|
Gäbe es einen Leitfaden für die thematische Zusammenstellung eines Reggae-Albums, das neue Album von Sizzla würde alle Punkte vorbildlich erfüllen.
"Rastafari Teach I Everything" heißt der erste Titel und huldigt augenscheinlich dem Rastafarismus, der afrikanischen Religion, die zu Gewaltlosigkeit, Frieden, Liebe und Grasgenuß aufruft.
 Diese Themen werden im Laufe der CD Punkt für Punkt abgearbeitet. Songs wie "Beautiful", "Make Love" oder "Give Her The Loving" huldigen das andere Geschlecht und sind naturgemäß etwas langsamer. Die heilige Hanfpflanze wird hochgelobt in "Yes I Get High", mit einer kleinen Hommage an Peter Tosh, einem Reggae-Urgestein. "Planet Earth" thematisiert den Frieden, die Gewaltlosigkeit und wie viele der anderen Songs auch Haile Selassie, der 1930 zum äthiopischen Kaiser gekrönt wurde und seitdem als Gottheit des Rastafarismus verehrt wird.
"Stay Clean" ist der obligatorische Hinweis, keine anderen Drogen neben Marihuana zu verehren, was auch Alkohol einschließt. Den Rumdumschlag gegen alles, was mit Babylon zu tun hat, gibt es in "Escape From Prison". Babylon ist das Symbol für die Unterdrückung der schwarzen Rasse, aus der es auszubrechen gilt, vielen spätestens bekannt seit "Babylon must fall" von Bob Marley.
Mit dieser Art von Reggae hat Sizzla allerdings wenig zu tun.
Musikalisch ist die Platte trocken wie ein Sandsturm in der Wüste. Obwohl auch Keyboards, Bass und Gitarren bei der Produktion zum Einsatz kommen, liegt das Gewicht auf dem Beat, der vom Dancehall-Rhythmus bestimmt wird. Nur bei den Liebesliedern verlagert sich der Schwerpunkt auf Reggae mit einem Hauch HipHop.
Das durchdringende Merkmal des Albums ist Sizzlas Gesang, der Melodik wieder nur in den langsameren Songs andeutet. Der Geschwindigkeit, mit der er seine Texte in Hüllen packt ist nicht mehr zu folgen, was auch das Fehlen derselben im Booklet schwerwiegender macht. Wenn die Sprache für Rastafaris nicht nur Kommunikationsmittel, sondern eine Art Kraft ist, die es zu nutzen gilt, dann schlägt Sizzla hier mit einem Vorschlaghammer zu.
Das ist lange geübt, denn erst seine ausgedehnten Touren mit Luciano und die Zusammenarbeit mit dem Caveman Hi Fi Sound System schliffen diese Redegewandtheit, gegen die sich deutsche Rapper wie beim Kinderliedersingen anhören. Aber die haben ja auch keine sieben Alben in den letzten sieben Jahren veröffentlicht.Robert Kneschke
|
http://www.greensleeves.net
    |