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The Doors - Soundstage Performances - DVD 

19.12.2002

Die Doors haben sich zwar schon vor über 30 Jahren nach dem Tode von Jim Morrison aufgelöst, der Kult um die Band geht aber ungebremst weiter. Werden neben den zahlreichen Live Alben, die allesamt nach Morrisons Tod zusammengestellt wurden, wie „Live in America“, „Live in Detroit“, „Live in the Aquarius“ und das im September diesen Jahres herausgekommene „Live in Hollywood“, auch so reißerische „Juwele“ wie „The lost Interview Tapes“ Teil 1 und Teil 2 angeboten (alleine Amazon.de bietet nur unter der Rubrik „pop“ 190 Artikel an), so findet die kommerzielle Ausschlachtung der Band auf der offiziellen Homepage der Doors ihren Höhepunkt.

The Doors - Soundstage Performances - DVDThe Doors - Soundstage Performances - DVDWas man dort alles an Merchandising-Artikeln findet, ist schon beeindruckend. Es sei den verbliebenen drei Doors Musikern gegönnt, wenn sie auch jetzt noch von ihrer Musik finanziell profitieren können, der anfängliche Mythos um Morrison als Poet und Prediger ist angesichts der massiven Vermarktung der Doors jedoch schon längst auf der Strecke geblieben. Zwar pilgern immer noch Jahr für Jahr die Hardcore-Doors-Fans zum „Pere La Chaise“ Friedhof in Paris um Morrisons Grab zu besuchen, was sich denjenigen aber bietet, die erst später auf die Musik der Doors gestoßen sind, ist ein dermaßen großes Angebot an Material zur Band, dass die Gedichte von Morrison und Songs der Band schon auf alle möglichen Sichtweisen seziert hat, dass man sich wundern muss, dass es immer noch mal was Neues zu dem Thema gibt. Mit der DVD „Soundstage Performances“ liegt jetzt mal wieder (man mag es ja kaum noch glauben) unveröffentlichtes Material der Band vor. Es handelt sich hierbei um drei Fernsehaufnahmen aus den Jahren 1967 bis 1969, die die Band zum Teil ohne Publikum absolviert hat.

The Doors - Soundstage Performances - DVDThe Doors - Soundstage Performances - DVDNeben den drei Konzertausschnitten sind auf der DVD reichlich Kommentare der Bandmitglieder auf zwei Stunden Spielzeit verteilt. Die DVD beginnt mit einem Auftritt in Toronto, wo die Band ihr Monumentalwerk „The End“ spielt. In Close-Ups sieht man, dass Robby Krieger durchaus interessante Techniken auf der Gitarre zu bieten hat, wenn auch wie gewohnt, Ray Manzarek an den Keyboards den Sound prägt. Da die Doors immer ohne Bassisten gespielt haben, musste John Densmore an den Drums das Rythmusfundament weitestgehend alleine bilden. Zusätzlich hatte sich Manzarek ein Zweieinhalb-Oktaven-Keyboard für die tiefen Töne auf sein Hauptinstrument gestellt. Die Bassläufe ergänzte er nicht durch Flächen sondern durch teils filigrane Lines, die schließlich den typischen (instrumentalen) Doors-Sound ausmachten. Morrison bietet eine seiner typischen Performances, in denen er seinen a-rythmischen Gesang dramaturgisch permanent steigert und sich am Ende schreiend auf dem Boden wälzt. Der Opener bietet also schon einen Einblick in das, was die Band in den späten 60ern so außergewöhnlich machte. Etwas befremdend aus heutiger Sicht wirkt das Publikum, dass überwiegend ruhig auf der Stelle steht und zuhört.

The Doors - Soundstage Performances - DVDThe Doors - Soundstage Performances - DVDEs folgt eine Aufzeichnung von 1968, bei der die Doors in einem Studio in Dänemark ohne Publikum fünf Songs, unter anderem das geniale „When the Music's over“ aufnahmen, mit entsprechenden Kommentaren der drei noch lebenden Doors. Die Qualität der Aufnahme ist, wie die Vorhergegangene erstaunlich gut, nicht nur der Ton, auch die Bilder sind besser als erwartet. Was man von der dann folgenden Aufnahme nicht mehr sagen kann. Zwar ist der Ton weitestgehend o.k., das Bild flackert aber doch das eine oder andere mal und die Farben wirken etwas sehr retro. Die Doors spielen ebenfalls ohne Publikum fünf Songs und in dem folgenden Interview sieht man Morrison mit Vollbart und schon angeschlagen von seinen zahlreichen Exzessen zu der Zeit. Trotzdem ist interessant, was die vier Doors zu sagen haben, man sollte allerdings schon etwas besser Englisch verstehen können um nicht nur zu hören, was dort gesagt wird, sondern die Hintergründe auch zu begreifen. Das gilt vor Allem auch für den letzten Teil der DVD, in dem jeder der Musiker einzeln die Songs erklärt. Teils sind die Hintergründe, die zu den „mystischen“ Textzeilen führten zwar schon bekannt gewesen, aber einiges an interessanten Backgroundinfos kommt vor Allem von Manzarek, so dass man bestätigt findet, dass die Doors nicht nur intrumental, sondern auch vom Aufbau der Lyrics her eine außergewöhnliche Band waren, die dann durch die Interpretation der Songs durch ihren Frontman Jim Morrison einzigartig wurde.

Ich habe die Songs der Doors immer sehr gemocht und höre sie auch heute noch gerne, dabei lasse ich mir den Eindruck, den die Band durch ihre Musik auf mich bis heute gemacht hat auch durch oberflächliche Produktionen, wie sie später massenhaft auf den Markt kamen, nicht kaputt machen. Die authentischen Werke der Band bleiben einzigartig und wenn man Videodokumente wie die „Soundstage Performances“ als Ergänzungsmaterial sieht, leidet das Image der Band auch nicht nachhaltig. Wer die Doors mag und ein paar Euro zu viel in der Tasche hat, macht sicher nichts falsch, wenn er sich die DVD kauft, wer aber herausfinden will, was die Band damals eigentlich ausgemacht hat, sollte sich lieber die frühen Werke wie „Strange Days“ oder „Waiting for the Sun“ anhören. Von den zahlreichen Alben, die nach Morrisons Tod herausgekommen sind ist auf jeden Fall das 1978 erschienene "An American Prayer" zu empfehlen, das zwar nicht ganz einfach zu begreifen ist, aber einen wichtigen Teil der Doors, nämlich die Lyrics von Jim Morrison zum Thema hat.

Michael Bollow

http://www.thedoors.com - http://www.doorsband.de/doors.htm

 

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