|
In Mitra Medusa Inri wurde 1992 von Holger, Michael und Volker gegründet, wobei seit 1995 Differenzen zwischen Volker und Holger und Michael auftraten, die schließlich 1998 zur Trennung führten und später zum Neubeginn. Seit Anfang September gibt es das neue Album von In Mitra Medusa Inri, mit einer klaren Botschaft ´Schließt die Augen und lasst Euch fallen´. Wir durften Holger und Michael ein paar Fragen via Email stellen ...
 Euer Bandname setzt sich aus Wörtern mit sehr unterschiedlichen Symbolcharakteren zusammen, wie seid ihr zu diesem Endnamen gekommen? Es klingt nicht nach einem Ergebnis von einer durchzechten Nacht, eher nach einer Magisterarbeit ...
Wir hatten uns schon im Vorfeld viele Gedanken über den Bandnamen gemacht. Es war uns klar, dass wir keinen Namen wählen, der "normal" klingt. Es war ein etwas längerer Prozeß, bis es soweit war und wir mit dem Ergebnis zufrieden waren. Jeder von uns machte sich Gedanken, wie unsere Band heißen könne. Letztendlich, als wir all unsere Ideen zusammengetragen und ausdiskutiert hatten, entschlossen wir uns zu diesem, unseren Namen. Er hat in unseren Augen etwas ungewöhnliches und stellt vor allen Dingen den Hintergrund und die Botschaft unserer Musik dar. Das war ebenfalls ein wichtiger Aspekt bei der Auswahl.
Wie habt ihr euch kennengelernt? Ihr sprecht in eurer Biographie von Freunden, kennt ihr Euch schon seit dem ´Sandkastenalter´ ?
Ganz so ist es nicht. Wir kommen aus dem selben kleinen Ort ( Dorf ), welcher sich in der Nähe von Venlo ( NL ) befindet. Zwangsläufig sind wir uns immer wieder über den Weg gelaufen und lernten uns kennen. Holger und ich gingen außerdem in dieselbe Klasse der Berufsschule. "Ja, auch wir haben etwas gelernt. Wir stellten schnell fest, dass wir dieselben musikalischen Vorlieben hatten. So war der nächste Schritt, diese in eigene Songs umzusetzen, gar nicht mehr soweit entfernt.
Glaubt ihr an Spiritismus und Schicksal, dass sich manchmal mit bestimmten Leuten der Weg kreuzt?
Wir glauben bedingt an Schicksal. Über dieses Thema haben wir uns schon sehr häufig unterhalten. Wir nehmen an, dass es Fügung oder Schicksal ist, dass wir mit In Mitra Medusa Inri weitermachten. Damals nach unserem Ausstieg bei den Inris passierte einige Zeit lang nichts. Dann begannen wir, Konzerte für einen Club zu organisieren. Dieses lief leider nicht so, wie wir uns das vorgestellt hatten. Außerdem war immer wieder das Gefühl da, oben auf der Bühne zu stehen und dem Publikum seine eigenen Songs zu präsentieren. So entschieden wir uns, wieder unseren eigenen kreativen Output zu nutzen. Wir denken, dass solche Dinge, wie gerade beschrieben, Schicksal oder Fügung sind. Es hätte auch gut geschehen können, dass wir großen Erfolg mit der Organisation der Konzerte gehabt hätten und die eigene Musik ins Hintertreffen geraten wäre. Aber wie sagt man so schön: " Das war wahrscheinlich der Wink mit dem Zaunpfahl". Diese Chance haben wir für uns erkannt. Auch, dass sich die Wege bestimmter Menschen kreuzen und das Gefühl da ist, als hätte es so sein müssen, ist uns nicht unbekannt. Mir passierte das vor kurzem noch. Ich möchte nicht näher auf die Details eingehen, aber Schicksal ist eine feste Größe in unserem Leben.
Was für Probleme und Störfaktoren gab es damals, die dann zur Trennung zwischen euch und Volker führten?
