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Interview mit Felix Flaucher |
21.04.2001
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Im Mai erscheint das neue Silke Bischoff
Album ´Phoenix From The Flames´.
Bei einer Record Release Party
im Lime Club (Berlin) wollte
Felix Flaucher Polaroidfotos von
eventuell zukünftigen Covergirls aufnehmen.
Gut zwei Stunden vor der Party durften wir einem freudigen und offenen Felix Flaucher Löcher in den Bauch fragen.
 Diese Frage hast Du bestimmt schon oft beantwortet, aber ich stelle sie trotzdem, wie bist du eigentlich zur Musik gekommen, wolltest du vielleicht schon als Kind Musiker werden. Nein, eigentlich ist die Frage, in dieser Form, noch nie gekommen.
In jungen Jahren habe ich ein bisschen auf der Gitarre rumgeklampft und ein paar Songs gemacht.
Nicht für Leute, nicht als Musiker und ich habe nicht daran gedacht in einer Band zu spielen.
Ich habe in einer Schülerband nur Bass gespielt. Wir hatten sogar einmal einen Auftritt als Vorband von Grobschnitt.
Dann, etwa vor 13 Jahren, bin ich nach Stuttgart gezogen.
Dort habe ich einen Werbegrafiker kennengelernt. Er hatte ein Schlagzeug irgendwo vergraben und ich mein Bass, dazu haben wir uns noch einen furchtbaren Gitarristen geholt. Es war wirklich grausam.
Damals habe ich auch Frank und Axel kennengelernt, die selber schon seit Sandkastenzeiten am Musizieren waren.
Sie wollten mich dann eigentlich als Bassisten haben.
Dann haben wir angefangen mit einem Schlagzeuger zu proben, typische Proberaumgeschichten mit: ´mach mal die Gitarre lauter´. Das war gar nicht mein Ding. In dieser Zeit habe ich zu hause auf dem Bass ´I Don´t Love You Anymore´ alleine geschrieben und mit Axel angefangen zusammenzuarbeiten, dass war eigentlich der Beginn von Silke Bischoff.
Bei Life - Geschichten möchte ich lieber nur singen, ich bin kein Sting, aber ich spiele alle Bässe im Studio ein.
Ich kann mich nur auf eines gut konzentrieren. Hatte man eigentlich Angst irgend etwas Peinliches zu machen, verkannt zu werden? Eigentlich nicht, es waren ja Studiogeschichten.
Dieser ganz frühe Auftritt als Vorband von Grobschnitt war grausam. Ich habe mich hinter der Bassbox zur Hälfte versteckt. Es war wirklich furchtbar und entsetzlich, dass ich jedesmal, wenn die Leute nach einem Song geklatscht haben, gedacht habe, dass kann nicht sein. War der Weg leicht, zum Beispiel bei Diskordia einen Vertrag zu bekommen? Diskordia hat sich bei uns gemeldet! Also war der Weg leicht! Was heisst leicht, das ist eine schwierige Frage, weil es hatte eben einen Grund, warum Diskordia auf uns zugekommen ist. D.h. wir haben alles selber gemacht. Ich habe von Anfang an die Fotogeschichte gemacht. Dann hat es sich entwickelt, in Richtung Leute, Mädchen und Erotikgeschichten.
Es gab Zeiten, wo ich mit Wave und Gothic nichts am Hut hatte.
Das ist schon einige Jahre her. Ich habe früher Bands, wie Jethro Tull; die alten Genesis; Crosby, Stills, Nash & Young und diesen alten Kram gehört.
Dann lange Zeit, was in schwarzen Clubs gelaufen ist. Jetzt habe ich den Faden verloren, es wird ja nicht Fax - simultan gesendet, ich kann schon zwischen durch fragen, worüber wir eigentlich reden, was habe ich eigentlich, als letztes gesagt. Hm - wir sind online geschaltet und das wird mit der Webcam übertragen Ahja, okay! Grüße an euch da draussen. Hast du dich eigentlich zu der Szene zugehörig gefühlt? Das auf jeden fall.
Ich bin nach Stuttgart gezogen, vorher hatte ich mit dieser Szene eigentlich nichts zu tun.
