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Patenbrigade: Wolff - Werkzeugbuch 

08.09.2003

Elektropop der beruhigenden Sorte? Häufig erst gar nicht verfügbar. Und wenn doch, dann wird gerne das Material aus der Schublade in Knöchelhöhe gereicht. Auf diese Art begegnet man Balladen, welche einem die Tränen in die Augen treiben oder auf rabiate Klabautermänner mit düstersten Weltanschauungen. „Werkzeugbuch“ schließt diese Lücke und zeigt, dass elektronische Musik auch weit unterhalb von 140 BPM funktioniert.

Patenbrigade: Wolff - WerkzeugbuchPatenbrigade: Wolff - WerkzeugbuchDer Urheber Sven Wolff liefert seinem Werk die folgende Erläuterung mit: „Mein Onkel Ingolf war von 1981-1988 Turmdrehkranführer. Er hörte eines Tages rein zufällig die Wolff-Tapes und meinte: Das ist genau das, was ich damals hoch oben in meiner Kanzel gebraucht hätte! Das war zu der Zeit, als dieses Album entstand. Er hat hilfreiche Tipps gegeben, unter anderem bestimmte er die Songtitel zu den Songs, die natürlich allesamt aus der Lehre der Turmdrehkranführer stammen und passend zum Turmdrehkrankonzept ausgewählt wurden. Seit dem ist unsere Musik zu allererst allen Turmdrehkranführern gewidmet, die Tag für Tag sehr viel Zeit auf ihren Kränen verbringen. Patenbrigade-Musik ist der Soundtrack für diese Situation.

Ich rekapituliere - es handelt sich bei der Platte also um einen Soundtrack bzw. Songs, passend zum Turmdrehkrankonzept. Wie geil ist das denn?

Patenbrigade: Wolff - WerkzeugbuchPatenbrigade: Wolff - WerkzeugbuchAuf dem Album finden sich - dem Onkel sei Dank -, so griffige Titel wie z. B. „Untersynchrone Bremsung“, „Rotationsmeter“, „Meisterschalter“ oder „Messwerterfassung“. Konzept ist schließlich Konzept.

Kontaktlose Befehlsgeber“ bringt ein lupenreines Instrumentalstück an den Tag. Eine gezügelte Drum-Machine paart sich mit weitflächigen Synthiesounds. Dieses Gespann wird punktuell mit Klängen aus der EBM-Welt angereichert. Bei dem Sound kommt einem durchaus Jean Michel Jarre in den Sinn. Der ist zwar bekannt, war aber nie so richtig hip. Als Referenz wesentlich besser geeignet wären daher Final Selection.

Wolff verdeutlicht mit diesem Release, wie sehr analoge 80er-Sounds grooven können. Sofern man ihnen denn nur den notwendigen Schub mitgibt und selbigen ab und an abrupt unterbricht. Aber nur zu dem Zweck, um Sekundenbruchteile später eine neue Soundformation weitergaloppieren zu lassen. Take a break. Take a Patenbrigade.

Führer WC“ – ein starkes Kind. Kraftvoll, verspielt. Hier werden mächtige Schalter umgelegt. Ein wuchtiger, nicht zu deftiger Synthiesound greift um sich – zum Ausgleich leitet die Nummer direkt über in die sphärischen Weiten des Songs „Thyristoren“. Chill out.

Patenbrigade: Wolff - WerkzeugbuchPatenbrigade: Wolff - WerkzeugbuchDub- und Ambient-Elemente finden auf „Werkzeugbuch“ ebenso ihren Platz wie kraftvolle EBM-Ansätze und old school Synthiepop-Sounds.

Beinahe gänzlich instrumental gehalten, lädt dieses Album insbesondere ausgepowerte Elektro-Freaks zum Verschnaufen ein. Wer vom Erwerb dieses Longplayers aus Furcht vor einem womöglich auftretenden Imageschaden zurückweicht - hold on – eine solche Angst ist unbegründet. Die Einstufung des Longplayers erfolgt definitiv in der Kategorie kultig.

Patenbrigade-Musik. So schön kann cool sein. So cool kann schön sein.

Volker Büttner

http://www.patenbrigade.com http://www.electronic-music.org

 

 

 

 


 

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