 bloom: Was gibt es zur Gründung der Band zu sagen?
Kai: Ich bin nach Berlin gekommen weil ich nicht zur Bundeswehr wollte und habe dann über ein paar Ecken Rio und kurze Zeit danach Lanrue kennengelernt. Dann hat sich das mit der Musik so ergeben. Rio hatte schon viele Songs mit deutschen Texten für Theatergruppen geschrieben, und das hat mich damals schon sehr beeindruckt. Er ist ja auch ein begnadeter Songschreiber gewesen, und da war es nur eine Frage der Zeit bis wir beschlossen haben selber was zu machen, selber eine Band, und nicht mehr für fremde Leute was zu schreiben. Dann haben wir die Scherben gegründet, im Sommer 1970. bloom: Welche Motivation steckte hinter der Musik (Anspruch, Ziele, Erfolg usw.)? Kai: Es ging in erster Linie ums Musik machen und klar, will man auch Erfolg haben, aber wir hatten natürlich einen gewissen Anspruch, da wir damals schon politischer waren als später. Weil das halt auch eine andere Zeit war. Dementsprechend waren dann die Texte in der Anfangsphase. bloom: Wie sah die weitere Entwicklung aus? Funky: Als ich ankam war das so, daß die Gruppe eigentlich schon ziemlich belastet worden ist, durch die Geschichte vorher, man hat das auch gemerkt, daß es unheimlich anstrengend war immer auf Tour zu sein, und sich ständig an der vordersten Front auseinandersetzen zu müssen und zu kämpfen. Es war für die Gruppe damals auch schwer sich überhaupt über Wasser halten zu können, weil auf der einen Seite die Forderungen von der Szene dastanden und man wollte auch was verändern, aber ökonomisch war das überhaupt nicht möglich.
Als ich dann dazu kam, hatte ich das Gefühl im nachhinein, es ging schon mehr um das Prinzip "Glaube, Liebe, Hoffnung". Die ganzen Songs wie "Land in Sicht" oder "Halt Dich an Deiner Liebe fest" sind halt typische Adressen dafür, und ich glaube Rio hat deshalb diese Texte gesungen, weil es im Grunde auch ums innere Überleben der Gruppe ging. Es ging halt nicht weiter, diese harte Schiene zu fahren, weil dann die Gruppe auseinander bricht, und es auf Dauer nicht auszuhalten ist. Von der nervlichen Anstrengung her und weil aber auch was Neues entstehen sollte. Das war auch grundsätzlich in der ganzen Szene so, daß man nach Alternativen gesucht hat, da man festgestellt hat, daß man nicht nur rebellieren kann, sondern anfangen muß, andere Formen zu finden. In dieser Zeit entstand dann eine Bewegung von Leuten, die aufs Land gezogen sind, die auch ökologisch was verändern wollten. Wir haben uns dann gefragt, warum wir das nicht einfach machen sollen. Da wir durch eine Revolution allein den Staat nicht umgestalten können, dachten wir uns wir machen selber so eine Alternativgeschichte.
Das war eigentlich der inhaltliche Gedanke damals, daß wir raus müssen aus der Stadt und daß die Gruppe sich richtig neu aufbauen muß, sonst wäre sie aufgerieben worden...( )
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