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Eisenpimmel - Interview und Rezension 

09.10.2002

Es ist erstaunlich, dass es heute noch Bands gibt, die seit Jahrzehnten existieren, aber über die fast nichts bekannt ist. Verlässliches, meine ich. Eisenpimmel gehört dazu.

Eisenpimmel - Interview und RezensionEisenpimmel - Interview und RezensionFest steht, dass die Band Anfang der Achtziger Jahre in Duisburg auftauchte, um Krach zu machen. Oder besser Bier-Punk. Eisenpimmel besteht aus Addi (Gitarre), Wolle (Schlagzeug), Bärbel (Gesang), Karl (Bass) und Siggi (Gesang), welche fast legendär für ihre Aufnahmepraxis sind. Einer ihrer ersten Songs "Duisburg ist spitze" wurde 1983 anlässlich der 750-Jahr-Feier der Stadt geschrieben und 1986 beendet. Den ersten Tonträger gab es 1995 (!), die 7-Inch-Platte "Dicke Eier Weihnachtsfeier". Bei diesem Tempo ist es nicht verwunderlich, dass das beliebteste Format der Band Singles und Maxis sind. Die sind schließlich schneller gefüllt. Davon gibt es einen Haufen. Weil jedoch die Bedingungen, unter denen die Band Alben einspielt, sehr harsch sind (siehe unten), bestehen Alben der Band meist aus Wiederveröffentlichungen, Samplerbeiträgen und einigen unveröffentlichten Stücken. Das ist jedoch ganz praktisch, weil die Singles nur schwer erhältlich sind.

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Eisenpimmel - Interview und RezensionEisenpimmel - Interview und RezensionSchon die erste LP "Alte Kacke" von 1996 war einer dieser Zusammenstellungen und wurde 2000 als CD wiederveröffentlicht. Im selben Jahr erschien auch das Album "Sexmaschinen tanken Super". Jetzt, zwei Jahre später, ist es wieder Zeit für eine Zusammenstellung. "Liebesglocken grüßen dich" heißt die CD mit dem vielsagenden Untertitel "Alte Kacke II".

Musikalisch kann Eisenpimmel euphemistisch als Street-Punk bezeichnet werden, die raue, noch schrammeligere Variante des Drei-Akkorde-Punk. Textlich sind Eisenpimmel eine Kategorie für sich. Auf den ersten Blick überwiegen eindeutig Sauflieder mit Titeln wie "Pils", "Macht mich zum Spiess von der Saufkompanie" (zweiteilig), "Bier zu mir" und "Saufen".

Die Ironie – beabsichtigt oder nicht – versteckt sich gut und blinzelt nur manchmal durch. "Wir wollen nich im Sitzen kacken / keine Tussi an die Möpse packen / wir wollen nich auf'n Putz haun / wir wollen keine Scheiße bauen / Wir wollen saufen saufen saufen saufen" heißt es in letzterem Song. Oder in der Duisburg-Hymne: "Wat liegt nich inner Zone – Duisburg / is trotzdem mit Zukunft ohne – Duisburg".

Andere Songs offenbaren fast komödiantische Aspekte. "Oi Of Olaz" ist eine Skinhead-Parodie, "Hart Rock" rechnet mit dem Macho-Gehabe in gleichnamiger Musikrichtung ab und in "Aufrecht" fordert Bärbel die Emanzipierung, damit Frauen auch im stehen pinkeln dürfen.

Unter dem Synonym "B.K.S.A.W." (Befreiungs-Kommando Solidarische Aktion West) karikierten Eisenpimmel den Vorwurf einiger Linker, ihre Lieder seien sexistisch. Die Songs dieser Single "Initiative statt Verblödung" sind auch auf dem Album und übertreffen sich in politischer Korrektheit. Textbeispiel: "Die Perpetuierung bestehender Machtverhältnisse ist der harte Kern der Propaganda und bedeutet geschlechtliche Hierarchie". Ironischerweise verkaufte die sich besser als echte Eisenpimmel-Singles.

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Eisenpimmel - Interview und RezensionEisenpimmel - Interview und RezensionAuch wenn Eisenpimmel den Comdey-Stempel nicht mögen, das abschließende Interview zeigt, dass sie keinen anderen bekommen können.

bloom.de: Diese erste Frage musstet ihr sicher schon zigmal beantworten, diesmal bitte eine Antwort ohne "Wir sind aus'm Pott"-Satz. Wie kamt ihr auf euren Bandnamen?

