|
Das neue, dritte Go Plus Album heisst so wie die Hamburger Band selbst und wie einst eine EP von XTC. Letztere sind, wenn man heutzutage noch von Kult reden darf, eine Kultband aus England, deren Kompositionen allesamt das Zeug zum Hit hatten, jedoch immer ein wenig zu sperrig gemacht waren für die Top Ten (na ja, einmal hatte es gereicht). Liess man sich auf sie ein, konnte man sich ihnen kaum entziehen. Bei Go Plus ist es ähnlich. Sie glänzen mit schönen Songs, die für ein Mainstreampublikum jedoch harter Tobak sind. Wer rauchen will, muss eben erstmal husten.
 Hat man sich auf den spröden Charme der Platte einmal eingelassen, wird es rapide besser. Bald schon fahren die hervorragend ausgesuchten, nur scheinbar billigen, Keyboardsounds ihre Noppen aus und saugen sich fest. „Ich gehe in die Stadt“ scheint ideal für eine verregnete Fahrt durch neonschimmergetränkte Grossstadt. Textlich eher einfach, deutlich und nur mit wenigen Metaphern. Przygodda, der sich für alles Gesagte verantwortlich macht, nimmt die Worte wie sie sind. Man sieht sie fast schon als Notizen vor sich, mit weichem Bleistift auf einen zerfledderten DinA6 Block geschrieben; unredigiert. DinA4 wäre zu gross, die Gefühle sind im Zaum, aber präsent. Das Herz schlägt ruhig und bedacht. Go Plus scheinen mehr Spaziergänger zu sein, sie lassen sich nicht hetzen. Joggen? Hier hat der Fitnesswahn der Musikmachenden keine Chance.
|
 In „Stop“ brechen sie für ganze 1:15 Minuten aus und fordern auf, damit aufzuhören „immer nur am Strand zu stehen, immer nur Horizont zu sehen, jeden Tag“. Aber es ist eine Aufforderung, kein Entschluss. Was soll passieren? Schauen, ob Udo Lindenberg Recht hatte, und es dahinter weiter geht? Go Plus sehen mir nicht wie Forscher aus. Im Finale „Hamburg, here I come“ stehen sie dann letztendlich auch wieder am Ufer und schauen zu: „alles ist Fluss und zieht vorbei“.Go Plus ist ein tolles Album geworden, spröde, wie gesagt, aber mit einer eleganten Nonchalance (weil das hier besser passt als Lässigkeit). Eine LP wie nebenbei entstanden. Souverän und als Gesamtwerk hörbar. Wer Kante mag, kann sie sich unbeschwert im gutsortierten Plattenladen holen. Dem Einsteiger sei jedoch Geduld angemahnt, dann wird nichts schiefgehen. Und wem es am Ende gefällt, kann ja auch mal bei der Band Systemhysterie reinhören. Nach dem Motto: Hörer, die dieses Produkt kauften, hören auch... Christian Biadacz
|
http://www.goplus.kulturserver.de/ - http://www.kitty-yo.com/
Tourdates
- 20.03.03 Hamburg - Tanzhalle
- 21.03.03 Rotenburg - JZ
- 22.03.03 Bielefeld - JZ Kamp
- 26.03.03 Düsseldorf - Zakk (tbc)
- 27.03.03 Köln - MTC
- 28.03.03 Ludwigsburg - Demoz
- 30.03.03 Marburg - Café Trauma
- 31.03.03 Dortmund - Cosmotopia
- 03.04.03 Münster - Gleis 22
- 04.04.03 Leipzig - Ilses Erika
- 05.04.03 Berlin - Bastard
  | Cd(s) bei amazon.de kaufen bzw. vorbestellen... |
|
  |