 Den Anfang macht „We are the scene“. Erinnert sich noch jemand an Chris & Cosey? Vom Sound her haut dieser Song in genau diese Kerbe. Der Gesang passt sich dem Ganzen stimmig ein und vermittelt direkt 80er Flair. Außerdem wird im zugehörigen Text endlich mal kurz und prägnant klargemacht was den Synthiepop-Fan ausmacht. Die Betroffenen werden grinsend zustimmen, alle Anderen bleiben weiter außen vor.Die Stücke „Zeitgefühl“, „Im Traum“ und „Winter“ zeigen, dass elektronische Musik mit deutschem Gesang ganz ohne peinliche Nebenwirkungen funktioniert. Melotron können’s, Wave in Head auch. Zeitlos. Gut. Bei „The other side“ kommen einem Section 25 in den Sinn. Synthiesounds mit reichlich Handclaps. Track 8 – „Free to leave“ - ist für mich das Highlight des
12 Songs andauernden Longplayers. Eher ruhig und sphärisch gehalten, mit warmem, ausdrucksstarkem Gesang und einem phantastischen Refrain. Harmonie ohne Grenzen. Melancholiker werden sterben. Es grüßt recht freundlich Martin L. Gore. Überhaupt, in punkto Sounds und Gesang blinzeln Depeche Mode bei diesem Album doch öfter mal um die Ecke. Ist in diesem Falle völlig in Ordnung. Konzentriert sich dies doch fasst ausschließlich auf die „Speak & Spell“-Ära. Die nicht genannten Nummern reihen sich allesamt in den synthetischen Reigen ein.
Das ganze Werk ist vornehmlich im Mid-Tempo gehalten und bringt viele im Lauf der Zeit verschütt geglaubte Soundstrukturen zurück ans Licht. Wer nach dem Kauf dieser Scheibe im heimischen Wohnzimmer ein bahnbrechendes Elektro-Spektakel erwartet, der wird enttäuscht werden. Diejenigen aber, welche hinter dem Teil schnörkellosen Synthiepop vermuten, die liegen hier richtig. Das Jahr 2003 lässt sich für Liebhaber dieser Musikrichtung somit außergewöhnlich
gut an. Volker Büttner
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