 bloom.de: Einer der kontroversesten Songs auf Deiner "Swastika EP" ist der Song "My Little Swastika". Du forderst darin, dass das Hakenkreuz wieder normal genutzt werden solle, weil es ein chinesisches Symbol sei, lange bevor die Nazis es genutzt hätten. Heutzutage wird das Hakenkreuz aber mehr mit den Grausamkeiten der Nazis als mit chinesischer Symbolik verbunden. Würde ein solcher Plan nicht fehlschlagen und die schreckliche Bedeutung minimieren?Dan Bern: Die Idee ist, das Hakenkreuz den Schlägern und einfaltslosen Idioten wegzunehmen, die es als schmerzvoller Mechanismus an Wände malen und damit immer noch Leute verletzen. Lenny Bruce, der Comedian, machte sowas früher auch, gehässige Attribute immer und immer wieder zu wiederholen, bis sie bedeutungslos wurden als ein Versuch, ihre Kraft zu beseitigen. Stell dir vor, was es der Psyche von jemandem antun würde, der ein Hakenkreuz an die Wand schmiert und dann lernt, sorry, das bedeutet längst nicht mehr das, was du willst, das es bedeutet. Es steht jetzt für John, Paul, George und Ringo. Er würde seine Kreide nehmen und heimgehen müssen. bloom.de: Ein Hakenkreuz ist in der Regel illegal in Deutschland und kann dich ins Gefängnis bringen. Glaubst Du, das ist ein angebrachter Weg, damit umzugehen? Dan Bern: Ich verstehe, dass es Gesetze in Deutschland gibt. Aber diese Gesetze haben keinen Effekt auf die Leute, die an Wände schreiben. Ich denke, um die Art, wie wir denken und mit Dingen umgehen zu transformieren, müssen wir "außerhalb der Box" denken, also anders denken als wir es gewohnt sind. Der Staat versucht, Symbole zu verbieten und Leute einzusperren, um deren Denken zu verändern. Künstler versuchen, genau die Bedeutung von Symbolen zu transformieren, um die Kraft aus den Händen der Arschlöcher zu nehmen. Was wäre, wenn jemand eine hasserfüllte Parole brüllte und er würde ausgelacht und bloßgestellt, so als ob seine Hosen runtergerutscht wären? Er würde sein Verhalten schneller ändern als wenn Du ihn ins Gefängnis wirfst. bloom.de: Wenn die Benutzung des Hakenkreuzes wieder normal wäre, könnten dann Nazis das Symbol nicht wieder mit der alten, bösen Bedeutung benutzen? Dan Bern: Na ja, tun sie das nicht jetzt schon? Symbole zu verbieten nimmt ihnen nicht die Kraft, ganz im Gegenteil. Wir reden ja nicht nur darüber, was Leute unter dem Gesetz tun oder nicht und wir reden auch nicht NUR über das Hakenkreuz. Wir reden darüber, das Denken von Menschen zu verändern und Menschen zu BEFÄHIGEN, Hass in etwas anderes umzuwandeln, trotz der Wünsche der Hassenden. bloom.de: Deine Band nennt sich "International Jewish Banking Conspiracy" (Internationale Jüdische Bankenverschwörung) und in der Biografie auf deiner Webseite wirst Du mit Bob Dylan wegen der "prächtigen semitischen Nase" verglichen. Glaubst du nicht, dass diese spielerische Nutzung von Sterotypen diese wegen der ständigen Wiederholung zementiert? Dan Bern: Was sollen wir denn machen, Masken tragen, damit wir alle gleich aussehen? Sollen wir uns alle Schönheitsoperationen unterziehen, damit wir alle das gleiche Gesicht haben? Es ist nichts Schlimmes an Zement, solange du sicherstellst, dass du deine Haltungen veränderst, bevor er trocknet. Du kannst keine Angst vor deinem eigenen Schatten haben. Gandhi könnte gesagt haben: "Das wird nie funktionieren", ging und arbeitete als Banker. bloom.de: In dem Song "Talkin' Al Kaida Blues" vergleichst Du die Terrorattacken auf das World Trade Center mit der Sklaverei, der Verfolgung der Indianer und dem Angriff auf Pearl Harbour. Wie können diese Ereignisse verglichen werden? Dan Bern: Der Song ist hauptsächlich über die selbstinteressierte Antwort der Regierung auf die Ereignisse des 11. September 2001 und der Gebrauch dieser Ereignisse, um jede Aktion zu rechtfertigen. Erinnerst du dich an den Reichstagbrand? Die Linie, auf die sich deine Frage bezieht, zeigt einfach auf, dass es andere, größere Übel in der amerikanischen Geschichte gab, begangen von Amerikanern, nebenbei bemerkt. Der Song sagt, ja, es war ein wirklich schlimmes Ding, aber lasst uns nicht den ganzen Sinn für Maßstäbe verlieren und die ganze Welt als Antwort in die Luft jagen. bloom.de: Im selben Song erwähnst du die generelle Angst und die Beschränkungen der Bürgerrechte. Bist du wegen deiner vergleichsweise offenen Texte betroffen? Dan Bern: Nun, es hat seine Vorteile, ein Untergrundkünstler zu sein. Die Dixie Chicks haben sich für ihre kritische Aussage beim Präsidenten entschuldigen müssen und ihre Alben wurden von Radiostationen verbrannt. Aber damit Radiostationen deren Alben verbrennen können, glaube ich, müssen sie die erst mal gespielt haben. Hey Mann, ich liebe mein Land und ich schätze es, dass Leute aufstehen und protestieren können, ohne dass es in ein "Tien An Men Square"-Massaker mündet. Aber Teil der Verantwortlichkeit, in einer offenen Gesellschaft mit Rechten zu leben, ist aufzustehen und "Scheiße" zu sagen, wenn diese Rechte gefährdet werden. Nixon wäre glücklich gewesen, 10 Millionen Demonstranten einzusperren, wenn er damit davongekommen wäre. .
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