Vorher war ich in anderen Szenen unterwegs. Ich bin damals wegen einem Mädchen nach Stuttgart gegangen. Ich habe kurz überlegt - München oder Hamburg, sie hatte in Stuttgart einen Job.
Sie war in der Ausbildung zur Kindergärtnerin. Das sind Geschichten, wenn du wegen jemanden etwas machst und zwei, drei Jahre später hast du mit dieser Person nichts mehr zu tun und du hängst in Stuttgart fest ... So ist doch das Leben, dass man irgendwie auf diese weise zu etwas hingeführt wird ... Ja. Ich habe in dieser Zeit schon ein bisschen rumgeklampft, eigentlich kann man es nicht Musik machen nennen.
Jedenfalls ging die Beziehung zu ende und zwar so, dass sie damals oft alleine unterwegs in schwarzen Clubs war.
Dann begann ich Joy Division, Bauhaus und diesen alten Kram zu hören.
Die ersten Male, dachte ich, irgendwie kein Wunder, wenn man mies drauf ist, wenn man solche Sachen hört.
Praktisch habe ich dann nur Leute aus dieser Ecke gekannt.
Ich habe mich irgendwie heimisch gefühlt und bin irgendwie kleben geblieben. Bist du immer noch in der Szene? Ich frage mich immer, wie komme ich jetzt wieder raus. Würdest du gerne raus kommen? Ich weiss es nicht wirklich, ich habe Angst irgend etwas zu verpassen? Das man irgendwie zu intolerant geworden ist. Na gut schwarze Szene muss nicht intolerant bedeuten? Man ist nicht offen für Neues und irgendwie fixiert? Nein, ich würde es eher so sehen, man hat so etwas wie seine Wurzeln, wie seine Basics.
Das Gefühl, dort ist man am ehesten zu hause.
Ich merke, dass auch, obwohl die Musik, die wir machen eher sehr popig ist. Sie gefällt sogar meiner Mutter, nicht nur weil ich ihr Sohn bin, sondern, weil sie wirklich harmonisch ist.
Du brauchst keine schrägen Hörgewohnheiten, wie beim vernünftigen Industrial - Zeug und trotzdem ist die Geschichte schräg.
Es gibt aber einen Unterschied, ob die Fotos, die Songs, die wir machen, innerhalb schwarzer Clubs präsentiert werden oder, ob es raus schwappt, über den Tellerrand - in den Mainstreambereich.
Sofort hast du Vorurteile, ich werde in schwarzen Clubs in der Regel nicht mehr gefragt, warum der Bandname Silke Bischoff - dieses Zeug ist schon abgekaut und es ist in Ordnung.
Außerhalb hast du nur mit Leuten zu tun, die erst tatsächliches Interesse haben, wenn du sagst, wieviel Alben du verkauft hast.
Es ist wirklich verrückt. Du kannst Jahre lang dein Herzblut in eine Sache stecken und es interessiert keine Sau. Das ist eben, das schräge schwarze Zeug - Ich finde das zum Kotzen, aber so ist der Planet. Das ist traurig, wenn man sich dem so fügt, wenn Leute nur danach urteilen. Entwickelt sich dann nicht ein bisschen Revoluzzer - Blut und man will dagegen ankämpfen? Sehr, sehr lange ist es der Fall, dass du dagegen ankämpfst.
Wenn ich vor zehn Jahren einen anderen Bandnamen gewählt hätte, wäre alles anders gekommen.
Das Problem dabei ist, dass es damals einfach eine geile Idee war.
Ich empfand es, als Superbandnamen, ein Mädchenfoto, eben.
Ich muss nicht meine Feige vorne drauf haben - Felix Flaucher and - was für einen Scheiß.
Ich dachte, das passt alles und es fügt sich.
Jetzt rede ich doch über den Bandnamen - zum hunderttausendsten Mal.
Es war damals einfach eine Geschichte, die mich mehr berührt hat, als 370 Tote beim Flugzeugabsturz in Usbekistan.
In den Nachrichten wird man so zu geseucht, mit Gewalt, mit Toten, Kriegen.
Es berührt dich fast gar nicht mehr. Das war eine heftige Geschichte, wo du jeden Tag, diesen schmierigen Kerl mit der Knarre an ihrem Hals gesehen hast.
