 Deutscher Dancehall hingegen kann das von sich nicht behaupten. Vielleicht noch nicht. Benji hat mit "Ganja Smoker" eine Kifferhymne geschrieben und Musiker wie D-Flame und Jan Delay probieren seit einiger Zeit ähnliche Sounds. Mit "Dickes B" von Seeed schaffte eine Band es dann das erste Mal in die oberen Chartplätze und das Album zog schnell nach.Der Boden ist also vorbereitet für etwas, was notorischen Kritikern reflexartig den Magen verdreht: "Dancehall meets Hip Hop", in deutscher Sprache natürlich. Das ist der Untertitel der CD "Germaican Link Up". Hier soll der Beweis angetreten werden, dass jamaikanische Sounds, Dancehall im Besonderen, sich hervorragend mit deutschen Raps mixen lassen und umgekehrt.
Der Beweis steht noch aus. Die deutschen Bands oder Künstler wie Die Specializtz, D-Flame, Kool Savas, Benji, Bintia, Die Firma, FlowinImmo, Tolga, Der Klan, Mr. Schnabel und andere geben sich redlich Mühe, die ungewohnte Kombination zu glätten. Doch teils zu glatt wirkt das Endprodukt. Entweder ist es bloß ein weiterer Hip Hop Track, der nur geringfügig trockener und in der Sprache gleichmäßiger ohne die virtuosen Wortspiele daherkommt. Oder es hört sich an wie Dancehall, hat einen Dancehall-Rhythmus, aber wirkt einfach nicht wie Dancehall. Das Blut fehlt, die Energie. Irgendwie ist da nur Rhythmus, kein treibender Basslauf, keine Melodieinstrumente, nix. Es klingt streckenweise interessant, vor allem, weil die deutsche Sprache über einem Dancehall-Beat doch noch Exotenbonus hat. Aber es gab schon viel besseren deutschen Hip Hop und auch der Dancehall-Part lebt nicht mal bis zum Standard auf. Nur Benji bringt in Kooperation mit Chico etwas Licht ins Dunkel, bezeichnenderweise mit dem Song "Shining Star". Textlich "nur" ein Liebeslied, aber bei Benji hat selbst die Stimme einen extra Bassboost mit Melodielinie. Wieso schaffen das die anderen auf der CD nicht? Es sind ja auch von jamaikanischer Seite aus keine Unbekannten angetreten. Frankie Sly, Tony Curtis, Richie Stephens oder Chuck Fender haben schon hitlastigere Sachen auf die Beine gestellt. Wieso so unscheinbar? So ziellos? Diese Frage bleibt nach dem Hören der CD. Eigentlich sehr schade, denn die Idee einer Verschmelzung von Dancehall und Hip Hop ist nicht unattraktiv. Nur an dem Gesamteindruck sollte mehr gefeilt werden, bis sich ein hörbar anderer Stil entwickelt hat. Solange sind die Originale doch besser. Robert Kneschke
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