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Neil Young - Are You Passionate? 

12.04.2002

Ruhiger als die üblichen Crazy Horse Alben und vor allem als die letzten Konzerte, die doch vermehrt in Richtung psychedelisch angehauchtem Hard Rock abdrifteten, besticht „Are You Pasionate“ durch ruhige, ausgeglichene Melodien und einfühlsame Texte. Es ist durchaus bemerkenswert, welche Schaffenskraft Neil Young nach unzähligen Studioalben und Welttourneen noch immer hat. Die CD beginnt zwar mit dem eher eintönigen und unauffälligen „You´re my girl“ steigert sich dann aber schnell. Häufige exzessive Gitarrensoli waren ja schon immer Merkmal der mit Crazy Horse eingespielten Platten, hier finden sie nur in ruhigen Varianten Anwendung. Einzige Ausnahme ist „Goin´ Home“, einen Song den man vielleicht schon auf der Tour 2001 gehört hat. Man wird sich also getäuscht finden, wenn man glauben sollte die gesamte CD wäre dementsprechend. Meines Erachtens ist „Goin´ Home“, das klangvollste und für Neil Young typischste Stück auf dieser ansonsten trotzdem rhythmisch sehr ausgewogenen CD.

Neil Young - Are You Passionate?Neil Young - Are You Passionate?Ein sehr schönes Lied ist auch „Differently“ ein Song über die Fehler die man in einer Beziehung macht, beziehungsweise die Fehler die man sich – oft auch unberechtigterweise – nach dem Scheitern vorwirft. Hätte man nicht mehr.... oder wäre es nicht besser gewesen wenn.... Hier mischen sich Melancholie und Hoffnung, nicht nur textlich, sondern auch melodisch.

Ein Song, über den im voraus schon viel gesprochen wurde ist das rockigste Stück von „Are you passionate?“ "Let's Roll". Eingeleitet durch Handyklingeln und inspiriert durch den Telefonanruf eines Passagiers am 11.September 2001, kurz bevor seine Maschine in Pennsylvania abstürzte. Ein nur teilweise gelungener Song. Schade, dass Neil Young seinen Beitrag zu diesem konstruierten amerikanischen Heldenepos so einseitig im Raum stehen lässt.

Erstaunlich, dass Neil Youngs exzellentes Gitarrenspiel – früher oftmals schon bei den ersten Klängen identifiziert, wie zum Beispiel bei seinem grandiosen Soundtrack zu „Dead Man“ - kaum zum tragen kommt. Er spielt immer noch qualitativ hochwertig, aber nur selten so überragend wie zu seinen besten Zeiten. Auch an seiner Stimme erkennt man, dass er langsam aber sicher ein gewisses Alter erreicht hat; sie ist bei weitem nicht mehr so klangvoll.

Im großen und ganzen eine eher sinnliche Platte ohne aufwendige Klangexzesse, dafür mit dem gelegentlichen Einsatz von Orgel und Trompete. Wer einen extravaganten Reißer a la „Mirrorball“ oder das legendäre „Harvest“-Album erwartet, wird enttäuscht werden. Vielleicht ist diese CD eher was für Fans, als für Neueinsteiger. Jemand der Neil Young durch die letzten Jahre oder Jahrzehnte musikalisch begleitete, wird trotz allem seine Freude an dieser CD haben. Sie ist besser als ihre beiden Vorgänger, wird sich aber nicht in die Topliste der Neil Young Alben einreihen können.

Steffen Doerre

http://www.neilyoung.com - http://www.reprise.com

  • Neil Young momentan – back to the roots – mit Crosby, Stills, Nash & Young in America auf Tour, wird solo am Samstag den 18. Mai bei Rock am Ring und einen Tag später bei Rock im Park in Deutschland zu sehen sein.

 

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