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Stellte man heute der dank Viva Zwei wieder angewachsenen Schar Indiekids die Frage nach der Stadt, von der sie am ehesten das Gefühl von Zugehörigkeit bekommem, die der eigenen leichten Melancholie und Sehnsucht am ehesten gerecht wird mit ihrer Atmosphäre - die Antwort hieße vermutlich Hamburg. Zu sehr ist mit der ehemaligen Hansestadt Musik und Wesen von Tocotronic verbunden, zu sehr haben diese das Selbstverständnis der Außenseiterjugend geprägt, da mag sich Süddeutschland mit Marc Liebschers Blickpunkt Pop im Zentrum noch so sehr mühen.
 Nun bekommt Hamburg aber auch wieder ehr musikalisches Argument: Zwar erschien das erste - selbstbetitelte - Minialbum von scholle, leider weithin unbeachtet, bereits 1997 - die Tatsache aber, dass scholle auch rund vier Jahre nach der Anzeige, die Lars Poeck, Mann an der Gitarre und am Mikrophon, auf der Suche nach Mitkämpfern schaltete, noch existieren und mit der diesjährigen 5-Track-ep "wenndiewelt" und mit "musikalische demonstration", dem Quasi-Teaser für Künftiges, erneut ihre Qualität unter Beweis stellen, macht klar: hier weiß man ganz genau, was man kann und wohin man will.
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 Dabei ist so ungemein erfreulich: scholle klingen nicht wie Tocotronic und wollen auch nicht so sein. Auf Pressefotos präsentieren sie sich freundlich und ohne Eigengefälligkeit, mittlerweile arg vom Gestank der Anbiederung umwehte Hamburger Schule-Trademarks wie alte Turnschuhe oder Cordschlaghosen kriegt man hier nicht. Und auch die Musik ist - zumal auf den neueren Veröffentlichungen - weniger Emo-Geschrammel als vielmehr feiner und zunehmend ruhiger, vielleicht nur hin und wieder ein wenig zu gemächlicher... Pop!
Und wer den Vergleich braucht, dem ist vielleicht noch am ehesten mit Berlins großer Hoffnung Virginia Jetzt! gedient.
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 Jenseits von krampfiger Punk-Attitüde, Hitparaden-Schlager und vergeistigter (und nicht weniger krampfiger) Boheme gibt es in Hamburg somit eine Band, die deutsche Texte und Gitarren-Pop verbindet. Da sollte jeder mal genau hinhören und der Stadt auch die Chance geben, wieder mehr zu sein als das Cordschlaghosen-Nirvana. Ganz offensichtlich geht hier auch einfach gute Musik.
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Friedrich Reip
- 16.12. Hamburg, Logo (mit Astra Kids)
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