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Half Pint - recollection 

11.03.2001

Auf dem Aufkleber, der auf meiner CD pappt, steht: "Reggae des Skunk Labels braucht keine Empfehlungen". Stimmt, denn nicht nur die CD von Half Pint erschien in den USA auf diesem Label, sondern auch die von Sublime, den Long Beach Dub Allstars und Filibuster. Die Half Pint CD steht in der Tradition des jamaikanischen Roots-Reggae und versammelt nicht mehr erhältliche Singles aus den letzten Jahrzehnten des Sängers aus Kingston. Seine Songs sind musikalisch komplexe Arrangements mit vorsichtigen Synthesizer-Einsätzen, die leider stellenweise seine melodische Stimme in den Hintergrund stellen. Ähnlichkeiten mit anderen Legenden aus Jamaika sind nicht zu überhören. So komme ich beim fünften Song "Great Stone" nicht daran vorbei, an Peter Tosh´s "Na Goa Jail" zu denken, was aber nicht störend wirkt. Die Rhythmen sind dynamisch und immer mit einem charakteristisch tiefem Bass, der gar keine Wahl läßt als sich von der Musik treiben zu lassen.

Half Pint - recollectionHalf Pint - recollectionNeue Innovationen oder gar Experimente sind auf dieser Scheibe des 70er-Jahre Urgesteins nicht zu finden. Langweilig ist sie trotzdem nicht. Während es für viele Jahre sehr ruhig um Half Pint war, erlebte er ein wohlverdientes Comeback als die kalifornische Band Sublime den Refrain ihres Hits "What I Got" seinem Song "Loving" entnahm. Auf dem Album der Long Beach Dub Allstars, die sich auch aus vielen Sublime-Musikern zusammensetzen, singt Half Pint "Pass it on". Die Texte der Songs sind eindeutig vom Rastafarismus inspiriert, werden aber trotzdem nicht zu puren Lobliedern, auf denen Jah gepriesen wird. Stattdessen strahlen die Texte Hoffnung, Zuversicht und Selbstsicherheit aus: "Some people say, you should forget the problems you once faced in life, but let me tell you, precious, from your old mistakes you learn, so you won´t do them twice: Live and learn!" (Too Late). Während auf der CD die Freude am jahrelangen Musizieren gut hörbar wird, kommt die Präsentation der CD sehr lieblos daher. Das Cover erinnert unwillkürlich an farbkopierte unscharfe Bootlegs, wie sie in New Yorker Plattenläden zu finden sind. Das Booklet besteht aus ganzen zwei farblosen Seiten, die nur dürftig und auf Englisch die Eckpunkte von Half Pints Musikerkarriere aufzählen und keine Gestaltung erkennen lassen. Besonders vermißt habe ich die Texte und eine Diskographie, aus der erkennbar wird, welche Songs wann wo zuerst veröffentlicht wurden. Wen das nicht stört, sollte sich aber die Zusammenstellung einer jamaikanischen Legende nicht entgehen lassen, nicht zuletzt wegen der erwähnten Originalversion von "What I Got".

Robert Kneschke

 

 

 

 


 

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