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Interview mit Robin von der Letzten Instanz! Teil 1! 

19.09.2003

Es begab sich an einem Dienstag gegen 17 Uhr. Eigentlich hatte ich den Termin für das Interview mit Robin vor drei Wochen extra nach hinten geschoben, damit ich voll fit und höchst konzentriert bin. Aber manchmal läuft es eben anders als man denkt: Ich war bis Freitag noch mit dem Rucksack unterwegs und dieses kleine Date mit dem Telefonhörer hatte ich irgendwie vergessen. Am Wochenende stolperte ich wieder darüber und überlegte mir ein kleines Konzept. Der Plausch hätte von meiner Seite ruhig noch weitergehen können, aber da ich von einigen Plattenfirmen schon gut sozialisiert worden bin - „20 min und nicht länger!" – habe ich das Gespräch nach rund 27 Minuten beendet.

Doch nun zum eigentlichen Thema. Seite 1996 kommen Freunde von Cello und Violine oder der Genre Crossover, NewMetal, Klassik und Spätrenaissance, Synthesizer, Folk bei der Letzten Instanz auf ihre Kosten. Die Konzerte sind immer sehr lebendig und ich war vor rund zwei Jahren im Berliner Pfefferberg und habe die Massen mitwippen und abhotten gesehen. Wer die Chance hat, sollte sie nutzen und die Energiebündel auf der Bühne mal beäugen. Am 22. September 2003 kommt auch neues Material heraus und das neue Werk wird “Götter auf Abruf“ heißen.

Interview mit Robin von der Letzten Instanz! Teil 1!Interview mit Robin von der Letzten Instanz! Teil 1!a.jo “Götter auf Abruf“ kommt am 22. September in die Läden. Ihr singt in einem Song „Da muss doch irgendetwas sein. Ein Sinn für mich in dieser Welt zu leben.“ Hast du einen Sinn für dich gefunden?

Robin: Nö.

a.jo: Okay, nächste Frage (lacht).

Robin: (lacht) Diese Sache ist als Frage gemeint. An diejenigen die vorgeben den Sinn gefunden zu haben.

a.jo: Denkst du sie haben ihn gar nicht gefunden und geben es nur vor?

Robin: Für die, die eben anderen sagen, dass das der Sinn des Lebens sei. In diesem Sinne machen es sich einige ziemlich einfach. Ich frage mich an vielen Stellen eben, was das soll. Ich habe mich gerade vorhin mit jemanden unterhalten, er hat erzählt, dass er Maurer gelernt hat. Jetzt ist er Fliesenleger. Er legt den ganzen Tag nur Fliesen, ohne dass er jemals wieder als Maurer arbeiten wird. Im Prinzip gibt es in einer Baufirma viele Fliesenleger die dann aber auch Maurer sind. Das ist schon relativ merkwürdig. Dass man das, was man eigentlich will, wofür man sich eigentlich interessiert, gar nicht macht. Also das, worin man eigentlich seinen Sinn sieht.

a.jo: Aber man ist im Leben auch ein bisschen ambivalent. Vielleicht weiß man gar nicht so genau, was man richtig will. Das ist doch eher das Kernproblem, oder?

Robin: Ich denke das Kernproblem liegt darin, dass andere Leute vorgeben, was du zu machen hast. In diesem Sinne behaupten sie, was relevant sei, zum Beispiel, dass du Geld zu verdienen hast.

a.jo: Aber prinzipiell hast du schon die Meinung, dass du weißt was du machen möchtest? Also ich finde es immer schwierig zu Wissen, wo es lang gehen soll und ein Ziel vor Augen habe ich bei Weitem nicht.

Robin: Das haben eigentlich doch nur die älteren Menschen. Also wenn man noch ein bisschen Jugend in sich hat, kann man doch viel machen. Man kann sich noch entwickeln. Die Frage ist, inwieweit wird dir etwas vorgegeben. Du steuerst die ganze Zeit auf eine Sache einfach zu, ohne dass du jetzt sagst das wollte ich eigentlich genau so. Aber irgendwie entdeckst du nach 10 Jahren, dass du dort gelandet bist.

a.jo Oder du interpretierst es dahingehend, dass du im Nachhinein deinen Sinn reinquetschst.

