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Summerjam 2003 - Ein ausführlicher Rückblick 

19.07.2003

Donnerstag, 3.7.2003 - Ankunft

Summerjam 2003 - Ein ausführlicher RückblickSummerjam 2003 - Ein ausführlicher RückblickLetztes Jahr am Freitag Nachmittag. Der Fühlinger See wird von unzähligen Zelten in allen Variationen umsäumt. Ein Platz für unser Zelt ist nicht mehr übrig, sodass wir auf den Pferdeweg ausweichen müssen. Aus dieser Erfahrung lernend reisen wir dieses Jahr schon am Donnerstag an. Hilfsbereite Kölner weisen uns vom Hauptbahnhof an immer den richtigen Weg.

Angekommen bietet sich uns ein fast identisches Bild. Hunderte von Zelten lagern schon auf den Rasenflächen. Aber wir haben Glück und können fünf Quadratmeter Boden direkt am Wegesrand sichern. Fußweg zum Eingang der Festivalinsel: ca. 15 Minuten.

Um uns herum hören wir kollektives Hämmern, Strippe suchen und Handygespräche á la: "Wir stehen hier neben dem Ufer, wo seid ihr denn? Neben einem großen grauen Zelt mit einer Jamaika-Flagge? Ich sehe hier viele Jamaika-Flaggen..." Die Dixie-Klos sind noch angenehm sauber und trotz dicker Wolkendecke regnet es nicht. Grillgeruch weht in unsere Nasen und von mehreren Seiten schnappen wir Musik-Fetzen auf, Bob Marley, ganz klar. Wir entdecken das Festivalprogramm an einer Laterne. "Sag mal, wieso spielt Desmond Dekker eigentlich auf der Nebenbühne?" fragt mich ein alter Hippie mit lichten Haaren. "Hätte der nicht die Hauptbühne verdient?" Ich kann nur zustimmen, sehe aber, dass dort zeitgleich Max Romeo spielt. Wem den Vorzug geben?

Wir schmeißen den Campingkocher an, verbrennen uns an den heißen Nudeln fast die Münder und legen uns früh ins Zelt. Schlafen können wir trotzdem erst nach fünf Uhr morgens, denn einige Rastas sind in der Nähe mit ihrem Zeltaufbau beschäftigt. Ständige laute "Bombaclaat" und "Pussyclaat"-Rufe inklusive.

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Summerjam 2003 - Ein ausführlicher RückblickSummerjam 2003 - Ein ausführlicher RückblickFreitag, 4.7.2003 - Der Regentag

Pünktlich zum Festivalbeginn am Freitag 14 Uhr verwandelt sich der vorherrschende leichte Nieselregen in einen deftigen Regenguss. So lassen wir uns die Musik von Cashma Hoody durch den Wind zutragen und trauen uns erst aus dem Zelt als die Österreicher Dubblestandard auf der kleinen Bühne loslegen. Eine Art Live-Dub mit Blubber-Bass ist das, was uns wenig zusagt. Also stöbern wir ein wenig an den Ständen entlang, um unsere Plattensammlung zu vervollständigen.

Wie die meisten der Bands lässt sich auch Mellow Mark sein Bob Marley-Cover nicht nehmen, hier sogar als Medley dargeboten. Beim späteren "Wild Thing"-Cover nimmt er seine dicken Dreads und haut damit rhythmisch auf die Saiten. "Lasst uns positive Energie ausströmen, um die Wolken aufzureißen", heizt er den Reggae-Fans ein. "Schließlich heißt das Festival Summerjam und nicht Cloudjam!" Auch auf ein Statement gegen den schon beendeten Krieg verzichtet Mellow Mark nicht: "Wenn es einen Gott gibt, das ist jedem selbst überlassen, dann glaube ich nicht, dass er oder sie sich zu Werbezwecken für einen Krieg missbrauchen lässt!" Das trifft die Stimmung der Massive. Alle strecken ihre Fäuste in die Luft und es wird der Song "Dein Wort in Gottes Ohr" angestimmt.

Die Headliner des Abends sind Seeed, die sich letztes Jahr noch mit einer Startposition früher begnügen mussten. Für den Aufstieg danken sie den Fans und bieten wie immer eine treibende Show. Ihr größter Hit "Dickes B" wird diesmal über dem Buzz Riddim gesungen, den hier jeder spätestens seit Sean Pauls "Gimme The Light" kennt. Aber auch der Sleng Teng Klassiker wird in Erinnerung gerufen und als Zugabe gibt es sogar DEN Riddim des letzten Jahres: Zum Diwali Riddim klatschen die Deutschen nicht dumpf im 4/4-Takt sondern ausnahmsweise mit Tempo-Wechseln. Beachtlich und beeindruckend. Zum Abschluss rufen Seeed den "Summerjam Dancehall Queen"-Contest ins Leben. Drei Damen dürfen auf die Bühne und müssen sich nach Tanzdarbietungen dem Applaus des Publikums stellen. Wer gewinnt ist egal, Spaß haben alle. Schade nur, dass wir dadurch die Veteranen Israel Vibration auf der kleinen Bühne verpassen.