Eisenpimmel: Um ehrlich zu sein, war der Bandname eher eine Notlösung. Als wir seinerzeit, kurz vor unserem ersten Gig in der "Abrissbirne", in der staatlichen Gruppennamenvergabestelle Duisburg-Mitte unsere Band anmeldeten, um einen staatlich geprüften Namen zu bekommen, mussten wir feststellen, dass die meisten guten Namen bereits vergeben waren, zumindest im Punk- und Hardcoreregister. Wenn ich mich recht erinnere, hatten wir – abgesehen von Eisenpimmel – gerade mal die Wahl zwischen "Luzifer Mob", "Kommando Rote Binde" und "Futtloch 2000", was uns aber als zu ordinär erschien.

bloom.de: Welche Motivation liegt hinter der Bandgründung?

Eisenpimmel: Uns als subversive Einheit einer besseren Beobachtung auszusetzen.

bloom.de: Gibt es bei euch so was wie musikalische Vorbilder? Oder Feindbilder?

Eisenpimmel: Auch wenn es sich vielleicht nicht jedem halbgebildeten Musikprimaten gleich beim ersten Hörerlebnis erschließt, so liegen unsere musikalischen Vorbilder doch eindeutig im Progressiv-Rock der Frühsiebziger Jahre, angereichert mit einer Prise Fusion-Jazz und der luftigen Grazie des Spätbarocks. Und ich bin stolz darauf, dass uns die langjährige harte Arbeit, die große Disziplin und starke Dezibelpegel dazu gebracht haben, dass wir bei uns keinen einzigen Spielfehler mehr hören. Feindbilder sind all diejenigen, die weniger als vierzig Akkorde pro Song spielen.

bloom.de: Welche Voraussetzungen müssen gegeben sein, damit ihr ein Album einspielt?

Eisenpimmel: Jungejunge, da müssen aber wirklich viele Faktoren zusammentreffen: Jemand muss Bier kaufen, jemand muss unsere Sachen vom Proberaum in ein Studio transportieren, dort wieder genau so aufbauen, Kabel anschließen, jemand muss uns von zu Hause abholen, hinfahren, dort wieder genauso hinstellen, jemand muss Bier kaufen, es muss Strom da sein, Licht, Luft, später Pommes und Wurst, jemand muss Bier kaufen, den Verstärker wegschieben, die Kotze wegmachen, den Verstärker wieder genauso hinstellen und sagen "Band läuft". Dann, aber auch nur dann, kann es sein, dass wir uns dazu bereit erklären, ein Stück Musikgeschichte zu erschaffen.

bloom.de: Ist Duisburg immer noch spitze?

Eisenpimmel: So ziemlich.

bloom.de: Ein Leben ohne Bier wäre für euch wie...?

Eisenpimmel: ...Heavy Metal ohne Satan.

bloom.de: Nazis, die eure Sauflieder mitgrölen, findet ihr...?

Eisenpimmel: ...genauso scheiße wie Nazis, die das nicht tun.

bloom.de: Womit habt ihr all die Jahre euer Geld verdient?

Eisenpimmel: Mit ehrlicher Arbeit: Fußballtoto, Samenspenden, Sozialhilfe kassieren.

bloom.de: Gab es wegen des Songs "Hart Rock" Ärger mit echten Hardrockern?

Eisenpimmel: Ja, den gab es als wir das Stück aufnahmen, Paris, glaub ich. Wolle, unser Gitarrist, wollte uns wegen Volksverhetzung anzeigen, weil Bärbel so bescheuert singt, dass er kein Wort versteht. Darauf meinte Addi, der Blechtrommler, er würde ihm gerne mal ein paar auf die Zähne hauen, wenn er die Bärbel nicht in Ruhe lässt und überhaupt seine blöde Fresse könnte er eh nicht mehr ertragen, worauf Karl (Bass) seine Mopedkette nahm und gegen die Wand zimmerte. Schlechte Vibrations. Als Präsident von der Gang blieb ich (Gesang und Sexappeal) erst mal cool und erteilte Wolle einen strengen Verweis. Darauf meinte Bärbel mit Schaum vor'm Mund, sie könne gerade nicht so gut singen, weil sie gerade am bluten ist, aber das war in dieser emotional geladenen Atmosphäre dann auch egal, da wir – um Frieden zu bewahren – die ganze Aufnahme vernichtet haben. Woher kennst du das Stück? Hat wieder irgendso'n Arsch ein Bootleg rausgebracht?

bloom.de: Wo würdet am liebsten auftreten?

Eisenpimmel: Auf dem CSU-Parteitag in Passau.

bloom.de: Euer Lieblingsbuch?

Eisenpimmel: "Wie werde ich Rocksänger?", Bastei-Verlag, 1982.

bloom.de: Was macht ihr heute?

Eisenpimmel: Die Zeit bis zur nächsten Platten irgendwie totschlagen. Du kennst das: Essen, Schlafen, Ficken, Fußballgucken oder auch mal gepflegt zum Konzert gehen und da 'n andere Band ausbuhen. Wir sind da sicherlich nicht anders als andere Leute auch.

bloom.de: Danke für das Interview.

Robert Kneschke

 

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