Robin: Genau. Das kann man dann auch noch machen. Vielleicht war es auch nicht so schlimm. Ich finde man kann nie früh genug damit beginnen darüber nachzudenken.

a.jo: Leider sind solche Fragen lange Zeit offen und wir streben doch alle nach schnellen Antworten, oder?

Robin: Also wenn mir eine Frage ab und zu wiederbegegnet, weil man sie verdrängt hat, ist es doch auch was wert. In diesem Sinne existieren viele Fragen seit Tausenden von Jahren noch. Sie sind noch nicht beantwortet. Und wenn man sich jetzt darüber beschwert, bringt das gar nichts. Du könntest aber auch probieren sie zu beantworten und allen sagen was hier Sache ist. Wissenschaftler machen das so. Newton hat sein Gesetz von der Schwerkraft so entdeckt. Und nur weil er sich ein paar Gedanken darüber gemacht hat.

a.jo: So etwas finde ich immer sehr gewagt. Da wir sehr viel auch von älteren Wissenschaftlern ohne es in Frage zu stellen annehmen. Es ist einfach so. Wer weiß, ob das Gravitationsgesetz vielleicht gar nicht stimmt. Es hat tausend Mal funktioniert und wir wären doch bestimmt irritiert, wenn auf einmal der Apfel nach oben fliegen würde.

Robin: Das wäre relativ irritierend, da hast du Recht. Da würde man diesem Gesetz widersprechen.

a.jo: Q.e.d.

Robin: Es funktioniert eben dialektisch. Man muss etwas beweisen und es ist auch eine Herausforderung.

a.jo: Aber ich denke, man stellt einfach viel zu wenig in Frage. Man nimmt schnell der Einfachheit etwas an. Wenn man sich solche Fragen stellt, sind wir auch an einem Punkt angelangt, den man mit Erwachsenwerden umschreiben kann!

Robin: Genau. Da gibt es bestimmt Unterschiede, wie das bei einigen funktioniert. Bei mir war das zumindest so, dass ich schon relativ früh damit angefangen habe. Es kommt aber auch meistens auf die Erlebnisse an. Wenn man sehr früh seine Eltern beim Unfall verloren hat, fängt man eben sehr früh an, sich seine Gedanken zu machen.

a.jo: Über die Begrenztheit. Ja, das kenne ich auch.

Robin: Wenn Menschen nie etwas Schlimmes widerfährt, dann haben diese in vielen Punkten eine ganz andere Herangehensweise. Der eine fängt früher oder der andere eben später damit an. Manche aber auch nie.

a.jo: Findest du Erwachsenwerden eigentlich gut?

Robin: Ja, in diesem Sinne finde ich es gut. Wenn du sagst, ich müsste seriöser werden weil ich Erwachsen bin, finde ich das nicht unbedingt gut.

a.jo: Aber das impliziert es doch, oder? Dass man reifer wird, Verantwortung übernimmt. Also für mich hat Erwachsenwerden eher einen negativen Touch.

Robin: Aber ich finde, auch eine reife Frucht hat zum Beispiel was. So ein grüner Apfel, bei dem ich die Schale kaum durchkriege. Ich will lieber einen gelben, saftigen, süßen Apfel essen.

a.jo: Du weißt aber schon, dass dann auch Maden kommen.

Robin: Aber wenn du Glück hast, sind keine Maden drin.

a.jo: Ich wollte damit nur sagen, das alles auch eine negative Seite. Na gut. Was möchtest du eigentlich gerne deinen Nachfahren eines Tages sagen können. Das ist glaube ich auch eine Textzeile.

Robin: Vielleicht á la: Iss auf, setzt dich ordentlich hin.

a.jo: Knigge Band 1! Lies das durch. Und schweig. Und stell keine Fragen. Vielleicht gibst du ihnen einen guten Ratschlag. (lacht)

Robin: Werde so wie dein Vater! Mach was daraus. Toi, Toi. (lacht)

a.jo: Chakra! Ihr singt in einem Song von Verlust, wie gehst du eigentlich mit ihnen um?

Robin: Ja, das ist der Song „Ich habe die Macht“.

a.jo: Macht ja nix.

Robin: Also, wenn ich die nicht verliere, habe ich auch keinen Verlust.

a.jo: Okay, du hast mich niedergestreckt. (lacht)

Robin: Wie gehe ich mit Verlust um? Ganz einfach!

a.jo: Verdrängen!