Das war ein schleichender Prozeß, der sich immer mehr und mehr intensivierte. Es wurden Versprechen nicht eingehalten, abgesprochene Aufgaben nicht erfüllt. Es kam zu einem Ungleichgewicht innerhalb der Band und das Vertrauen ging verloren. Wenn sich eine Person in den Vordergrund stellt, aber die anderen beiden eigentlich diejenigen sind, die IN MITRA MEDUSA INRI am Leben halten - wir dachten uns, das kann´s nicht sein. Sogar die Freude am regelmäßigen Proben ging verloren. Es war halt nur noch eine Frage der Zeit, bis der Punkt kommen würde, an dem der Knoten platzt. Ja und das war nach einem Gig in Neuss ( NRW ). Danach war erst einmal alles vorbei.
Auf welchem Weg seid ihr zu dieser Musikrichtung gekommen?
Das ist die Suche nach dem Vollkommenen. Wir sind ständig bestrebt, das Beste zu leisten. Wie war das noch: "Stillstand ist Tod". Unser Stil hat sich aus vielen verschiedenen Elementen entwickelt. Frühere Einflüsse spielen hier sicherlich eine große Rolle.
|

Wie seid ihr dazu gekommen, Musiker zu werden? Ihr wart bestimmt nicht die typisch gequälten Kinder, die die Träume der Eltern erfüllen sollten?
Sozusagen sind Holger und ich Spätzünder. Denn wir beide begannen erst mit 16 Jahren, Instrumente zu erlernen. Alles lief natürlich nebenher. Lehre, Schule, Musik....
Als es soweit war, dass wir In Mitra Medusa Inri ins Leben riefen, liess uns der Gedanke nicht mehr los, mit unserer Musik ein großes Publikum zu erreichen. Wir investierten bzw. investieren mehr Zeit denn je in unsere Band. Unsere Eltern haben uns nicht vorgeschrieben, was wir lernen sollten, um später dann einmal die "große berufliche Kariere" anzustreben. In diesen Entscheidungen waren wir immer frei. Wir werden alles daran setzen, unsere Träume zu erfüllen.
Was verbindet euch mit der Szene?
Vergessen, das Erfüllen unserer Träume, Verlust der Oberflächlichkeit, zu wissen, wo wir herkommen und zu Hause sind.
Was für Gründe gibt es, über Traurigkeit, Verlassen werden und Endlichkeit zu singen?
Es gibt Dinge und Gefühlszustände, die sich über die Songs bzw. als geschriebenes Wort viel leichter ausdrücken lassen. Es ist so ,dass jeder der Songtexte einen reellen Bezug zu uns hat. Es sind Dinge, Gefühlszustände, die uns umgeben, mit denen wir einschlafen und morgens auch wieder aufwachen. Die Texte dienen als eine Art Ventil, das uns die Möglichkeit gibt, Erlebtes zu verarbeiten und anderen Menschen mitzuteilen. Dass eine gewisse Traurigkeit, Melancholie über den Wörtern schwebt, liegt daran, dass die Texte oft in den schlechten Phasen (dieses) unseres Lebens entstehen. Wir denken aber, dass viele Hörer das für sich nachvollziehen können und ähnliche Dinge, wie sie in den Texten beschrieben sind, erlebt haben. Wir können uns glücklich schätzen, dass wir die Möglichkeit haben, das, was in uns vorgeht, festzuhalten und anderen Menschen auf diese Weise mitzuteilen.
Ist es nicht schon deprimierend genug, wenn man es im Leben erlebt? (ich neige manchmal zum Melodramatischen)
Das ist es ja, was ich oben erklärte. Klar kann es deprimierend sein, Niederschläge hinzunehmen und damit umzugehen, doch die Musik ist unser Ventil. Wir können so in eine andere Welt abtauchen. Wir wünschen uns natürlich auch, dass den HörerInnen unserer Musik dieses auch gelingt und sie ihre Probleme, Sorgen für einige Momente vergessen können, ganz nach unserem Motto: Schliesst die Augen und laßt euch fallen. Seid ihr manchmal melancholisch oder niedergeschlagen? Wie kommt ihr aus solchen Phasen wieder heraus?
