|
|
 |
Shelby Lynne - Love, Shelby (05.11.01) |
04.11.2001
|
|
 |
|
Also, eines muss ich gleich vorweg schicken, Shelby Lynnes letzte CD , „I am Shelby Lynne“ von 1999, hat mich begeistert, da konnte sogar der „Geld oder Liebe“-Aufkleber, der normalerweise Unerträgliches verspricht, und die Lobeshymnen in so einem Altherren-Magazin wie dem „Rolling Stone“ nichts ändern.
 Damals erklärte ich Shelby Lynne zur einzig legitimen Nachfolgerin der großen Dusty Springfield. Dabei begann sie ihre Karriere im Alter von 18 Jahren als Countrysängerin, veröffentlichte fünf solche Platten, bevor sie anfing, eigene Songs zu schreiben, die nach eigenen Angaben immer Tendenzen in Richtung Blue eyed Soul und R’n’B hatten, ohne dass sie sich dies zum Ziel gesetzt hätte. „I am Shelby Lynne“ war das erste Zeugnis dieser Emanzipation.
|
 Und ich war sehr gespannt, was die ehemalige Country-Lady diesmal auf „Love, Shelby“ zu bieten hätte. Der Titel ließ ja einiges in Richtung Schmalz und Gefühlsduselei befürchten. Aber gleich vorweg, die Platte ist klasse. Beim ersten Hören dachte ich noch, dass die Cover-Version von John Lennons „Mother“ einem Sakrileg gleichkäme, das Original scheint mir in seiner Emotionalität einfach nicht adäquat zu covern zu sein, aber sogar diesen Song mag ich seit dem dritten Hören, auch wenn das Original unerreicht bleibt. Und wenn man Shelby Lynnes Geschichte kennt - sie musste im Alter von 16 mit ansehen, wie ihr Vater erst ihre Mutter und dann sich selbst erschoss - dann weiß man, dass Lennons Song bei ihr eine etwas andere Bedeutung hat. Da mischt sich Lennons Zorn auch mit einer gewissen hilflosen Verzweiflung. Mittlerweile ist dieser Song als Abschluss der CD ein Höhepunkt für mich.
Ganz so tief gehen die restlichen Songs – sechs hat Shelby Lynne mitgeschrieben, die restlichen drei alleine verfasst – nicht, Shelby Lynne wird dem Album-Titel gerecht und erzählt von der Liebe, peinlich sind die Texte jedoch zu keinem Zeitpunkt, zumal die Interpretationen nie annähernd so glatt geraten wie bei anderen ehemaligen Country-Chanteusen wie Faith Hill oder LeeAnn Rimes. Shelby Lynne hat einfach Soul in der Stimme und kann auch außergewöhnliche Geschichten wie bei „Jesus on a Greyhound“ erzählen. Die Platte hat dabei genau die richtige Balance aus leicht countryangehauchten Balladen, rockigen Titeln („Ain’t it the truth“, „Killin’ Kind“) und sogar einem jazzig orchestralen Arrangement („Tarpoleon Napoleon“), Bläser, eine Menge Geigen sowie die Slide-Guitar von Sonny Landreth sorgen zusätzlich für Abwechslung. Zwar hat die Studiomannschaft - Studiocracks wie Matt Chamberlain, Michael Landau und auch Glen Ballard - schon eine Reihe musikalischer Verbrechen im hausfrauenradiotauglichen Mainstream begangen, zusammen mit Landreth, Bill Payne (Little Feat) und einigen anderen bringen sie hier die Musik aber auf den Punkt, ohne dabei zu glatt zu wirken, auch wenn die Balladen „Bend“ und „Wall in your Heart" hart an der Schmalzgrenze entlang schlittern, wobei ich Mitautor und Produzent Glen Ballard zu einem Gutteil dafür verantwortlich mache. Die Platte enthält mit „Mother“, „Ain’t it the Truth“ und „Jesus on a Greyhound“ (letzterer auch von Ballard co-written) drei Übersongs, die den Kauf alleine rechtfertigen. Vergleichbare Rockladies wie Amanda Marshall oder auch Alanis Morissette geben mir weniger.Dominik Engel
|
http://www.shelbylynne.com Ihr möchtet gerne irgendwas zu dieser Kritik loswerden? Einfach eine Mail mit dem CD-Titel im Betreff an dominik.engel@bloom.de
  | Cd(s) bei amazon.de kaufen bzw. vorbestellen... |
|
  |
| |
|
|