Robin: Ja, ich verdränge ihn.

a.jo: Hätte ich auch gesagt, habe ich auch. Das ist ja auch das Gesündeste.

Robin: Ich will versuchen, daraus zu lernen. Meistens klappt das aber nicht. Ich beschäftige mich mit ähnlichen Sachen, um dann zu erkennen wo die Parallelen liegen. Welche Motivation dazu geführt hat, den Verlust zum Beispiel zu beschleunigen.

a.jo: Denkst du eigentlich, dass man immer nach einem bestimmten Schema funktioniert? Ich habe manchmal das Gefühl, dass ich mir nicht zu Schade bin doppelt in ein Fettnäpfchen reinzulaufen.

Robin: Das kann man aber auch erkennen.

a.jo: Du denkst also an so eine Erweiterung, das man wirklich daraus lernen kann?

Robin: Ja. Man sollte nicht jeden einzelnen Schritt analysieren, das kann man auch nicht machen. Wenn ich wieder einen Punkt spüre, bei dem ich nicht weiterkomme, dann muss ich einen Schritt anders gehen. Man muss auch ein bisschen sensibel sein. Die Sensibilität vom letzten Verlust behalten, dass man dann auch merkt, jetzt komme ich wieder auf dieses Ding. So denke ich funktioniert es, zumindest bei mir. Natürlich auch nicht immer.

Interview mit Robin von der Letzten Instanz! Teil 1!Interview mit Robin von der Letzten Instanz! Teil 1!a.jo: Die Textgrundlage von einem Song ist das Märchen „Des Kaisers neuen Kleidern“. Ich habe neulich etwas über eine Studie gehört, dass ganz viele Kinder keine Märchen mehr kennen.

Robin: Ja, viele Erwachsene kennen auch keine Märchen mehr. Das ist genauso schade. Ich habe vorhin gerade Max Frisch gelesen. Und zwar schreibt er: „Man kann sagen, dass ihre Zeitung lügt, oder sie verhindert eigentlich nur dreimal täglich die Aufklärung." Und genauso ist das. Wenn die Medien andauernd irgendetwas anderes bringen, ist das nicht schlimm. Ich meine es ist schön bunt und vielleicht ist auch eine Comicfigur lieb und süß. Aber im Märchen steckt viel drin. Da ist eben mehr relevant. Früher war die Industrie, die hinter dieser Medienlandschaft stand, nicht so gewalttätig wie sie mittlerweile ist. Dadurch entsteht auch die sehr große Konkurrenz. Produkte werden rausgeschmissen und irgendwie ist alles auch sehr schnelllebig. Die Nachfrage muss hoch sein. Wenn Kinder natürlich sich ein Märchenbuch holen und es dann immer wieder lesen würden, wäre das furchtbar. Es würde keinen Gewinn machen, nur so zum Beispiel. Ich lese sehr gern Märchen. Ich habe sie von meinen Eltern auch gehört. Jetzt habe ich mich wirklich viel damit beschäftigt und da gibt es Wahnsinnsdinger. Kurz und eigentlich wird alles gesagt.

a.jo: Was ich auch sehr interessant finde, sind die ganzen Kulturkreise mit ihren eigenen Märchen und Mythen. Wenn man sich zum Beispiel keltische, irische usw. ansieht!

Robin: Ich habe jetzt ein norwegisches Märchenbuch gelesen. Das ist der Hammer. Ich saß mit einer Freundin hier und habe ihr zwei Märchen vorgelesen. Wir haben uns kaputt gelacht. Das war so gut. Norwegische Märchen von Reclam, musst du mal gucken.

a.jo:. Mach ich. Wie seit ihr eigentlich auf euren Albumtitel “Götter auf Abruf“ gekommen?

Robin: Rate mal.

a.jo: Ihr habt erst eine Zeitung aufgeschlagen und dann wolltet ihr im Ottoversandkatalog Götter bestellen, und das ging dummerweise nicht. Somit habt ihr Euch gedacht, wir wollen “Götter auf Abruf“ und das sofort.

Robin: Ja.

a.jo: Ich habe darauf Tantiemen. Ihr könnt das jetzt nicht weiterverwenden.