JA klar. Ich selber hatte letztens noch eine Phase, in der ich eine Woche lang in einem tiefen Loch hing. Ich lag nur auf dem Bett und hörte Musik. Sogar so laut, dass sich die Nachbarn beschwerten. Aber diese Zeit benötigte ich auch, um wieder nach oben zu kommen. Ich habe viel nachgedacht, meine Gedanken kreisen lassen. Nach dieser Phase, die mich immer noch nicht so ganz losgelassen hat, sind mir sehr viele neue Ideen zu Texten und neuen Songs eingefallen. Das ist auch das, was mich dann wieder nach oben bringt und zumindest eine Zeit lang vergessen läßt.
Gab es für euch Vorbilder oder Platten, die euch zur Entscheidung im Musikerdasein angeregt haben?
Bands wie Joy Division, New Order, Echo and the Bunnymen haben großen Einfluß auf unser musikalisches Schaffen. Mit den neuen Elektrobands können wir eher weniger anfangen. Da gibt es nur wenige, die uns begeistern, die vor allen Dingen ihren eigenen Stil haben. Es sind aber auch Bands wie U2 oder auch Garbage die auf uns Einfluß nehmen.
Habt ihr Angst alt zu werden?
NEIN. Wir sind jetzt im 31. Lebensjahr und genießen es, so gut wie es geht. Wir fühlen uns nicht dem Alter entsprechend und versuchen unsere Träume zu verwirklichen. Es ist natürlich manchmal erschreckend, wenn wir die Straße entlang gehen und ältere Menschen sehen, die nur noch ganz schlecht gehen können oder im Rollstuhl sitzen. Aber wir leben jetzt und versuchen das zu genießen. Vielmehr ist die Angst da, Dinge nicht umsetzen zu können, die wir uns vorgenommen haben. Wir möchten uns im Alter nicht selber vorwerfen müssen: "ach hätte ich doch damals das anders gemacht".
 Hat man Angst vor Stagnation? Das Gefühl, das Gleiche zu machen und sich nicht weiterzuentwickeln?
Nein auch das nicht. Als wir nach unserer langen Trennung vor gut 2 Jahren wieder mit den INRIS begannen, waren wir nicht sicher, ob wir es schaffen werden, neue gute Songs zu schreiben. Der erste Song, den Holger und ich zusammen komponierten, war "The Wind Stroke The Trees". Nachdem wir diesen Song im Studio aufgenommen hatten, war uns klar, wir schaffen es. Und wenn wir unsere neuen Songs hören, wissen wir, vor der Stagnation müssen wir uns nicht fürchten. Wir sind sehr selbstkritisch und arbeiten an uns. Wir geben uns auch nur sehr schwer mit Dingen, die uns nicht ausgereift erscheinen, zufrieden. Das hilft uns, niemals stehen zu bleiben und uns weiterzuentwickeln.
Gibt es eine Band mit der ihr gerne einmal gemeinsam Touren würdet?
Eine Band mit denen wir gerne spielen würden??? Wir könnten uns z.B. vorstellen mit DIARY OF DREAMS zu spielen. Das wäre eine sehr interessante Variante. Absolut super wäre es natürlich, mit NEW Order oder auch The Mission zu spielen......Aber das sind noch andere Ebenen.
Warum habt ihr diesem Minialbum keinen Namen gegeben? Dieses Minialbum stellt für uns einen Neubeginn dar. Wir haben mit dem alten abgeschlossen und starten jetzt durch mit der neuen Mini CD. Ein Longplayer soll dann im April, Mai nächsten Jahres erscheinen. Wir hatten lange überlegt, ob wir diese MiniCD betiteln. Namen wie Chapter II, Now and Forever waren im Gespräch. Aber letztendlich sagten wir uns, die Mini CD ist der Neubeginn. Wir haben der Vergangenheit den Rücken gekehrt und möchten das durch die CD belegen.
