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Ein geschichtlicher Mythos wie der Untergang des Luxusliners Titanic ist ein hervorragender Stoff für Bücher, Filme und selbstverständlich auch für ein Musical. Doch ist die Gefahr nahe liegend, dass ein solches Werk auch durch Vorschusslorbeeren selbst zum Mythos wird. Und wie nicht selten ist die Wahrheit bei so hohen Erwartungen recht ernüchternd.
 Als Spielstätte hat die Stageholding die Neue Flora in Hamburg gewählt. Das Theater wurde 1990 erbaut und beherbergte seither „Das Phantom der Oper“. Seit dem vergangenen Jahr brachte der alte Hausherr hier „Mozart“ auf den Spielplan. In den letzten Monaten wurde das Theater etwas aufpoliert: so wurden die Sitzplätze wurden auf fast 2.000 erweitert, der Innenraum wurde neu ausgestaltet und erinnert in einigen Details wirklich etwas an ein großes Schiff. Die großzügigen Foyerräume bieten den vielen Besuchern ausreichend Platz, ohne das Gefühl der Bedrängung zu erzeugen. Die auf den Flyern angedeutete Gestaltung der Außenfassade hat leider in Natura nicht so ganz funktioniert. Schon Ende der 80er Jahre entstand in den Köpfen des Buchautors Peter Stone und Maury Yeston, dem Komponisten und Texter, die Idee, die Schiffskatastrophe als Musical darzustellen. Doch fast 20 Jahre dauerte es, bis am 23. April 1997 die Premiere am Broadway stattfinden konnte. Gleich fünf Tony Awards kassierte das Stück als Bestes Musical, Bestes Buch, Beste Musik, Beste Orchestrierung und Bestes Bühnenbild. Eine bessere Werbung kann es kaum geben, kein Wunder also, dass „Titanic“ sich auch außerhalb der USA bekannt machen wollte. So erwarb die Stageholding die Rechte und brachte das Stück am 23. September 2001 nach Amsterdam. Nun gibt es also auch eine deutsche Version mit übertragenen Texten von Wolfgang Adenberg.
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Beeindruckendster Part der Inszenierung ist die gesamte Bühnengestaltung. Technik und Kulissengestaltung vereinen sich zu glaubhaften Visualisierungen der Handlungsorte. Die einzelnen Bühnenbilder wechseln rasch durch clevere Verschiebetechniken der massiv wirkenden Kulissenteile. Ein räumlicher Eidruck wird durch das Bespielen der Schiffsimitation in mehreren Ebenen gegeben. Ein erstes Manko empfinde ich allerdings bei der Musik. Sie plätschert belanglos dahin, es gibt kaum herausragende Passagen, im Ohr verbleibende Melodien fehlen ganz. Die Gesangspassagen wirken wie eine Zusammenstellung aus Musicalstandards. Oft sehr getragene Melodien und betretene Gesänge. Der größte Teil des Textes wird gesungen, auch wenn er sich nicht zum Singen eignet und albern wirkt. Zur wenig spektakulären Musik fügt sich die langatmige Handlung unter der Regie von Daniel Stewart. Die Zusammenstellung aus belanglosem Getue und einer ungeschickt verpackten Flut von Detailinformationen wirkt ermüdend und unbeholfen. Für Gefühle, die bei einem musikalischen Bühnenwerk unerlässlich sind, ist hier kaum Platz. Diese Unzulänglichkeiten schafft auch das mit 46 Darstellern sehr stark bestückte Ensemble nicht auszugleichen. Zwar können die Szenen optisch überzeugen, doch gibt es keine herausragenden Qualitäten bei den Stimmen oder Ausstrahlungen.
 So entpuppt sich „Titanic“ für mich als herrlich schillernde Seifenblase. Mit den höchsten Tönen im Vorfeld gelobt und im Ergebnis weniger als durchschnittlich. Wenn Stücke wie dieses zu den besten vom Broadway zählen, liegt für mich der Schluss nahe, dass sich das Genre Musical hier stark an die Entwicklung des Films in den USA hält. Etwas Heldenepos, platter Humor, Eigenglorifizierung und das ganze verpackt in einer Makulatur aus optischen Effekten. Hier fehlt mir jedoch das, was ein Musical ausmacht: eine ergreifende und mitreißende Handlung und vor allem eine ebenso bewegende Musik.Pünktlich zur Uraufführung des Musicals in Deutschland ist bereits die deutschsprachige CD mit 20 Tracks erhältlich. Die Aufnahmen sind bereits im Vorfeld in den VOX Klangstudios in Bendsdorf bei Hamburg entstanden. Die Studioaufnahmen tun der Qualität keinen Abbruch, da Gesang und Orchester auch im Theater nicht überzeugender oder voluminöser klingen. Erschienen ist die CD bei der Polydor und ist ab sofort im Handel sowie im Theater erhältlich. Kai Schmidt
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http://www.stageholding.de - http://www.polydor.de
- Ticket Line 0 180 5 / 114 113 (0,12 Euro/Min.)
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