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Der Abend stand unter dem Motto des Lokalpatriotismus der sympathischeren Art: „The city of Detroit, Michigan“ prangte von der großen Flagge, die schon lange vor dem Konzert der White Stripes hoch über der Bühne im Gebäude 9 zu Köln-Deutz hing. In dem mittelgroßen, leicht heruntergekommenen Club wollte sich eine zusammengeworfene, skurrile Menge aus szenigen Adabeis, echten Fans sowie unvermeidlichen Medienleuten nicht entgehen lassen, den ersten Auftritt der Amerikaner in Deutschland überhaupt mitzuerleben.
 Als Support brachten die White Stripes das ebenfalls aus Detroit stammende Quartett Von Bondies mit, vielleicht die lauteste Band der Stadt. Die Aufgabe als Anheizer konnten sie jedoch nicht erfüllen, zu vorhersehbar kam ihre Darbietung daher. Kaum ein Anwesender konnte die Wand aus dunklen Basslinien, brutalen Gitarrenriffs und knüppelndem Schlagzeugbeat durchbrechen, um zu dem vordringen, was sich Sänger Jason Stollsteimer aus dem Hals schrie. Satzfetzen wie „Tender kisses“, „Baby I can feel you“ oder „Shot of love“ ließen hinter der Fassade mehr erwarten als diesen „Sound of terror“, wie ein Zuhörer nicht ganz untreffend in die Stille zwischen zwei Songs brüllte. Selten und dann zumeist in den ruhigeren Intros, konnte man ahnen, wie die Von Bondies einmal klingen könnten: Leicht psychedelischer Garagenrock der auch Melodien eine Chance gibt. Doch vielleicht sind sie ja eine dieser Bands, die auf immer und ewig ihre Instrumente nach einem Gig selbst abbauen möchten.
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So fingen die White Stripes bei null an, aber sie brachten das Publikum umso schneller auf hundert. Denn wo die Von Bondies nur lärmig waren, ist bereits das Erscheinungsbild des zweiten amerikanischen Hypes des Jahres nach den Strokes energetisch: Jack White (weißer Teint, rotes T-Shirt, rote Hose und rote Gitarre) und Meg White (weißer Teint, rotes T-Shirt, weiße Hose und rotes Schlagzeug) betreten die Bühne und rocken schlichtweg 80 Minuten ohne große Pausen, Ansagen oder Gesten durch. Während sich das Bruderherz durch die etwa 20 (zuweilen sind Ende und Anfang nicht auszumachen) Eigenkompositionen und Coverversionen (zum Beispiel Robert Johnsons „Stop breaking down“, Dolly Partons "Jolene" und "Lovesick" von Bob Dylan) singt, gurrt, schmettert und leidet und dabei den sechs Saiten gnadenlosen Blues-Rock 'n‘ Roll entzaubert, schlägt das niedliche Schwesterchen einen Rhythmus, der sich anhört als würde sie gerade eine Garage auseinandernehmen. Die auf Platte zumeist an konventionellen Strukturen orientierten Songs wurden dabei live immer wieder durch abrupte Breaks, überraschende Tempiwechsel und minutenlangen Soli an der Gitarre aufgebrochen. Ausnahmen wie das wundersame „Fell In Love With A Girl“ und die aktuelle Single „Hotel Yorba“ bestätigten mit ihrer Originaltreue die Regel. Nach einer genialischen Version von Marlene Dietrichs „Look Me Over Closely“, der das rotweißen Gewand der White Stripes vorzüglich stand, gingen die Whites kommentarlos von der Bühne. Der Applaus fiel zu frenetisch aus, als dass die beiden es mit diesem Finale Grande belassen konnten. Sie kamen für zwei weitere gespenstische Darbietungen zurück und verabschiedeten sich mit einem „Thank You“. Ein Haufen Verwirrter blieb zurück. Auch wenn ein paar blondierte, amerikanische Hühnchen beim Hinausdrängeln mit Floskeln wie „They were much better in L.A. last time“ um sich warfen, bekam wohl viele der Verwirrten den Gedanken nicht mehr los, an diesem verregneten Abend in Köln etwas Großem beigewohnt zu haben. Zumindest war mit solch einer Bescherung genau einen Monat vor Weihnachten in keiner Weise zu rechnen gewesen. Christof Herrmann
http://www.whitestripes.com
Die restliche Tourdates
- 27.11.2001 MÜNCHEN - Orangehouse
- 03.12.2001 B-BRÜSSEL - AB Club
- 04.12.2001 NL-AMSTERDAM - Melkweg
http://www.karsten-jahnke.de
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