 a.jo: Was hat Euch als ausschlaggebenden Punkt bewegt zu musizieren? Seid Ihr die typische Schulband-Formation die Ihre Ideale weiterleben möchte?Chris: Ich persönlich mache schon seit ich 14 bin Musik. Zu einer Bandgründung kam es aber nie. Früher habe ich zu vielen Gelegenheiten die Klampfe ausgepackt und mit anderen Leuten gejammt und herum improvisiert. Doch wenn es um das gründen einer Band ging, war es dann jedes Mal ziemlich ernüchternd, da die konkreten Vorstellungen wie Musik zu klingen hat einfach meistens zu unterschiedlich waren. Als ich Andi kennen lernte, wurde mir aber klar, dass wir einfach eine Band gründen mussten. Zwar kamen wir eigentlich aus sehr unterschiedlichen Musikrichtungen, doch eines hatten wir gemeinsam: Die Versessenheit auf Musik. Und so machten wir erstmal zu zweit Musik und hatten jede Menge Spaß dabei. Wir suchten dann lange Zeit einen Bassisten, dem Musik genauso wichtig war wie uns beiden. Da kam dann Frieder mit in das Boot. Ich kannte ihn schon länger, und wir wollten schon früher mal Sound machen, das verlief sich dann aber immer wieder. Also was lag näher ihn jetzt mal anzuhauen...
Andi: Ursprünglich spielte ich in einer Crust-Punk-Band, welche sich aus dem idealistisch/anarchistischen Punkrock-Gedankengut entwickelt hat, sein Missfallen an der Gesellschaft in die Welt hinaus zu grölen (mit 16 Jahren, höhö). Danach folgte eine Punkrockband, mit abgefahrenen Gigs in BaWü, diese Kapelle hatte das Zeug zu Höherem, aber die Wege trennten sich aus verschiedenen Gründen...Entwicklungsphase...Nachdem ich nach Reutlingen gezogen bin, war Chris der erste Musiker, den ich kennengelernt habe und der auch noch die Muse hatte diese Art von Musik (die wir jetzt machen) band-mäßig umzusetzen. Kurze Zeit später kam Frieder hinzu, der auch die Faxen dicke vom grunge-verseuchten Sound in Reutlingen hatte.
Frieder: 1989, gerade zum ersten Mal NewModelArmy gehört. a.jo: Warum macht Ihr Musik und wie geht Ihr mit negativen Kritiken um? Andi: ...weil es Spaß macht und Freude bringt!!! Bei negativen Kritiken schau ich erstmal, wer sich da über uns ausgelassen hat. Sind es Leute von denen ich weiß, daß sie den Sound einschätzen können, bin ich manchmal sogar zu kritikfähig. Alle anderen kann ich nicht ernst nehmen.
Chris: Musik muss kicken! Es muss Spaß machen. Das wird einem immer wieder dann bewusst, wenn man mal eine Zeit lang sein Instrument nicht mehr in der Hand hatte oder wieder auf einem geilen Konzert war oder sich eine schöne Scheibe anhört...und vielleicht bei tausend Gelegenheiten mehr...Es kribbelt immer wieder in den Fingern.
Konstruktive Kritik ist wichtig und hilft einem oft wieder auf den Boden der Tatsachen zurück. Fast noch wichtiger finde ich die Kritikfähigkeit sich selbst gegenüber...Bei negativer Kritik schau ich aber immer erstmal woher die denn kommt um dann zu schauen ob ich mir die zu Herzen nehme oder nicht.
Frieder: Kann eben nicht Fussball spielen... a.jo: Was ist Euer Hauptanliegen, dass Ihr nach außen treten wollt?
Chris: Also wenn ich die Frage richtig verstehe, dann meinst du warum wir versuchen unseren Wirkungsradius zu vergrößern, oder? Es macht eine Weile lang Spaß in Clubs zu spielen die praktisch vor der Haustüre liegen, doch irgendwann hat man das Gefühl so nicht weiter zu kommen. Das fällt einem dann auf, wenn man das dritte mal in 2 Jahren im selben Club auftritt. Es macht einfach auch Spaß, in anderen Städten zu spielen, neue Leute kennen zu lernen, unterwegs zu sein. Das ist unser eigentliches Anliegen.
Andi: There´s no message!!! Und treten tun wir auch nicht, höchstens uns gegenseitig, wenn der andere sich verspielt hat.
Frieder: Zu den "anderen" gehören. a.jo: Welche Ideen oder Idealvorstellungen von dem, was Ihr erreichen wollt, hättet Ihr? Andi: Ideal wäre die Möglichkeit, wann immer wir wollen ins Studio gehen zu können um neue Ideen aufzunehmen. Am aller, aller, aller idealsten wäre dann noch ein Label, dass uns unterstützt. Chris: Andi bringt es auf den Punkt. Ein Label wäre natürlich toll! Es hängt ziemlich viel Arbeit an so einer Band. Die Finanzen sind immer super knapp und die organisatorische Arbeit verschlingt auch immer viel Zeit. Es wäre einfach toll, wenn ein Teil dieser Dinge eine gefestigte Grundlage hätte und eben Unterstützung bekommt. a.jo: Wollt Ihr gerne von Eurer Musik leben oder inwiefern ist Euch Eure Unabhängigkeit von der kommerziellen Musik wichtig? Chris: Eigentlich war das nie ein Ziel mit unserer Musik ernsthaft Geld zu verdienen. Es wäre natürlich schon geil, wenn die Bandkasse nicht immer bis zum Anschlag leer wäre. Aber hey, mal schauen was die Zukunft so bringt! Wenn mehr geht, sind wir auf jeden Fall dabei. Die Unabhängigkeit von der kommerziellen Musik ist aber trotzdem einer unserer Hauptideale! Das verschafft einem die Freiheit das tun und lassen zu können was man will.
Andi: Ich glaube, viele Leute wissen Konzerte in kleineren Clubs nicht (oder nicht mehr) zu würdigen. Ich genieße die Zeit, wenn wir unterwegs sind und coole Leute (und wenn es nur eine Handvoll sind) uns beim sounden zusehen, auch wenn es dabei nur wenig oder gar keine Kohle gibt.
Frieder: Keep it like a secret! a.jo: Was möchtet Ihr mit Eurer Musik transportieren? Chris: Alles was du willst! Anhören, hineinfühlen... Andi: There´s still no message! Die Leute, die sich mit uns und unserer Musik die Zeit vertreiben, sollten sich einfach mit uns und unserer Musik die Zeit vertreiben. Wenn es dann noch Spaß bringt, um so besser! Frieder: Mit einem alten Citroen in den Sonnenuntergang fahren.
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