Sie war ein 18jähriges blondes, sehr hübsches Mädchen, dass hat mich einfach mehr berührt.
Es war eher, als Hommage gedacht, was sogar funktioniert hat.
Viele Leute haben diese Geschichte, erst mit der Band praktisch kennengelernt.
Wenn ich einen anderen Bandnamen genommen hätte, wäre es besser gewesen - für die Band. Es wäre einfacher gewesen?
Die Leute bleiben einfach hängen. Für viele Leute reicht der Name, wenn du mit ihnen reden kannst, können Vorurteile ausgeräumt werden.
Im ersten Moment, steht aber diese Schlagzeile - makaber und geschmacklos, Gruftiband verhöhnt ermordete Geisel.
Wenn wir Crucifix Lane oder weiss der teufel - heissen würden, wäre es anders.
Die Fotos, die ich mache sind genauso angreifbar.
Im Grunde ist alles, was du im kreativen Bereich machst und nicht political correct ist, immer angreifbar . So bald man mit Symbolen arbeitet und nicht mit eindeutigen klaren Dingen? Ja du kannst dir viele Sachen raus picken, du kannst Symbole rausnehmen, die fragwürdig sein mögen.
Du kannst X - Punkte finden und das tröstet mich ein bisschen, weil auch mit einem anderen Bandnamen wäre es genauso eckig und würde genauso schräg daher kommen.
Die Leute würden genauso denken.
Für mich ist das Wichtigste im kreativen künstlerischen Bereich, dass ich das mache, was ich will.
Du bist den ganzen Tag gesellschaftlichen Zwängen unterworfen, du hast einen Job, ein Umfeld, Nachbarn, irgend etwas.
Du bist immer in einer Rolle, wenn ich nicht einmal im kreativen Bereich, mein innerstes nach außen kehren kann, um einmal pathetisch zu werden, wenn ich da nicht einmal machen kann, was ich will, dann ist alles für den Arsch.
Für mich ist es eine Art Ventil, vielleicht um nicht eines Tages Amok zu laufen.
Ich kann auf dieser Art, Sachen machen, wo ein anderer vielleicht verrückt wird, weil er es nicht macht. Das ES ausleben. Das ES.
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 Gab es eine Band, die dich besonders geprägt hat? Du hast jetzt schon einige Bandnamen erwähnt... Die alten Säcke habe ich schon alle erwähnt ... Jethro Tull spielen jetzt in Berlin. Ja. Ich muss sagen, die vorletzte CD, die ich mir gekauft habe, war die Solo - CD von Ian Anderson, die letzte war Music von Madonna. Meine Lieblingsband ist Type O´ Negative. Echt? Die gleiche Blutgruppe, wie ich. Eigentlich, wäre Type O´ Negative für uns ein cooler Bandname gewesen.
Bei Fotosessions habe ich eine Zeit lang, bei mir zu hause, praktisch nichts anderes, als Type O´ Negative, oder vielleicht auch Rammstein gehört. Es gab einfach zu viele Zeiten, wo ich viele verschiedene Sachen gehört habe. Vor Jahren habe ich auch eine Zeit lang nur AC/DC gehört. Highway To Hell ... Ja, die ganz alten Sachen. Aber ich höre auch Songwriter, wie Jorney Mitchell - im Grunde wechselt es. Ich habe eine Zeit lang sehr viel gehört, wie Apocalyptic Folk.
Fand ich hoch interessant, die ganze Death In June / Sol Invictus - Sachen, wobei ich immer ein bisschen an Crosby, Stills, Nash & Young und James Tayler denken muss, dass sind eigentlich die Wurzeln.
Eigentlich wäre das Feld, Wald und Wiesenmusik, Lagerfeuermusik, wo es mir Langezeit peinlich war so etwas zu machen.
Letztendlich sind das auch die Wurzeln, wo ich herkomme und die Songs vom neuen Album sind fast alle so entstanden.
Frank spielt eine Gitarrengeschichte oder ich spiele eine Gitarrengeschichte, aber ich sehe mich nicht als Obergitarristen, wenn schon, dann Bassisten. Wird der Text auf die Musik geschrieben? Zuerst ist die Musik da, wobei die Musik noch nicht der Song ist, diese Gitarrenakkorde, Synthigeschichten. Fallen dir dazu die Lyrics ein, oder ... Das kommt tatsächlich danach, manchmal passiert es auch, dass kurz vor der Aufnahme, im Studio, ich noch etwas umändere.
