 Was sollte man noch schreiben über die Melvins, was man im Zuge der Veröffentlichungswut der Band nicht schon mindestens einmal in einem früheren Text erwähnt hat? Setzen wir also das Wissen voraus, dass es sich bei den Washingtonern um eine der stilbrechendsten, expressionistischsten Bands überhaupt handelt, und wundern uns, dass auf ihrem achtzehnten Album "Hostile Ambient Takeover" so wahnsinnig viel davon - anders als auf dem parallel erscheinenden Livealbum "Millennium Monsterwork", das mit den Labelkollegen von Fantômas gemeinsam eingespielt wurde - nicht zu hören ist. "Kompakt" ist das Songwriting der Band zwar nach wie vor nicht zu nennen, was allein die Länge der Tracks verbietet, immerhin erkennt man aber schon im ersten Anlauf in der Regel Anfang und Ende hörbar abgegrenzt, was im Fall der Melvins keineswegs selbstverständlich ist. Die Ausnahme, die es braucht, ist das fünfzehnminütige "The Anti-Vermin Seed", das artenspezifisch traditionell musikalisch gesehen Nonsens ist - womit die Band fraglos jeden ihrer Anhänger glücklich machen wird. Und wer mit "Hostile Ambient Takeover" erstmals einen Schritt in solche Regionen setzt, gehört vielleicht bald auch zu dieser höchst eigenen Gruppe.Friedrich Reip
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