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Wilco - Yankee Hotel Foxtrot 

28.05.2002

Wilcos aktuelles Album „Yankee Hotel Foxtrot“ zählt zu jener seltenen Sorte, an der sich fast ein jeder Hörer erfreuen wird. Die Kritiker der Print- und Onlinemagazine sprechen hierbei gerne von einem Meisterwerk, die Traditionalisten klammern sich an die verbliebenen Country- und Folk-Wurzeln, die Avantgardisten geraten bei den vereinzelt eingestreuten Sample-, Elektronik- und Noise-Eskapaden in Verzückung und die Übrigen verlieben sich in die vielen schönen Melodien und luftigen Arrangements.

Wilco - Yankee Hotel FoxtrotWilco - Yankee Hotel FoxtrotUmso erstaunlicher, dass die Platte der Chicagoer Band um den Sänger und Kopf Jeff Tweedy beinah nie in die Regale kam. Das Label Warner/Reprise hielt die leicht schräge Verbindung von Pop, Americana und Klangexperimenten für unverkäuflich. So mußte Tweedy die Master-Bänder zurückkaufen und die Songs zum Download auf die eigene Webseite stellen, ehe „Y.H.F.“ schließlich doch noch auf Nonesuch (einem Tochter-Label von Warner/Reprise!)veröffentlicht wurde.

Wilco - Yankee Hotel FoxtrotWilco - Yankee Hotel Foxtrot"Gott sei Dank" ist man gewillt auszurufen, denn Tweedys fieses Konzept von Zuckerbrot und Peitsche geht die gesamten 51 Minuten über auf. Da verzückt „War On War“ mit sommerlichen Melodien, um gleichzeitig in den Textzeilen den Abgrund aufzuzeigen: "There's a war on war / You`re gonna lose / You got to lose / You have to learn how to die". Da lullt die niedliche Acoustic-Ballade „Jesus, Etc.“ fast schon ein, nur damit einen das folgende „Ashes Of American Flags“ (der Song wurde vor dem 11. September aufgenommen) mit all seinem Schwermut sowie dem abrupt einsetzenden Finale wachrüttelt. Und da wirft „Poor Places“ den Hörer in in ein Wechselbad der Gefühle ehe ein verzerrtes Krachchaos ausbricht, in der eine weibliche Computerstimme „Yankee Hotel Foxtrot“ frohlockt.

Hier trifft Flower Power-Folk auf Psychedelic-Pop. Das klingt dann als hätten in den späten 1960er Jahren Crosby, Stills, Nash & Young mit der Sgt. Pepper‘s Lonely Hearts Club Band oder die Kinks mit den „Pet Sounds“-Beach Boys gejammt und Beck die Bänder ein paar Jahrzehnte später remixt.

Christof Herrmann

PS: Mit „Heavy Metal Drummer“ und „Pot Kettle Black“ sind im hinteren Teil von „Yankee Hotel Foxtrot“ zwei schmerzfreie, radiotaugliche Sommerhits enthalten. So weit jedoch scheinen die Verantwortlichen von Warner/Reprise damals nicht vorgedrungen sein.

http://www.wilcoweb.com - http://www.repriserec.com/wilco - http://wilcofilm.com

 

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