Jetzt habe ich ein Powerbook, da kann ich mit meinem transportablen Drucker immer voll an den Start gehen.
Eigentlich ist dieTextgeschichte das Langwierigste. Du schreibst die Songs? Ja. Auf dem neuen Album gibt es einen, wo der Text von Frank ist . Der einzige und allererste Song, der in deutsch gesungen wird - ´Wie eine Feder´. Ist es ein anderes Gefühl, wenn man einen Song singt, der von jemand anderem geschrieben worden ist? Ach, das ist so schlimm nicht.
Bei Love Never Dies und Shining Star auf dem Album, war Roman Schönsee und unser Studiomann Peter Thiel, auch textmässig dabei.
Es macht keinen großen Unterschied.
Ich muss sagen, bei ´Wie eine Feder´ haben wir lange überlegt, ob wir den Song auf das Album nehmen sollen.
Durch den deutschen Text, dachte ich, ob wir jetzt Songs für Schwulenclubs machen, oder wie?
Am Anfang hatten wir Angst, dass er vielleicht aus dem Rahmen fällt. Wäre denn ´I Don´t Love You Anymore´ peinlich, wenn es auf deutsch gesungen würde? Vielleicht nicht, das müssten wir ausprobieren, eine gute Idee. Auf dieser Idee liegen Tantiemen ... Wir brauchen eine zweite Mädchenstimme.
Wir haben kurz überlegt, ob wir jetzt völlig verrückt geworden sind.
Bei uns lief noch nie vorher irgend etwas in deutsch. Aber das wäre eine Herausforderung ... Ja, gut. Wir sind nicht Goethes Erben oder Rammstein. Ich möchte nicht, dass wir uns riesig ein abzappeln, um unbedingt auf deutsch zu singen.
Mir liegt das Englische einfach mehr, es ist ein bisschen geschmeidiger, so wie ich singe.
Wir haben früher bei Aufnahmen, bis zu zehn Stimmen aneinander gelegt, da ist das Englische ein bisschen geeigneter.
Bei, Wie eine Feder singt Frank auch Teile mit. Bei diesem Song fand ich es auch super gut.
Ich könnte wahrscheinlich zu jedem einzelnen Songtext soviel reden, wie ich jetzt geredet habe, aber ich möchte auch Spielraum lassen.
Genauso, wie bei den Fotos, wie beim Bandnamen, irgend etwas, da kann ich ruhig Freiraum für Interpretationsmöglichkeiten lassen.
Ich muss nicht immer eine Gebrauchsanweisung liefern, wie der Song entstanden ist, wegen Liebeskummer
oder so einer Geschichte.
Es kann jeder sein eigenes Ding finden und die Leute finden auch etwas darin, was die Geschichte funktionieren lässt. Der Grund ist vielleicht, dass kein zu enger Käfig da ist. Ist es eigentlich ein Konzeptalbum, dass sich alles um ein Thema kreist ? Wir arbeiten seit zweieinhalb Jahren an diesem Album. Ich wusste nicht einmal, ob es Silke Bischoff weiter geben würde.
Es gab ganz gravierende Änderungen. Axel ist ausgestiegen, das ganze Theater und Firlefanz, Rechtsanwälte. Ganz kurze Zeit dachte ich, dass Frank zu mir am Wochenende rauskommt und wir machen Party, spielen ein paar Akustik - Songs, es sind vielleicht eins, zwei, drei Leute zu Besuch, damit könnte ich auch leben.
Nach einiger Zeit haben wir gemerkt, dass, was wir machen ist es.
Ich habe auch überlegt, wenn es zu viel Stress gibt, mit dem Namen und Axel, wird notfalls ein neuer Name genommen.