Wer schreibt bei euch die Texte und wer komponiert, stammt beides aus der gleichen Feder?
Die Texte kommen zu größten Teil von mir. Die Kompositionen werden in Zusammenarbeit umgesetzt. Hier beginnt dann auch der Prozeß, wo Text und Musik ineinander fließen. Es kann schon passieren, dass der Text leicht verändert wird, um mit der Musik ein homogenes Bild zu erzielen. Holger setzt den Text gesanglich um, ich bin für die Gitarrenarbeit zuständig. Letztendlich ist es aber ein Produkt, was Holger und ich als Band und Freunde geschaffen haben.
Aus welchen Inspirationsquellen stammen die Ideen?
Was die textliche Seite betrifft, sind das in erster Linie Angelegenheiten die unser privates Umfeld betreffen. Das, was uns gerade bewegt oder auch belastet. Wir versuchen mit dem Text und der Musik eine Einheit zu schaffen. Ich finde, das ist uns z.B. beim Song DREAMS sehr gut gelungen. Dieser Song hat WEITE und Raum, man kann sich fallen lassen und darin verlieren. "Wind Stroke The Trees" haben wir nach dem Selbstmord eines Freundes geschrieben. Der Song transportiert und möchte deutlich machen, dass alles sehr schnell vorüber sein kann. Wie ein Windzug, der die Bäume streichelt.
Musikalisch ist das schwerer zu sagen. Diese Dinge sind in uns. Wir versuchen diese dann in Musik umzusetzen. Wenn wir Grundideen zu einem Song haben, laufen in unseren Köpfen Filme ab und wir wissen eigentlich, wie sich das Endergebnis anhören soll. Dahin zu kommen, ist das Problematische. Bis wir dann zufrieden sind, ist es ein langer Weg. Aber das ist die Herausforderung daran. Das Schöne ist, wir können uns Songs wie z.B. "Wind Stroke The Trees" immer wieder anhören. Klar, würden wir jetzt einige Dinge wieder ändern. Aber wir wissen, dass wir zu diesem Zeitpunkt unser Bestmögliches gegeben haben.
Wie geht ihr mit ´suicide´ um und was für eine Bedeutung hat dieses Wort? Manchmal hat es für mich den Anschein, dass dieses Wort oft als Klischee in der Musik verwand wird.
Im Zusammenhang mit dem Song "Wind Stroke The Trees" ist dieses Wort völlig OK. Diesen Song haben wir nach dem Selbstmord eines guten Freundes geschrieben und da lag es auch nahe, dass wir ruhig, so klischeehaft es auch sein mag, das Wort "Suicide" verwenden. "Here comes the suicide". Um Zustände auf den Punkt zu bringen, gibt es halt manchmal nur zwei, drei Worte. Dann scheuen wir uns nicht, diese zu benutzen, sind sie auch noch so klischeehaft.
Wann seid ihr demnächst wieder Live zu erleben?
Voraussichtlich werden wir am 03.11.01 in Hannover im Indiego spielen. Das wird für dieses Jahr auch das letzte Konzert sein. Aber nächstes Jahr möchten wir eine Tour spielen und bei möglichst vielen Festivals dabei sein.
Noch eine Anmerkung: unsere CD ist leider noch über keine Vertrieb zu beziehen. Aber über die bekannten Mailorder wie Infrarot, Martz ist unsere neue Mini-CD zu bestellen. Kontakt: info@inmitramedusainri.com Danke für das nette Interview und viel Erfolg.
|
a.jo
http://www.inmitramedusainri.com
In Mitra Medusa Inri
- 3.11.01 Hannover - Indiego
    |