 Die erste CD ist genauso wie jede andere Atari Teenage Riot-Platte. Laut, hart, schnell,
verzehrt, elektronisch und manchmal nervend. Musikalisch beschrieben klingt sie wie eine
Mischung aus Speed-Metal, Gabba, Hardcore und Punk. Nicht von ungefähr beschreibt
Alec Empire diesen Mischmasch als "digitalen Hardcore", denn hier verschmelzen die
Vorteile elektronisch produzierter Musik mit der rauen Aggressivität von live
eingespielter Musik.Wer Atari Teenage Riot live bei der Revolutionären 1.Mai-Demonstration 2000 in Berlin
gesehen hat, weiß, wie sehr sich diese Musik eignet, um Wut, Hass und Aggression zu
erzeugen. Nicht immer durch die Musik, auch gegen sie. Politisch sieht sich Alec Empire links, aber die Texte bestechen nicht durch
gesellschaftliche Kritik oder gar weitergehende Utopien. Sie sind eine Ansammlung aus
Gewaltphantasien, Machoismen und Aufrufen zur Zerstörung: "Everything reactionary is the
same: If you don't hit it - it won't fall!" Das klingt nach der englischen Variante von
"Macht kaputt, was euch kaputt macht", endet aber in einem hirnlose Aufruf wie "Perform
the war!" Die zweite CD ist anders, ungewohnt vor allem. Langsamer. Instrumental. Der Rhythmus wird
bewusst unterbrochen, sobald sich das Ohr darauf eingestellt hat. Die Platte ist so
aufgenommen, dass das Ende gleichzeitig an den Anfang passt, damit sie in der
Endlosschleife gehört werden kann. Wer das will, sollte Nerven mitbringen. Düstere
Experimente sind es, die sich manchmal anhören, als wären es die Reste, die nicht gut,
schnell oder böse genug für die erste CD waren. Oder wie zufällig in den Sequenzer
eingetippte Zahlenkolonnen. Dissonant. Wenn er damit etwas sagen will, verstehe ich es
nicht. Vielleicht ist das der Punkt. Wenn Alec die Menschen mit seiner Musik irritieren will wie Punk es vor 25 Jahren mal
getan hat, mag ihm eine politische Dimension nicht abzuschreiben sein. Aber die
Unterdrücker und Reaktionäre, die er irritieren könnte, werden ihn nicht hören. Robert Kneschke
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