Eigentlich wäre es Blödsinn gewesen, weil ich dieses Scheissding schon immer gemacht habe. Hast du kein Interesse einmal etwas Neues auszuprobieren? Nein im Gegenteil, das schlimmste wäre Stagnation und wir würden eine Fortsetzung von Waste Of Time Teil 3 machen ... Da es schon einmal gut angekommen ist ... Genau, wie ich habe jetzt ein Logo, was jeder erkennt und deswegen nehme ich es jetzt immer. Heute sind die Logos sogar andere, als dieses Standard Silke Bischoff - Logo.
Die Fotos sind auch völlig anders, als beim letzten Album, denn ich entwickle mich auch weiter.
Es muss sich bewegen, ich möchte auch nicht der Typ sein, der ab einem gewissen Punkt stehen bleibt und dieses Ding ewig wiederholt, weil es einmal irgendwie die Aufmerksamkeit von ein paar Leuten erregt hat.
Es muss etwas passieren und das ist bei
diesem Album der Fall - den ihr auch noch
bestätigen werdet (grins).
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 Okay, (wir haben verstanden). Könntest du dir vorstellen mit Musik oder Fotografie alt zu werden?Bitte? Dass bei einem mehr Herz drin liegt ? Nein, dass ergänzt sich völlig. Ich meine, das Gute ist, dass das so passt.
Es gibt natürlich andere Bands, die haben irgendwann einen Fototermin, dann achtet das Label darauf, was es kostet und im schlimmsten Fall sind die Fotos schlecht.
Ich fotografiere ständig. Mit dem Selbstaulöser? (grins) Nein die Fotos von mir sind von Miri. Das war ein Scherz. Sie ist auch Visagistin.
Bevor das erste Bild gemacht wird, werden die Leute zwei Stunden geschminkt. So zu arbeiten macht Spass.
Es ist manchmal ganz nett Bandfotos zu machen, Love Like Blood, Evils Toy, Christian Death, aber eigentlich fotografiere ich nur für Silke Bischoff.
Eigentlich hasse ich nichts mehr, als irgendwie zu wissen, dass man in einer Woche ein Foto von irgend etwas braucht.
Ich fotografiere über einen langen Zeitraum und habe dann sehr viel Auswahl, hunderte von Kontaktbögen.
Ganze Fotostrecken sind nie veröffentlicht worden, weil sich das Konzept in der Zwischenzeit verändert hat. Weisst du eigentlich noch, wann du das erstemal bewusst fotografiert hast? Die ersten bewussten Fotos waren ziemlich scheisse. Ich habe mir damals eine Minolta X-300 gekauft.
Ich war noch in der Ausbildung - damals hiess es Druckvorlagenherrsteller für Reproretusche, der frühere Lithograph.
Ich habe heute noch einen Job, als Projektmanager in der Druckvorstufe.
Ich mache einen Job, der nichts mit Silke Bischoff zu tun hat, sondern wo es darum geht, Prospekte, Anzeigen, Datenversand, solche Sachen praktisch zu managen.
Und das erste bewusste Foto war eigentlich von diesem damaligen Mädchen, eine Halbchinesin. Mit der ich zusammen war, was dann auseinander ging. Das Foto war ein bisschen schwärzlich, eine Wavegeschichte.
Ich bin auch zum einkaufen mit der Kamera gegangen und habe jeden Scheiss geknipst.
Irgendwann hat es sich ergeben. Durch dieses damalige Mädchen eigentlich, wo bist Du?
Leider keinen Kontakt mehr.
Ich habe auch für Fetishmagazine fotografiert, also in Stuttgart gibt es Fetishversand und ~verlag.
Die bringen regelmässig ein Heft heraus und machen Fetish Parties.
Eine Zeit lang war ich dort, der Haus- und Hoffotograf, dann habe ich für das Gothicmagazin fotografiert.
Covers gemacht, damals oft auf Konzerte und Bands fotografiert, das ist mir eigentlich too much. Zu anstrengend? Nein, irgendwann fragst du dich, was dir eigentlich lieber ist.
Heute abend daraus zu fahren und du musst morgen viertel nach fünf aufstehen und wieder den ganzen Tag nur herum telefonieren.
Oder lieber am Wochenende von Diane, unserem jetzigen Covergirl oder Miriam, Nicole, irgend jemand Fotosession zu machen und da ein Bild raus zu picken, wo du weißt, was du machen willst.
