|
Eine sehr vielseitige Mischung hat uns der Wahl-Kölner Clueso mit "Text und Ton" vorgesetzt. Das muss hier an dieser Stelle jedoch ganz klar als Kompliment verstanden werden. Das hat nichts mit Richtungslosigkeit zu tun, denn irgendwie passen die Songs doch alle so gut zusammen, dass keiner der Songs auf dem Album deplaziert erscheint. Eine sehr persönliche Platte ist es textlich geworden. Keine großkotzigen Battle-Texte oder andere sonst in der Rap-Szene üblichen platten Attitüden. Clueso berichtet von persönlichen Erlebnissen, Ängsten oder schlicht und einfach von Gefühlen, die ihn dazu bewogen die Schere als Friseur gegen ein Mic einzutauschen. Musikalisch geht das ganze von purem HipHop, Reggae und Ragga bis zu souligen Ausflügen. Egal welches musikalische Traumland er auch betritt, er kommt nirgendwo ins stolpern. Clueso hat dieses gewisse Etwas, das den Zuhörer sofort in seinen Bann zu ziehen vermag. Man will sich einerseits in aller Ruhe auf die Texte konzentrieren und die Musik geht trotzdem sofort in die Beine.
 Diese Platte entwickelt auf Anhieb dieses Gefühl, wie man es kennt wenn man im Sommer aufwacht und die Sonne scheint auf’s Bett. Man will aufstehen und den Tag genießen. Alle Sorgen scheinen für einen Moment vergessen.
Los geht die musikalische Reise mit einem Intro das direkt in "old into the new", den ersten puren HipHop-Track, übergeht. "Gib mir Mut" erinnert an den "Freundeskreis". Seine Vorliebe für Reggae- und Ragga-Styles zeigt er Eindrucksvoll bei Stücken wie "Spiel da nich mit" und "Nimm Dir die Zeit". Letzteres ist ein Stück aus seinen Anfangstagen, aufgenommen in der ehemaligen WG mit dem Musicmaker und einer Vierspurmaschine. Aber auf das Gefühl kommt es an und ein guter Song funktioniert auch ohne Highend-Produktion. Das stellt er damit eindrucksvoll unter Beweis. Beim soulinspirierten "Sonne geht auf" beweist er, wie auch bei einigen andern Stücken, dass er zudem noch zu den wenigen Vertretern der deutschen Rap-Szene zählt, die auch gescheit singen können, ohne dabei auch nur ansatzweise peinlich zu wirken.Sehr starkes und vielschichtiges Debüt des Zwanzigjährigen, von dem wir wohl noch einiges zu hören bekommen.
|
Olli Best
http://www.clueso.de http://www.fourmusic.com http://www.10vor10.de
    |