Robin: Wir haben uns einfach gefragt, wie nennen wir nun das Kind. Wir hatten lange Zeit einen anderen Titel gehabt. Dann war die Platte fertig und wir haben uns viel damit rumgeschlagen, was die Leute erwarten könnten und was nicht. Irgendwie kamen wir dann darauf, dass es sehr religiös anmutet, wenn man die Diskussionen hört, welche übernatürliche Erwartungen die Leute haben. Das haben wir dann versucht zu hinterfragen. Aber jeder kann selber noch einmal einen Gedanken darüber verlieren. Wir leben im Abendland und dort hängt immer noch sehr viel mit einem Gott zusammen.

a.jo: Glaubst du an Gott?

Robin: Nein.

a.jo: Generell hast du keinen Glauben, oder doch einen Glauben, aber nicht den an Gott?

Robin: Ich habe eigentlich generell keinen Glauben.

a.jo: Also bist du ein totaler Atheist.

Robin: Ich bin ein totaler Atheist. Die Verbindungen die sich da bei mir herstellen sind ziemlich zwiespältig. Ich habe in diesem Sinne nichts gegen Religion. Ich habe etwas dagegen, wenn das hochsterilisiert wird und gesagt wird, wir wissen es besser. Wir haben das Buch. Das finde ich scheinheilig und alles was damit zusammenhängt steckt auch in unserem Titel. Der Mensch ist verantwortlich und nicht die Götter selber.

a.jo: Was mir immer schwer fällt ist, wenn missioniert werden soll, á la: Wir wollen dich nur retten.

Robin: Wie die Zeugen Jehovas. Die Kirche macht so was nicht mehr, weil sie überall ihre Festungen hat. Sie macht das relativ unterschwellig. Aber, das ist auch ein sehr kompliziertes Thema.

Interview mit Robin von der Letzten Instanz! Teil 1!Interview mit Robin von der Letzten Instanz! Teil 1!a.jo: Ich habe ein paar Interviews von euch gelesen und in allen war ein Thema: „Vegetariersein“. Ich weiß jetzt nicht, ob ich nur die paar Relevanten herausgefischt habe, oder ist es euch wichtig?

Robin: Ja, das ist uns wichtig.

a.jo: Seid ihr alle Vegetarier? Ist es Prämisse 1 in der Band mitspielen zu dürfen?

Robin: Nein, ich glaube mittlerweile sind auf Tour sechs oder sieben Vegetarier und die anderen nicht. In der Band selber ist es glaube ich halbe-halbe.

a.jo: Ihr könntet euch gegenseitig also aufessen.

Robin: Wir haben als Vegetarier immer Angst vor den anderen. Wir haben unsere eigene Ecke. Und wir haben uns auch Waffen besorgt.

a.jo: Survival.

Robin: Wir wissen uns eben zu wehren. Das sagen wir allen auf der Welt. Seid euch nicht zu sicher.

a.jo: Ich hatte in einem Interview von 2001 das Wort BRD gelesen. Gibt es für euch einen Unterschied in den alten oder neuen Bundesländern zu touren?

Robin: Ja. Wir selber sind auf jeden Fall bekannter im Osten. Wir haben die doppelten Zuschauerzahlen im Osten, als im Westen. Aber wir haben herausgekriegt, dass die im Westen meistens Kopf, Arme, Beine, Hände, Füße und Augen haben.

a.jo: Man munkelt doch eher.

Robin: Früher wussten wir es nicht. Da war diese große Mauer und wir haben damals wirklich gar nichts mitgekriegt. So war das letzten Endes auch eine Überraschung für uns. Man kann sogar mit denen reden, die verstehen deutsch.

a.jo: Aber nur ab und zu, oder? Die Antworten sind dennoch manchmal sehr komisch.

Robin: Ja, die Antworten sind manchmal komisch, aber das ist die Sozialisation. Sie sind sehr sympathisch und bei uns sind auch zwei Wessis in der Band. Wir schlagen sie nur noch ab und zu. Die Schrauben haben wir auch gelockert.

a.jo: Aber das dient doch sicherlich nur zur Arterhaltung, zwei Unikate sollte man sich immer sichern.

Robin: Oder einfach, dass es sympathischer herüberkommt.

a.jo: Für die Presse, oder? Das ist der PR-Gag. Wir halten uns auch Wessis. Mir fällt gerade auf, dass es ja schon 20 Minuten sind.

Der zweite Teil folgt.

a.jo

http://www.letzte-instanz.de

=> zum Interview, Teil 2

 

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