Samstag, 5.7.2003 - "Dancehall To Stop"

Wieder mit einem Marley-Cover, diesmal vorgetragen von Movements wachen wir spät auf. Ganjaman spielt auf der kleinen Bühne "Wurzelmusik" und sein Kompagnon Junior Randy zeigt den Tanzenden den "One Foot Skank" zum Mitmachen. Auf der Hauptbühne danach Junior Kelly. Mit einem langen roten Gewand, einer hölzernen Perlenkette und weißem Turban trägt er die Songs seines aktuellen Albums "Bless" und andere Hits vor. "Check out the Green Stage, Toot & The Maytals are playing, 'cause reggae isn't about competition", ermahnt er die Zuhörer.

Abgelöst wird Kelly von Anthony B, dessen "Police"-Tune sechs mal zurückgespult werden muss. Die Massive kann nicht genug von den Zeilen "Who want di dancehall to stop? Police! Who nuh want fi si herbs a shop? Police!" bekommen. Kein Wunder, ist die Staatsmacht im Gegensatz zum letzten Jahr auf dem Festival deutlich präsenter. Alle fünf Minuten patrouillieren mehrere grüne Ordnungshüter in schwerer Kluft die Zelte entlang, Zivilfahnder observieren Dealer, durchsuchen deren Zelte und schikanöse Durchsuchungen sorgen für lange Schlangen am Festivaleingang. Selbst Schuhe mussten ausgezogen werden, weil dort ja illegale Drogen versteckt sein könnten. Der Erfolg dieses Aufwands: 490 Anzeigen wegen Verstoßes gegen das Betäubungsmittelgesetz, davon 13 wegen des Handels mit Betäubungsmitteln. Ein anderes leider aktuelles Thema besingt Anthony B exklusiv für den Summerjam. "Tony Blair and George Bush bring tears to my eyes" stimmt der Sänger an und alle stimmen zu.

Der kleine unscheinbare Brillenträger Beres Hammond liefert ein souverän geschmachtetes Set ab, im Gegensatz zu seinem Nachfolger. Das pompöse Klassik-Intro, mit dem sich Sean Paul ankündigt, ist auch in den entlegendsten Winkeln des Geländes zu hören. Es kann aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Songs "for di sexy ladies" live gespielt weniger Sprengkraft haben als auf seinen hoch chartplatzierten Singles.

Der Höhepunkt auf der großen Bühne ist Jimmy Cliff. Damit das Publikum gleich zu Beginn weiß, mit welcher Reggaegröße es zu rechnen hat, startet der putzmuntere Cliff mit seinem Hit "You Can Get It If You Really Want". Der bewegendste Moment des Auftritts: Das Cat Stevens-Cover "Wild World", begleitet von Tausenden Fan-Kehlen. Während dieser Veteran seine Lieder singt, absolvieren LMS zusammen mit dem Newcomer Abijah auf der kleinen Bühne ein melodiöses Fitnessprogramm. Die drei jüngeren Geschwister der Morgan-Familie jagen sich mit wehenden Tüchern über die Bühne, dass ich schon beim Zuschauen Pfunde verliere. Dass sie den Familienanschluss nicht verloren haben, zeigen sie mit dem Morgan Heritage-Cover "Jah Jah City".

Wer wissen will, wie der schon in die Jahre gekommene Jimmy Cliff seine Karriere begonnen hat, setzt sich nach Ende des Musikprogramms vor die kleine Bühne, um den Reggae-Film "The Harder They Come" zu schauen. Die Hauptrolle - ein junger Rudeboy auf der Suche nach dem großen Geld - spielt der dreißig Jahre jüngere... Jimmy Cliff.

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Summerjam 2003 - Ein ausführlicher RückblickSummerjam 2003 - Ein ausführlicher RückblickSonntag, 6.7.2003 - Der Sonnentag

Endlich rafft sich die Sonne auf, die Wolken für längere Zeit zu durchbrechen. Es wird merklich wärmer und sofort wird auch die Security freundlicher. Haben die eben gelächelt und nett geplaudert? Auf der kleinen Bühne gibt es ein straffes Ska-Programm, was die wenigen Skinheads sichtlich freut. Der "very spezial guest", wie er im Festivalprogramm beschrieben wird, ist nicht Bunny Wailer, wie es angekündigt wurde, sondern Gentleman. Dass ob dieses Ersatzes niemand traurig ist, zeigt die Euphorie mit der die Menschen den Kölner begrüßen und feiern. Ein gelungener Abschluss für die, die früh packen müssen, um Montag wieder fit auf der Arbeit, in der Schule oder an der Uni zu sein. Max Romeo und Desmond Dekker haben die und wir dadurch leider verpasst.

Text + Fotos: Robert Kneschke

Das 1. Foto zeigt Junior Kelly

http://www.summerjam.de

 

 

 

 


 

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