 Ist eigentlich ein Kindheitstraum in Erfüllung gegangen, dass man mit
und als Musiker durch die Lande zieht?
Kindheitstraum, ha ha, sagen wir einmal so, wer träumt nicht davon,
dass du dich frei bewegen kannst und auf eine Art Abenteuer erlebst.
Du machst Musik, kommst viel herum und lernst Leute kennen, das ist
schon okay.
Außerdem hast du genug Freiraum für das, was du eigentlich machen willst.
Kindheitstraum, na ja, was träumt man schon als Kind.
Ich kann mich schwerlich daran zurückerinnern.
Es ist auf jeden Fall die angenehme Variante,
Es ist echt geil und okay.
Was war das auslösende Moment, dass du gesagt hast, so will ich
leben?
Das hat sich so ergeben.
Du machst in irgendeiner Form Musik und dann stehst du irgendwann auf
dieser Schwelle, machst du es damit du dein Ego befriedigst oder als
Hobby, dann musst du zusehen, wo die Kohle herkommt.
Oder du hast wirklich das Glück einen Deal zu bekommen, einen
Plattenvertrag,
und dann arbeitest du auch daran, damit es funktioniert, damit es so
läuft, dass du damit dein Brot verdienst.
Es ist schon recht angenehm für uns.
Man muss schon eine bestimmte Zeit überbrücken und woher nimmt man
dann die Energien her?
Bei uns war der Werdegang ein ganz anderer.
Wir kamen von der Mittelaltermusik, dort ging es eigentlich immer
irgendwie.
Du hattest immer deine Stammfeste und wir waren nicht darauf angewiesen,
dass In Extemo partout den Lebensunterhalt abwirft.
Wir hatten genug Spielraum für uns zu sagen - nein, darauf haben wir
jetzt keinen Bock und das machen wir doch.
Wir haben heutzutage auch nie das Problem, dass wir den Stolz hätten
nicht zurückzugehen.
Wir sind einfach Straßenmusiker und es funktioniert.
Also ist da schon eine Zuversicht ...
Ja, auf jeden Fall.
Ich wage mal jeden in unserer Band einzuschätzen, dass jeder irgendwie
auch alleine durchkommt.
Vielleicht weil jeder so individuell ist?
Ja, das ist das, was die Band ausmacht.
Wir sind im Prinzip nicht darauf angewiesen, dass wir partout alles
machen müssten. Da ist nicht nur eine Verpflichtung, sondern auch die
Freundschaft und eine berufliche Basis.
Wenn du dieses Stückchen Freiheit hast, dann geht es über die Band
hinaus, dich verbindet menschlich sehr viel.
Das ist doch komplizierter, wenn man zum Beispiel menschlich
enttäuscht ist, weil man vielleicht etwas falsch gemacht oder gespielt
hat?
Das passiert. Aber das ist auch nicht so schlimm, es kommt darauf an,
wie sehr du dir alles zu Herzen nimmst.
Aber wenn du einen Musiker verlierst, verlierst du auch einen Freund?
Ja, aber das steht bei uns auch nicht zur Debatte.
Es funktioniert einfach, sollte man nicht glauben.
Bei vielen Musikern oder Bands, hast du den klassischen Individualisten,
der egozentrisch und über alles beleidigt ist.
Der sich erst mal so viel Kaffee in die Birne kippt bis die gute Laune
kommt, also das habe ich bei uns nie erlebt.
Könntest du dir eine Alternative zur Musik vorstellen?
Um zu leben? Das würde der Moment bedingen.
Wenn es keine Musik geben würde, müsste man schnell irgend etwas
anderes finden. Man muss nur gewieft genug dafür sein.
Also hast du keine stille Leidenschaft, die dich dann ohne Musik
glücklich machen würde, also eher wieder spontan?
Spontan, ja!
Das heisst du kannst alles (grins)?
Nein, was heisst alles, du musst ein Stückchen Situationskomiker sein.
Wirklich dein Leben meistern und sich nicht gehen lassen.
Hast du nicht so einen inneren Schweinehund, den es gilt zu besiegen
um aufzustehen für eine Sache? Das kostet doch unheimlich viel Energie,
das alles!
Weiß ich nicht, ich habe nie darüber nachgedacht, es geht!
Warum ist es als Musiker nötig gewesen im Mittelalter und für euch
Künstlernamen einfallen zu lassen?
Es waren Spitznamen.
Im Mittelalter gab es Spitznamen?
Ja, denke mal schon.
Ich weiß es nicht, ich habe da nicht gelebt, aber ich kann es mir
vorstellen.
Die werden sich ja wohl kaum mit Melchior oder Konrad angeredet haben.
Wie bist du zu deinem Spitznamen gekommen?
Pymonte, über p (Pi), die mathematische Zahl, noch vom Studium .
Was hast du studiert?
Ich habe angefangen Kybernetik zu studieren.
Warum hast du es nicht zu Ende studiert?
Wem nutzt das, wenn du aus der Schule kommst und mit Informationen voll
bist.
Was machst du nachher?
Nur irgendwelche Jobs, die Scheiße bringen für die Welt.
Das ist eine persönliche Einstellung von mir, muß ja nicht immer
zutreffen.
Ich hatte keine Lust mehr darauf.
Deine Eltern haben nie gesagt, Junge mach´ etwas Anständiges?
Ja, na klar.
Die Frage gab es schon, aber von wegen Akzeptanz und wenn du über 25
oder 30 bist, brauchen dir deine Eltern nichts mehr vorschreiben.
Es ist dein Leben, das machst du dann selber.
In wie fern wurdest du von deinen Freunden beeinflusst?
Das ist auch so ein kollektives Denken, den Werdegang oder den Weg
bestimmt halt die Gemeinschaft.
Also ist es in Ordnung, wenn jemand sagt das ist nicht so gut?
Jeder hat seine Meinung, ist doch klar!
Möchtest du gerne erklärt bekommen, warum es nicht so gut war?
Kommt darauf an, wenn du ein Mensch bist, der sich das zu Herzen nimmt,
dann hinterfragst du auch so etwas . Kritik ist angebracht, ist okay.
Ist es für dich vorstellbar irgendwann ortsansässig zu werden? Oder
könntest du dir vorstellen, dass bei dir eine innere Unruhe herrscht und
du schnell gelangweilt bist, weil du so viel erlebt hast und es dich
immer wieder woanders hinzieht?
Ortsansässig bist du ja in dem Sinne, wenn du keine Musik machst.
Du hast ein Zuhause, also im Prinzip bin ich ortsansässig, außer wenn
du unterwegs bist auf Tour.
Das meine ich, wenn du auf Tour bist durch irgendwelche Erlebnisse so
geprägt bist, das du gar nicht mehr die innere Ruhe findest und irgendwo
10 Jahre leben kannst?
Das Problem hätte ich nicht so. Ich habe ein vernünftiges Zuhause für
mich und die Möglichkeit viel herumzufahren. Das ist eine gute Waage im
Leben und angenehm.
Hast du nicht Angst, dass man die Leute zu Hause verlässt oder
verlassen wird?
Du kommst ja wieder.
Aber man verändert sich doch auch.
Du bist nie so lange weg.
Das sind bei uns so 3 Wochen am Stück, da lebt man sich nicht
auseinander.
Es kommt darauf an, was dir die Freunde bedeuten.
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