Das interessiert mich viel mehr, als das Gefühl zu haben, ich habe mal ein Zillocover gemacht, was die Bilder von Love Like Blood, die habe ich fotografiert, das erzähle ich nicht ... Vielleicht ein paar Aufkleber aufs T-Shirt, kommt eventuell an? (grins) Ich bin kein Sandwichman. Das ist zwar toll, ich freue mich auch, wenn die Fotos vor allem gut sind.
Irgendwie denke ich innerlich, dass ist doch totale Scheisse, aber es ist niemals totale Scheisse.
Ich kann es gar nicht fassen.
Ich sehe mich nicht als Fotograf.
Wenn jetzt jemand käme und sagen würde, dass sie sich das so und so vorstellen.
Dann würde ich sagen, ich kenne andere Fotografen, die können das besser.
Diese Fotografen knipsen so, wie du das haben willst. Das ist Luxus, sich das leisten zu können ... Nein es ist machbar, weil ich einen stressigen Job habe.
Die Bandgeschichte jetzt ein bisschen anläuft.
Ich caste nicht irgendwelche Models von der Agentur.
Mit solchen Geschichten hast du gleich Honorar, 50% Aufschlag, bei oben ohne und, was es wird ein Plakat?
Ich mache eigentlich nur Fotos von der Familie so zusagen, von Leuten, die dazu stossen.
Das ist überschaubar, ich brauche keinen Assistenten, keinen Beleuchter.
Ich mache keine Fotosession für irgendeine Firma und fliege nach Ibiza
Das alles findet bei uns zu hause statt. Deswegen ist es überschaubar. Wo hast du die Energie eigentlich hergenommen, als der Absturz war, den Willen durchzuhalten? Eigentlich, das Bedürfnis weiter Songs zu machen und warum jetzt das Album herauskommt?
Weil Frank und ich Songwriter sind. Wie seid ihr an John Fryers herangekommen? Das ging über DRAKKAR.
Um ehrlich zu sein, John Fryer hat mir vorher nichts gesagt.
Ich habe das erst später mitbekommen mit HIM, Depeche Mode und den Namen.
Frank und ich haben ein bisschen die Haltung gehabt - super - wir machen seit zweieinhalb Jahren an dieser herum und jetzt kommt irgend jemand und sagt, wie das Album zu klingen hat, nur weil er einen fetten Namen hat.
Dann kam ein Anruf von DRAKKAR, billig würde das nicht werden, wobei ich jetzt nach dem Ganzen wollte, dass das Bestmögliche herausgeholt wird.
Im nachhinein, war, dass das Beste, was wir machen konnten.
Er hat eben nicht nur ein fetten Namen, wobei das vielleicht für das Label wichtig oder für Interviewfragen ist ... So war das nicht gemeint ... Nein. Am Schluss geht es nicht darum, dass er einen grossen Namen hat, den man raushängen kann, sondern er ist wirklich geil.
Du musst dir vorstellen, du hängst wochenlang im Studio herum, verteilt über einen längeren Zeitraum.
Du hast keinen Abstand mehr dazu und jemand, wie Fryer, der sagt, das schmeissen wir heraus und da machen wir das, einfach ein bisschen sortieren. Wenn ich das vorher gehört hätte, wäre meine Meinung gewesen - weg mit diesem Typen.
Was aber jetzt das Coole ist, dass ich denke, es kann um so bereichernder für eine Geschichte sein, wenn andere Einflüsse zugelassen werden und sich nicht daneben zu hocken und zu meinen, das will ich aber nicht so... Das hat aber doch jeder, so eine Art, von falschen Stolz. Ja. Du hast ewig daran gearbeitet, es ist dein Baby.
Im nachhinein war es wirklich das aller Beste.
Der Typ ist super gut.
Ohne mich jetzt loben zu wollen, dass, wenn ich das Album am Stück durch höre, bei mir zu hause, mit einer Diskokugel und blauer Lampe, taumele ich fast aus dem Raum heraus, weil es mich um haut - vom Sound, fette Bässe.
Frühere Sachen klingen jetzt, wie Proberaum-, Kinderzimmerstudio.
Sind wir jetzt fertig? Ja, wir erlösen dich. Das war ironisch gemeint. Danke für das angenehme Interview und viel Erfolg. Danke
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a.jo
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