Also wenn man noch ein bisschen Jugend in sich hat, kann man doch viel machen. Man kann sich noch entwickeln. Die Frage ist, inwieweit wird dir etwas vorgegeben. Du steuerst die ganze Zeit auf eine Sache einfach zu, ohne dass du jetzt sagst das wollte ich eigentlich genau so. Aber irgendwie entdeckst du nach 10 Jahren, dass du dort gelandet bist.
a.jo Oder du interpretierst es dahingehend, dass du im Nachhinein deinen Sinn reinquetschst. Robin: Genau. Das kann man dann auch noch machen. Vielleicht war es auch nicht so schlimm. Ich finde man kann nie früh genug damit beginnen darüber nachzudenken.
a.jo: Leider sind solche Fragen lange Zeit offen und wir streben doch alle nach schnellen Antworten, oder? Robin: Also wenn mir eine Frage ab und zu wiederbegegnet, weil man sie verdrängt hat, ist es doch auch was wert. In diesem Sinne existieren viele Fragen seit Tausenden von Jahren noch. Sie sind noch nicht beantwortet. Und wenn man sich jetzt darüber beschwert, bringt das gar nichts. Du könntest aber auch probieren sie zu beantworten und allen sagen was hier Sache ist. Wissenschaftler machen das so. Newton hat sein Gesetz von der Schwerkraft so entdeckt. Und nur weil er sich ein paar Gedanken darüber gemacht hat.
a.jo: So etwas finde ich immer sehr gewagt. Da wir sehr viel auch von älteren Wissenschaftlern ohne es in Frage zu stellen annehmen. Es ist einfach so. Wer weiß, ob das Gravitationsgesetz vielleicht gar nicht stimmt. Es hat tausend Mal funktioniert und wir wären doch bestimmt irritiert, wenn auf einmal der Apfel nach oben fliegen würde. Robin: Das wäre relativ irritierend, da hast du Recht. Da würde man diesem Gesetz widersprechen.
a.jo: Q.e.d. Robin: Es funktioniert eben dialektisch. Man muss etwas beweisen und es ist auch eine Herausforderung.
a.jo: Aber ich denke, man stellt einfach viel zu wenig in Frage. Man nimmt schnell der Einfachheit etwas an. Wenn man sich solche Fragen stellt, sind wir auch an einem Punkt angelangt, den man mit Erwachsenwerden umschreiben kann! Robin: Genau. Da gibt es bestimmt Unterschiede, wie das bei einigen funktioniert. Bei mir war das zumindest so, dass ich schon relativ früh damit angefangen habe. Es kommt aber auch meistens auf die Erlebnisse an. Wenn man sehr früh seine Eltern beim Unfall verloren hat, fängt man eben sehr früh an, sich seine Gedanken zu machen.
a.jo: Über die Begrenztheit. Ja, das kenne ich auch. Robin: Wenn Menschen nie etwas Schlimmes widerfährt, dann haben diese in vielen Punkten eine ganz andere Herangehensweise. Der eine fängt früher oder der andere eben später damit an. Manche aber auch nie.
a.jo: Findest du Erwachsenwerden eigentlich gut? Robin: Ja, in diesem Sinne finde ich es gut. Wenn du sagst, ich müsste seriöser werden weil ich Erwachsen bin, finde ich das nicht unbedingt gut.
a.jo: Aber das impliziert es doch, oder? Dass man reifer wird, Verantwortung übernimmt. Also für mich hat Erwachsenwerden eher einen negativen Touch. Robin: Aber ich finde, auch eine reife Frucht hat zum Beispiel was. So ein grüner Apfel, bei dem ich die Schale kaum durchkriege. Ich will lieber einen gelben, saftigen, süßen Apfel essen.
a.jo: Du weißt aber schon, dass dann auch Maden kommen. Robin: Aber wenn du Glück hast, sind keine Maden drin.
a.jo: Ich wollte damit nur sagen, das alles auch eine negative Seite. Na gut. Was möchtest du eigentlich gerne deinen Nachfahren eines Tages sagen können. Das ist glaube ich auch eine Textzeile. Robin: Vielleicht á la: Iss auf, setzt dich ordentlich hin.
a.jo: Knigge Band 1! Lies das durch. Und schweig. Und stell keine Fragen. Vielleicht gibst du ihnen einen guten Ratschlag. (lacht) Robin: Werde so wie dein Vater! Mach was daraus. Toi, Toi. (lacht)
a.jo: Chakra! Ihr singt in einem Song von Verlust, wie gehst du eigentlich mit ihnen um? Robin: Ja, das ist der Song „Ich habe die Macht“.
a.jo: Macht ja nix. Robin: Also, wenn ich die nicht verliere, habe ich auch keinen Verlust.
a.jo: Okay, du hast mich niedergestreckt. (lacht) Robin: Wie gehe ich mit Verlust um? Ganz einfach!
a.jo: Verdrängen! Robin: Ja, ich verdränge ihn.
a.jo: Hätte ich auch gesagt, habe ich auch. Das ist ja auch das Gesündeste. Robin: Ich will versuchen, daraus zu lernen. Meistens klappt das aber nicht. Ich beschäftige mich mit ähnlichen Sachen, um dann zu erkennen wo die Parallelen liegen. Welche Motivation dazu geführt hat, den Verlust zum Beispiel zu beschleunigen.
a.jo: Denkst du eigentlich, dass man immer nach einem bestimmten Schema funktioniert? Ich habe manchmal das Gefühl, dass ich mir nicht zu Schade bin doppelt in ein Fettnäpfchen reinzulaufen. Robin: Das kann man aber auch erkennen.
a.jo: Du denkst also an so eine Erweiterung, das man wirklich daraus lernen kann? Robin: Ja. Man sollte nicht jeden einzelnen Schritt analysieren, das kann man auch nicht machen. Wenn ich wieder einen Punkt spüre, bei dem ich nicht weiterkomme, dann muss ich einen Schritt anders gehen. Man muss auch ein bisschen sensibel sein. Die Sensibilität vom letzten Verlust behalten, dass man dann auch merkt, jetzt komme ich wieder auf dieses Ding. So denke ich funktioniert es, zumindest bei mir. Natürlich auch nicht immer.
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