 Konntet ihr schon vorher ein Instrument spielen oder singen?Ja, aber meistens andere Instrumente. Mein Bruder hat erst mal Congas und Percussions gelernt, statt Schlagzeug. Seit ich 7 oder 8 bin, spiele ich Klavier, aber Bandinstrumente haben wir eigentlich gar nicht gespielt Vergleichbar mit Hausmusik, wie zu Weihnachten? Ja, alles eher klassisch Habt Ihr Unterricht genommen? Nein, wir haben uns das selbst beigebracht Habt ihr schnell gelernt? Eigentlich schon, aber Gitarre spiele ich nicht so gut. Dann musst Du Dich also vor Konzerten immer vorher erst mal entschuldigen ... Ja (lacht) aber für unsere Zwecke glaube ich, reicht es wohl. Ich übe aber noch weiter ... Man lernt nie aus ... Ganz genau. Der Name Slut, stammt er aus dem Englischen von Schlampe, oder ...? Erst mal grundsätzlich kommt er aus dem Lexikon und aus einer Verlegenheit heraus. Wir durften überraschend unser erstes Konzert in Ingolstadt geben. Wir haben für die Plakatdruckerei schnell einen Namen gebraucht. Dafür haben wir das Lexikon aufgeschlagen und da stand es dann... Habt ihr ´blind´ gesucht? Nein wir brauchten etwas kurzes, prägnantes und wir haben im OXFORD Advanced Learner´s nachgeschlagen, dort war die Bedeutung nur in Englisch erklärt. Der Name hat aber nicht viel mit uns zu tun. Ihr habt ein Schloss gemietet, wie seid ihr daran gekommen und wie finanziert ihr es? Lauft ihr dort wie Burgherren mit Krone herum, oder wie muss man sich das vorstellen? Es klingt besser, als es wirklich ist. Es ist ein grosses altes Gutshaus, 500 Jahre alt, nördlich von Ingolstadt. Und es war einmal ein Schloss, aber ein Landschloss, recht einfach und unprätentiös. Eines Tages stand es in der Zeitung und eine Bekannte von uns rief dort an. Daraufhin sind 9 unserer Freunde eingezogen. Ich habe dort nie gewohnt. Mittlerweile sind dort alle von Slut oder Pelzig, unsere Schwesterband. Zur Zeit wohnen 9 Leute da, davon von uns unser Busfahrer, Tonstudiomeister, Life - Mischer. Dort ist alles konzentriert. Es ist schon günstig, wenn man zusammen arbeiten kann und nicht irgendwo hinfahren muss. Das ist super, vor allem, da man nachts Lärm machen kann. Kommen wir zur Musik, habt ihr irgendwelche Idole ? Das ist bei jedem von uns verschieden, aber 3 von uns und damit auch die Mehrzahl waren, glaube ich ziemlich lange The Cure - fixiert. Das 3. Lied ´the day it rained forever´, hat mich an die ´disintegration´ von The Cure erinnert ... Das mit The Cure ist schon länger her, wir finden sie zwar immer noch gut, aber dass wir jetzt irgend ein Vorbild hätten, ist lange her. Wart ihr auf einem The Cure- Konzert in Ingolstadt (grins) ? Nein, in München war das nächste und ich war 5 mal auf The Cure - Konzerten. Hast Du ein Konzert der Bloodflowers - Tour gesehen ? Ja. Und bei der Wild Mood Swings - Tour vor 3 Jahren ? Ja. Was war Deine erste Platte? Mozart, durch das Klavierspielen - bis ich 14 war. Dann ging alles los erstens in der Pubertät und zweistens durch radikale Umbrüche. Ich bin direkt von Mozart zu Iron Maiden. Wie schreibt ihr eigentlich die Texte, macht das einer alleine oder entstehen sie eher durch Teamwork, z.B. durch Brainstorming mit allen an einem Tisch? Nein, das geht nicht. Ich glaube Dazu sind wir zu undiszipliniert, als das wir alle 5 auf einem Haufen irgendein Lied machen könnten. Ein Thema entsteht vielleicht manchmal auf dieser Art und Weise, aber ein ganzes Lied entsteht bei uns auf dreierlei Arten. Entweder allein zu Hause , mit jemand anderem oder in kleinen Gruppen zu zweit / maximal zu dritt. Die Texte mache ich. Allein. Ich muss sie ja auch singen. Und wenn ein anderer eine Idee hat ? Ich lasse mich gerne von einzelnen Wörtern inspirieren. Zum Beispiel von unserem Orgelspieler, der malt und Bilder macht, z.B. die ganze Grafik für unsere Alben und Collagen, in die er Wörter mit einbaut. Solche Inspirationen habe ich auch für ´Lookbook´ verwendet. Nun zum Album - ´Lookbook´ wurde als ´imaginäres Tagebuch´ beschrieben. Durch das Album führt ein roter Faden, aber es ist keine ganze Geschichte, sondern es sind eher mehrere Episoden, die sich eigentlich alle um das selbe Thema drehen. wir haben oft gemeinsam darüber geredet so etwas zu machen. Letztlich sind es meine Ausformulierungen. Viele Lieder mussten angeglichen werden, um in den Kontext zu passen. Und der rote Faden ... Das dauert immer etwas länger, bis ich das erklärt habe. Vor einem Jahr wollten wir, eigentlich erst mal keine Musik machen, sondern ein Buch (daher kommt auch der Name ´Lookbook´) - nicht schreiben - sondern machen. Das Material, dass wir zusammengetragen haben, ging über Texte, Wörter und Sätze hinaus, wurde erweitert durch Zeichnungen, Collagen, Bilder und Fotos. Und dann entschieden wir uns doch wieder Musik zu machen. Vielleicht kann man das - Buch und Musik - zu einem Thema zusammenführen. Wir haben alles angeglichen und einen Hauptdarsteller entworfen. Das ist Andy (Song 04) der Autor des nie geschriebenen oder veröffentlichten Buches Lookbook. In seinen Mund haben wir die ganzen Texte gelegt, bis auf 3 Ausnahmen, wo wir in der 3. Person über ihn singen. Die Geschichte kann man mit Wörtern, wie Identitätsfindung und Verlust umschreiben. Beruht das auf persönlichen Erfahrungen? Auch. Oder ist es eher ausgedacht ... Fiktiv ist eigentlich nicht so richtig. Wilde Geschichten, die gar nichts mit mir zu tun haben, kann ich mir nicht so gut ausdenken. Ich muss schon alles entweder gehört oder erlebt haben. Ist zuerst die Musik da oder der Text? Das ist von Lied zu Lied unterschiedlich. Vor allem bei dieser Platte. Ich glaube grössten Teils ist die Musik vor dem Text da, so dass man den Text gemäss der Stimmung ,die die Musik suggeriert, schreibt.
|