 Vor zehn Jahren begann der heute 27jährige seine Reggae-Karriere beim Buckow-Soundsystem (Ja, dieses Brandenburger Dorf hatte ein Soundsystem!). Dort lernte er auch Junior Randy kennen, mit dem er heute die meisten Songs zusammen singt. "Junior Randy ist der erste, der es geschafft hat, die Reggae-Texte eins zu eins ins Deutsche zu übersetzen. Ich hingegen bin sehr Ton Steine Scherben geprägt und singe mehr Freiheitsparolen." Über "Geldschäffler und Blutsauger" zum Beispiel singt Ganjaman in "Bestechen": "Du trinkst den Wein, wir treten die Trauben, uns brennen die Füße und tränen die Augen, wir Pflanzen das Korn und wir ernten nur für dich, du hast dann das Brot, doch du brichst es nicht.""Ich versuche, 100% der Wahrheit zu finden, aber das ist natürlich schwer. Ich war noch nie in Jamaika, aber ich weiß, wie es dort aussieht, ich höre es, ich schmecke förmlich das Wasser auf meiner Zunge. Das ist mediale Beeinflussung", erklärt Ganjaman seinen Bezug auf das Reggae-Mutterland, "Jamaika ist Amerikas Mallorca." Seine Wut auf die Zustände besingt er während das gesamten Albums. Die Religiosität, die bei jedem Thema durchschimmert, ist auch Schutz. Wenn die Fahrt Columbus' nach Amerikas als Holocaust bezeichnet wird, über Schlangen gesungen wird, die im Vatikan wohnen oder "Arsch checken" als übliche Kripo-Methode thematisiert wird, gewinnen Ganjaman und Junior Randy nicht nur Freunde: "Es gibt zwei Wege, mit Kritikern wie uns umzugehen. Entweder werden wir mundtot gemacht oder so vollgestopft, dass wir nichts mehr kritisieren wollen". Um die Symbolik der Religion entschlüsseln zu können, gibt es im Booklet alle Texte und über zwei Seiten Worterklärungen und Zitate aus der Bibel oder von Heiligen. "Das Wort 'Unterhaltung' kommt doch von 'unter halten', ist also geistige Unterdrückung", erklärt Ganjaman. Die Musik ist von Ganjaman selbst geschrieben, eingespielt, aufgenommen, produziert und gemischt: "Das ist ein wahrgewordener Kindheitstraum: meine erste Platte!" freut er sich. Sehr erdig und klar klingen die Roots-Songs, einige fast wie Bob Marley-Adaptionen. Das klingt hochgestochen, wird aber vor allem beim Song "Das Lamm" deutlich. Während der über 70 Minuten gibt es dennoch einige Dancehall-Stücke zu hören, von denen vor allem "Ganjafarmer" – die obligatorische Hanf-Hymne – lobend zu erwähnen ist. Nebenbei arbeit Ganjaman als Produzent für HipHop-Musik oder schreibt Auftragsproduktionen. "Ich definiere mich als Musiker und nicht als Reggae-Sänger", sagt er. Dabei ist seine prägnant quäkende Stimme sehr auffallend und bedeutend für die Gesamtwirkung seiner Lieder. Angst vor Dogmatismus ob der geballten Religion auf dem Album hat Ganjaman nicht. "Das Album soll authentisch sein, deshalb singen wir hauptsächlich von Liebe". Im Booklet ergänzt er: "Es ist nicht die Religion, die uns zu Gott führt, sondern unsere Liebe". Der Kreis schließt sich, wenn er im Song "Hab' keine Angst" singt: "Denn nur die Liebe kann die Menschen befreien!"
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