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Die Prinzen - Deutschland 

15.09.2001

1994 sang Rio Reiser "Ich würd´ die Prinzen täglich wechseln, würd´ sie zweimal baden" (in: König von Deutschland) und jetzt scheint es, als ob die Wäsche des Königs Wirkung zeigt.

Die Prinzen - DeutschlandDie Prinzen - DeutschlandZwar gute fünfzehn Jahre zu spät für die Neue Deutsche Welle, aber immerhin pünktlich zum 40. Jahrestag des Mauerbaus präsentieren Die Prinzen ihre Single "Deutschland". Symptomatisch beginnt der Song mit dem Mantra "deutsch", unterlegt von händeklatschenden Massen oder Marschstiefeln im Gleichschritt, so genau läßt sich das nicht differenzieren. Was folgt ist eine versucht humorvolle und gleichzeitig satirische Beschreibung des deutschen Landes und seiner Bewohner. Steve van Velvet, der den Text für die Prinzen geschrieben hat, kommt allerdings nur einmal annähernd in die Nähe von Reiser´s Textwitz. Auch der Song "Es ist geil, ein Arschloch zu sein" von Big-Brother-Christian entstammt seiner Feder. So verwundert es nicht, dass die Prinzen singen, "Es bilden sich viele was auf Deutschland ein und mancher findet es geil, ein Arschloch zu sein". Diese Referenz sei ihm erlaubt. Während mittlerweile viele Bands wieder eindeutig Stellung beziehen zu aktuellen Themen wie Rassimus und Nationalismus, hindern vielleicht die sechs Platinplatten Die Prinzen an einer klaren Aussage. Der Song beschränkt sich auf die Aufzählung von angeblich deutschen Eigenheiten wie dem Autofanatismus, der Sportbesessenheit, dem Sextourismus und so weiter. "Nur eine Kleinigkeit ist hier verkehrt, und zwar dass Schuhmacher keinen Mercedes fährt", das ist Kritik nach Prinzen-Art. Aber die Kritik greift nicht richtig. Die Zeilen schwanken zwischen Ironie und Ernst und es liegt am Zuhörer zu bestimmen, ob der Satz "Wir sind das freundlichste Volk auf der ganzen Welt" nun erst oder ironisch gemeint ist. Auch der Refrain ("Das alles ist Deutschland, das alles sind wir, das gibt es nirgendwo anders, nur hier. Das alles ist Deutschland, das alles sind wir. Wir leben und wir sterben hier") kann problemlos von Neonazis mitgegröllt werden. Um diese zum Schweigen zu bringen, wird am Ende des Songs aus "deutsch" das Lieblingswort der Prinzen: "Schwein!". Dazu kommt, dass die Prinzen mit ihren gut ausgebildeten, glasklaren Stimmen einfach keine Aggressivität vermitteln können, die für glaubwürdige Kritik nötig wäre. Der Text des Liedes läuft die ganze Zeit über einem stampfenden, monotonen Beat, der sicher absichtlich an Marschmusik erinnern soll. Wie wichtig dieser Hintergrund für das korrekte Verständnis des Textes ist, zeigt der Sylt-Mix. Statt Marschstiefeln und dumpfem Beat ist hier ein beschwingter Reggae-Rhythmus zu hören. Die Wirkung des Songs geht vollends verloren. Wird die Single "Deutschland" mit früheren Hits der zehnjährigen Prinzen-Karriere verglichen, sticht sie aber aufgrund der deutlichen Stellungnahme lobenswert hervor. Zumindest wenn der Prinzen-Maßstab angesetzt wird.

Robert Kneschke

http://www.dieprinzen.de

 

 

 

 


 

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